Magda Wimmer, Kräfte bündeln

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Wir hatten einen intensiven Winter, in dem es wenig Möglichkeit gab, den Auseinandersetzungen mit sich selbst und mit wichtigen Fragen des Lebens als Mensch hier auf dem Planeten Erde auszuweichen. Und doch gelang es einem grossen Teil der Menschheit, in oberflächlichen Dingen und in Banalitäten stecken zu bleiben…. was vermuten lässt, dass sie sich wohl kaum Zeit nahmen, um ihre Kraft zu sich selber zurück zu bringen und sie aufzubereiten für das, was vor uns liegt.

Die Welten haben sich inzwischen extrem geteilt: während die einen das alte System unter allen Umständen aufrecht erhalten und sich mitunter angstvoll daran festhalten, brechen andere bereits auf und durch… Sie spüren den Fahrtwind hinein in etwas völlig Neues, während sie zunehmend von anderen ausgegrenzt und für das vermeintliche “Desaster” verantwortlich gemacht werden. Auf eine bestimmte Weise aber bedingen beide einander. Die einen sorgen dafür, dass nicht alles sofort zusammenbricht und die anderen kümmern sich um den Abriss eines am Ende angekommenen Systems und um den Übergang zu etwas Neuem.

Das “alte Theater” verliert nun zusehends auch seine Schrillheit und Eindringlichkeit und die meisten blicken bereits gelangweilt in Richtung Bühne (wenn sie es überhaupt noch tun), ähnlich denen, die den Fernseher ständig eingeschaltet haben. Kaum jemand bemüht sich noch zu verstehen, was die Drehbuchschreiber in ihren Aufführungen darbieten wollen – und es gibt auch nicht wirklich etwas zu vestehen.

Diejenigen aber, die sich an die vorgegebenen Theater-Regeln halten, fühlen sich nun immer mehr siegessicher und sie träumen davon, dass es bald schon “wie früher” weitergehen wird. Ihre ganze Kraft wird dabei in dieses System hineingebunden. Wer aber nicht selber im Besitz seiner Kräfte ist, ist wie ein Fähnlein im Wind und er wird ängstlich und krank… Bald schon wird er die Welt nicht mehr verstehen, denn wir merken immer mehr, dass diejenigen im Hintergrund, die die Fäden ziehen, keinesfalls daran denken, die Menschen wieder in eine Art von Normalität zurück zu entlassen. Ganz im Gegenteil.

Es ist für uns deshalb jetzt ganz wesentlich, dass wir unsere Kräfte sammeln und dass wir sie schliesslich bündeln, sodass sie bereit sind, wenn dann der Zeitpunkt kommt, an dem wir hinausgepresst werden aus dem Gewohnten und Bekannten… um dann selber wieder Meister zu werden über unser Sein hier auf diesem Planeten. Es wird ein Geschehen sein, dessen Ausmass wir erst erahnen können. Und all das wirkt nun bereits sehr nahe.

Das eiserne Gitter, hinter dem wir so lange gefangen waren, ist schon weit offen… und es wird bald unsere konzentrierten Kräfte brauchen, damit wir dann tatsächlich hinausschreiten und uns vom Neuen in Empfang nehmen lassen können. Mit vielfach zerstreuten Energien, wie wir es normalerweise handhaben, wird dieser Schritt jedoch unmöglich sein. Unsere Kräfte bündeln bedeutet, dass wir unsere Seelenkraft kennen und mit ihr eins sind.

Bevor man uns beibringen konnte, daß es nur vier Jahreszeiten und einige grosse Zyklen im Leben gibt, haben wir als Kinder Dutzende von zyklisch wiederkehrenden Zeiten im Jahr und an jedem Tag wahrgenommen: die Zyklen des Schaffens und des Faulenzens, des Laufens und Stillestehens, des Anteilnehmens und Sich-Zurückziehens. Es gab eine Zeit, in der wir nicht nur von äusserlichen, sondern auch von seelischen Zyklen mit all ihren Nuancierungen bewegt wurden, mal aufgescheucht, dann wieder beruhigt wurden. Dieses Zyklische gehört zu unserer Seelenhaut, jener Membran, die uns und das Wildnatürliche in einen einzigen Körper hüllt, dessen Grenzen unabsehbar sind.

