Was, wenn es Menschen gibt, die tatsächlich kein Selbst in sich finden? Die nurmehr mit so viel Seele in den Körper gegangen sind, dass halt die Vitalfunktionen da sind und das Minimum geht, was hier „gehen“ muss? Was, wenn die Inkarnation nie ganz vollzogen wurde, weil der Eintritt in die Dichte, die Individuation sich so schmerzhaft angefĂĽhlt hat und so viel Angst gemacht hat, dass das eigentliche Vorhaben nie ganz ausgefĂĽhrt wurde?
Was, wenn sich fĂĽr diese „Menschen“ das ganze Leben leer anfĂĽhlt, inklusive sie selbst, sie sich wie abgeschnitten, getrennt fĂĽhlen, hohl, kraftlos, und der ganze Sinn darin besteht, nach etwas zu suchen, was diese Leere fĂĽllt und alles und jeder im Umfeld dazu hergenommen wird, sich „selbst“ zu spĂĽren, eine Idee von Existenz zu haben, sich damit zu fĂĽllen und der andere oder das Projekt nur mehr benutzt wird, um ein GefĂĽhl von Lebendigkeit und „ich“ zu erzeugen? Sie versuchen, „es“ sich einzuverleiben? Was aber nie fruchtet oder nur kurz, weil es sich dennoch unbefriedigend und fremd anfĂĽhlt und vor allem erschöpfend ist? Existenzberechtigung gibt es nur in Bezug zu jemand anderem. Sie fĂĽr sich haben keine. Wie auch?
Was, wenn diese leere Hülle im Laufe des Lebens gefüllt wird, mit fremden, übernommenen Ansichten, bunt zusammengewürfelt, lose, unzusammenhängend und jede Begegnung mit diesen Menschen irritierend ist, weil hinten und vorne nichts zusammenpasst, weil eine Strategie, ein Muster, eine Maske nach der nächsten von ihnen probiert wird, um die Idee von Kontakt zu haben, nur kein wahres Wesen zum Vorschein kommt, weil es schlicht nicht hier ist?
Jeder Versuch, sie zu greifen, geht ins Leere. Im wahrsten Sinne des Wortes. Auch ihr eigener. Jeder Versuch, sie zu verstehen, scheitert, weil da nichts ist, was verstanden, begriffen werden könnte. Auch von ihnen selbst nicht. Nur Durcheinander, das nicht sie sind.
Diese Menschen suchen, suchen ĂĽberall. Wollen Kontakt, merken, dass sie darin entweder das GefĂĽhl haben, ausgelöscht zu werden, wenn der andere seinen Raum einnimmt, oder machen den anderen zu ihrem Projekt, um sich zu spĂĽren. Dann wird Kontakt schnell anstrengend, weil sie entweder