Alle Zitate stammen aus: Clarissa Pinkola Estés: Die Wolfsfrau

Diese innere Wahrnehmung ist ein Teil der weiblichen Kraft in uns. Es ist die Fähigkeit, im Austausch mit unserer tiefsten Seinsebene zu bleiben – sowohl als einzelne, als auch auch als Menschheit insgesamt. In den Kindern ist sie noch sehr präsent, später geht sie dann oft für lange Zeit verloren… manchmal so lange, bis wir aufgrund von besonderen Ereignissen oder Herausforderungen dazu angehalten werden, diese Verbindung wieder zu suchen. Dafür aber ist gerade jetzt eine ganz grosse Zeit.

Instinktiv spüren wir, dass wir am Ende einer Welt und einer Epoche angekommen sind… in der die Menschheit die untergeordnete Rolle im Spiel der Macht inne-hatte, in der wir von Leiden, Krieg und Katastrophen zum nächsten Leiden, in den nächsten Kriege und die nächste Katastrophe hineingingen. Wir wurden geboren, lernten uns einzuordnen und taten, was von uns erwartet wurde… bis wir am Ende aus dem Leben gingen, oft alt, krank und gebrochen, um irgendwann wieder in denselben Ablauf zurück zu kommen. Die allermeisten Menschen sind dabei stets schlafend durch ihr Leben gegangen und genauso schlafend sind sie wieder-gekommen.

Wir könnten freilich, wenn wir es so entscheiden, damit weitermachen… doch wird es die alte “Gemütlichkeit” in diesem System nicht mehr geben. Denn es ist aufgebrochen, die harten Gitterstäbe sind verbogen, die Mauern haben tiefe Sprünge, es zieht überall durch… die bisherigen Versorgungsstellen wurden fluchtartig verlassen und die Denkfabriken haben durchgedreht.

Geschichten von Geschöpfen mit geheimnisvollen Verwandtschaftsbeziehungen zu den Menschen werden weltweit in allerlei Abwandlungen erzählt, denn sie sind archetypisch, also universell gültig. Am relevantesten sind ihre Symbole für die Menschen in den nordischen Regionen und überall dort, wo es ein Meer gibt. Die Kelten, Schotten und die Völkerstämme Islands, Sibiriens und Nordwest-Amerikas erzählten unterschiedliche Versionen dieses Märchens, das gewöhnlich unter dem Titel (…) der kleine Seehund auftaucht. Die Geschichte erzählt von unserer wahren Herkunft, von dem Stoff, aus dem wir gewirkt sind, und erklärt, daß wir einem innewohnenden Urinstinkt folgen sollen, der uns periodisch auffordert, in unsere ozeanische Heimat zurückzukehren.

Es geht hier um die Geschichte unseres Daseins in der menschlichen Welt, das immer leerer und trauriger wird, je länger wir an der Oberfläche verharren und je länger wir vergessen, wieder in die Tiefen unseres Seelenlebens einzutauchen. Die meisten tun es deswegen, weil sie schlafen und weil ihnen nie jemand davon erzählt hat. Es gibt kaum Möglichkeiten in unserer heutigen Gesellschaft, dieses Kräfte-Sammeln und die Heimkehr in die eigene Seelentiefe zu lernen – eher ganz im Gegenteil.

Inzwischen sind wir in einer (weltweiten) Gesellschaft angekommen, die dieses Seelendasein sogar systematisch auszuschalten versucht. Was bleibt, ist die Sehnsucht, die jeder Mensch instinktiv in sich hat und die Angst, die dann zugegen ist, wenn wir keine Seelenverbindung mehr haben. In der Erzählung vom Seehund heisst es, dass ein trauriger Mann in seinem Kajak beim Anblick eines Seehundes manchmal an alte Geschichten denkt, die davon erzählen, daß Seehunde vor langer Zeit einmal Menschen waren, was man heute noch an ihren Augen erkennt, an dem weisen und liebevollen Blick in ihren glänzenden Augen. (C. Pincola Estés)

Taucht dann in einem Augenblick der Verzweiflung die Seele (symbolisch dargestellt als Seehundfrau) auf, dann versucht “der einsame Mann” im Fischerboot (das Ego), sich ihrer zu bemächtigen, indem es ihr die am Ufer abgelegte Seehund-Haut einfach stiehlt und sie damit zwingt, bei ihm an der Oberfläche zu bleiben – so die Geschichte. Aus der Verbindung zwischen beiden aber entsteht schliesslich ein Kind, das halb Mensch und halb Seehund ist… und das (noch) in beiden Welten zu Hause ist: in der weiblich-seelischen Unterwasserwelt und in der männlich-psychischen Körperwelt. Die lebendige Beziehung zwischen beiden Welten ist zwar natur-gegeben, doch muss sie immer wieder bewusst gestärkt und oft auch erneuert werden. Das Kind ist der Geist, der beide Welten und beide Pole verbindet.

Das Robbenfell in dieser Geschichte ist weniger ein Gegenstand als ein Seinszustand oder Gefühl. Es ist ein Zustand, in dem Frauen vollkommen in sich zu Hause sind, in sich ruhen, anstatt ausser “sich” und ihrem Urzustand zu sein. Auch wenn dieser Zustand nicht durchgehend bewahrt werden kann und im Alltag gelegentlich verlorengeht, bleibt ein Abglanz, eine Art Nachglut davon zurück, der uns vor Entgleisungen bewahrt, denn durch die periodische Rückkehr in diesen Urzustand werden die psychischen Reserven soweit aufgestockt, daß der Mensch sich den Anforderungen des Lebens in der Außenwelt gewachsen fühlt.

Das gilt für Frauen gleichermassen wie für Männer. Wir haben jetzt die grosse Chance, uns darin zu üben, wieder jene Seelenwesen zu werden, die wir eigentlich sind. Zu lange hat man uns allen das Fell über die Ohren gezogen und so mussten wir nackt in einer Welt leben, der wir nur wenig entgegen zu setzen hatten… weil sie weder unsere Natur noch unsere geistigen Fähigkeiten nährte. Seelisch sind wir darin – vor allem in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten – beinahe verhungert.

Eigentlich wussten wir alle sein längerem schon, dass es “so nicht mehr weitergehen kann”. Und doch gab es nur wenige Möglichkeiten, als Menschheit insgesamt den Weg heraus zu finden. Jetzt aber ist diese einzigartige Möglichkeit da und sie war noch nie so gross. Der Zeitpunkt aber, der unseren Ausstieg aus dem Bisherigen endgültig machen wird, scheint bereits sehr nahe.

Unsere Seele muss, wenn wir Mensch sein wollen, immer wieder aus den Tiefen des Meeres auftauchen, ihre heile Welt verlassen und sich mit der körperlichen Ebene vereinen, um so das Kind zu zeugen, das Bewusstein, welches beide für immer verbindet… Das ist wahre Freiheit und wir müssen sie immer wieder wählen, weil die Verbindung zwischen Körper, Geist und Seele sich ständig verändert und wandelt.

Das mag mühsam erscheinen. Wirklich mühsam aber ist ein Leben, das allzu glatt verläuft, weil es uns schläfrig macht und unsere Kräfte in alle Winde zerstreut, bis wir uns leer fühlen und uns die Verbindung zu allen Ebenen abhanden gekommen ist. Wir brauchen die Herausforderung, uns ganz auf die physische Wirklichkeit einzulassen und dennoch im Blickkontakt mit der Seele zu bleiben.

Dieses Gefühl, ganz und gar in der eigenen Haut zu Hause zu sein, geht uns fast tagtäglich verloren. Durch zuviel harte Arbeit verlieren wir es, durch zu starken Druck von außen, durch Unaufmerksamkeit, bei der nicht beachtet wird, was man tut und was die Folgen der eigenen Handlungen sind. Wir fahren aus der Seelenhaut, wenn das Ego überhand-nimmt, durch blinden Ehrgeiz, Perfektionismus oder Unzufriedenheit mit dem, was ist; indem wir uns unnötig zum Märtyrer machen oder vorgeben, ein unerschöpflciher Kraftquell für andere zu sein, oder indem wir uns nicht selbst aus der Patsche helfen.

Die Förderung des Ego aufkosten der Seelenqualität war ein zentraler Bestandteil unserer Welt und bis vor kurzem hätten wir uns auch wenig dabei gedacht. Es war normal, sich zu verausgaben, um zu erreichen, was die Gesellschaft uns als hehre Ziele vorgegeben hat. Mehr noch war es abwegig und absurd, Zeit zu vertun mit komischen Träumereien und nutzlosem Rückzug, um “die Seele baumeln zu lassen”. Erst in den vergangenen Jahren ist es zu einem Geschäftsmodell geworden, stets jedoch so, dass unsere wahre Seelenverbindung dabei nie angesprochen und beachtet wurde.

Jetzt aber wurden wir mit einem Mal aus dem “siebten Himmel” geworfen und der freie Fall heraus setzt sich noch fort. Wir spürten dabei erstmals im grossen Kollektiv der Menschheit, wie nackt und verwundbar wir sind und wie unverlässlich all das ist, was uns bisher als einzig wahre Wirklichkeit präsentiert worden war. Die Illusion von einer modernen und fortschrittlichen Welt ging dabei in Brüche, wenn sie auch im Handumdrehen einfach durch eine neue Illusion ersetzt wurde. Die Macht, welche die eine Illusion erzeugt hat, ist auch die Macht, von der die nächste stammt.

Freilich, für die Regisseure dieses “Welttheaters” ist damit das Ziel erreicht – zumindest glauben viele von ihnen das momentan noch. Bei genauem Hinsehen zeigt sich jedoch, dass selbst durch das Regiebuch bereits ein gewaltiger Bruch verläuft, weshalb auch die Schauspieler zunehmend wie geköpfte Hühner herumrennen und die gesamte Aufführung alles andere als einen Sinn ergibt. Das ist so, auch dann, wenn man mit lautstarker Dauer-Beschallung davon abzulenken versucht.

Traditionell kompensieren wir den Verlust unseres natürlichen Habitats mit Urlaubsreisen in angenehmere Gefilde, aber solche Ferienreisen sind, wie wir aus Erfahrung wissen, oft alles andere als erquickend und labend. Und gegen verspannte Nacken- und Rückenmuskeln, die wir vom Arbeitsplatz nach Hause tragen, lassen wir uns massieren oder gönnen uns sonstige Tröstungen. All das ist gut und richtig, aber ein Urlaub ist keine Zufluchtsstätte für das Seelenselbst. Freizeit, Sport, Spiel und Entspannung sind nicht dasselbe wie Seelenruhe. Am besten ist es, sich gar nicht erst zu weit von der Seelenhaut zu entfernen und sie auch nicht achtlos irgendwo liegen-zulassen.

Langsam werden wir jetzt zur Kenntnis nehmen müssen, dass man uns die Möglichkeit zu einer solchen Kompensation ganz einfach entzieht. Zuerst nahm man uns unser “natürliches Habitat”, also unsere bisherige normale Welt… Und jetzt nimmt man uns zunehmend jede Möglichkeit, auszuweichen und in eine andere Welt zu flüchten. Das aber ist gut so, weil wir nur so bereit werden, uns von jenem jahrtausende-alten Gefängnis zu befreien, das wir lieb-gewonnen haben, weil es uns die Notwendigkeit erspart hat, den Weg zu gehen, der uns zu Menschen macht.

Wir müssen uns deshalb nun uns selber stellen und uns dabei langsam in Erinnerung rufen, wer wir wirklich sind und welche Aufgabe wir als Menschen auf dem Planeten Erde haben. Und wir müssen dabei unsere Kräfte einsammeln, die wir verstreut und in jene Bereiche hinein verschwendet haben, die sie seit langem schon mißbraucht und aufgesaugt haben.

Aber die Menschen wollen “frei sein” und sie gehen dabei dem ganzen Spiel noch einmal komplett auf den Leim. Dieses Mal aber geht es um sehr viel und es sind keine harmlosen Entscheidungen mehr, die wir da zu treffen haben. Machen wir weiter mit, dann kann das mitunter eine Entscheidung auf Leben und Tod sein. Schon jetzt zeigen sich grosse Veränderungen in Menschen, die sich zu einem scheinbar harmlosen “Stich” entscheiden, um endlich wieder “normal” leben zu können.

Auf therapeutischer Ebene sind die Auswirkungen davon mitunter sehr erschütternd, weil sich schwere Verwerfungen in den Energiekörpern zeigen und der Mensch als solcher nur mehr wie eine Fassade wirkt, die leer dasteht und abgetrennt ist vom Innenleben inklusive den geistigen Kapazitäten. Die Entscheidung eines jeden Menschen ist jedoch zu achten, auch wenn sie aus Unwissenheit und Bequemlichkeit gefällt wurde…

Der einsame Mann in dieser Geschichte ist ein Ego, das am Seelenleben teilnehmen will. Aber als Ego hat er nicht die Veranlagung, kooperativ mit der Seele zusammenzuarbeiten, und so versucht er, die Seele gefangenzunehmen, anstatt die Beziehung mit ihr langsam zu entwickeln. Warum stiehlt das Ego die Robbenhaut? Weil es sich nach Licht sehnt, wie alle einsamen und hungrigen Wesen. Es erkennt die Möglichkeit, dem Licht der Seele nahe zu sein, und schleicht sich von hinten an, um ihr eine ihrer glänzenden Häute, mit denen sie sich geschickt und unerkannt durch verborgene Seinsbereiche bewegt, zu stehlen.

Das betrifft auch diejenigen, die Regie führen hinter den Kulissen. Es sind dieselben, die einst aus dem “Licht der Schöpfung” herausgefallen sind, um ihre eigene Macht zu erproben und selber Gott zu spielen. Durch diesen “Fall” haben sie ihr ursprüngliches Licht verloren und sie sind rasend vor Sehnsucht, es wieder zu “haben”. Doch Licht kann man nicht “haben”, genauso wenig wie Liebe. Es fordert eine Kehrtwende, die jedoch umso schwieriger ist, je länger man sich vom Licht entfernt und dem Ego gefröhnt hat.

Auch diesbezüglich zeigen sich “Risse im System”… und zwar schon seit einer Weile. Denn die beeindruckende Macht dieser Regisseure hat seit vielen Jahren schon einen deutlichen Knick bekommen und unbewusst realisieren manche von ihnen bereits, dass es auch auf dieser Ebene nicht mehr lange so weitergehen wird. Die Egokraft ist in der physischen Welt aber “der König”… und er hat gerade noch einmal versucht, sich die Krone aufzusetzen, um sein Werk zu vollenden.

Wir sind selber Meister in dieser Welt des Ego geworden. Wir wissen, wie wir uns durchsetzen, wie wir uns zeigen müssen und was von uns erwartet wird. Wir haben sehr gut gelernt, was wir tun müssen, um gewisse Dinge zu manifestieren und wir haben unseren Verstand geschärft, damit wir Alltag und Leben bewältigen können. Das ist überaus wichtig in einer Realität, wie wir sie hier auf der Erde vorfinden. Doch es ist nur eine Seite unseres Potentials und unserer Möglichkeiten.

Das Ego weiß keinen anderen Weg. Es ist das Dunkle oder Zwielichtige, das sich unwiderstehlich zu der Unschuld des Lichts hingezogen fühlt. Und da es von Natur aus nicht unter Wasser existieren kann, will es die Seele zu einer intimen Beziehung über Wasser zwingen. Das Ego ist grobschlächtig im Vergleich zur Seele und geht normalerweise nie mit Zartgefühl an die Dinge heran, die es haben will. Aber es wird von einer nur vage verstandenen Sehnsucht nach Schönheit getrieben und meint, zur Ruhe kommen zu können, wenn es ein Lichtwesen “sein eigen” nennen kann.

Also ist es unser eigenes Ego-Selbst, das den Pelz in seinen Parka steckt und danach nicht mehr hergeben will. “Ach bleib doch bei mir”, flüstert das Ego uns zu. “Ich werde dich glücklich machen”. … Und so wird die Seele in eine intime Beziehung mit dem Ego hineingedrängt, so wie es am Anfang der weiblichen Individuation sein muß. Die liebende Seele ordnet sich dem herrschsüchtigen Ego unter, damit wir die materielle Welt erforschen können, damit wir lernen, wie man Besitz erwirbt, wie das Gute sich vom nicht so Guten unterscheidet, wie ein physischer Körper und der umfassendere Körper der Gesellschaft funktioniert…

Es ist für uns jetzt unbedingt notwendig, dass wir wieder ein Gefühl für unser Seelenfell bekommen und dass wir die Scheu ablegen, in ihre wässrige und unkontrollierbare Welt einzutauchen… Wir werden lernen, dort immer wieder für eine Weile zu bleiben, um uns von ihr stärken und nähren zu lassen, weil wir erkennen, dass das die Basis für ein ausgeglichenes Menschenleben ist.

Und darin liegt die Lösung für uns alle. Sie scheint auch bereits durch die bestehenden Systeme hindurch und bricht sich ihren Weg hinaus. Genau dafür aber brauchen wir unsere gebündelten Kräfte, denn ein unglaublicher Umstieg und Ausstieg steht uns bevor. Der aber wird uns dazu befähigen, wieder das innere Feuer zu entfachen, welches wir selber über Jahrtausende stillgelegt haben wie in einem schlafenden Vulkan.

Seit einer Weile schon brodelt es da drinnen jedoch. Und sobald sich dieses Feuer seinen Weg nach aussen gebahnt hat, wird es die rohe Struktur unseres Egos erfassen und in einen ebenbürtigen Partner für den wässrig-weiblichen Seelenteil transformieren. Es wird ein Fest sein…

Menschsein ist die Vereinigung dieser beiden Pole auf einer gleichwertigen Ebene und es wird dabei der kostbare Schatz eines vollen Bewusstseins gezeugt. Aus diesem Bewusstsein heraus werden wir sicherstellen, dass unsere Seele in Zukunft jenen Platz einnimmt, den sie sich einst gewählt hat.

Das Geisteskind ist der aufgewachsene Lichtsamen, und es ist ein Wunderkind, das den unhörbaren Ruf vernimmt, das ferne Raunen, das uns mitteilen will, wann es Zeit wird, in uns zu gehen, zu uns selbst zurückzukehren. Das Kind ist ein Aspekt unserer medialen Instinktnatur. Es folgt der Stimme im Wind, läßt sich aus dem Bett zerren, hinaus in die Sturmnacht, um die Seelenhaut zu finden.

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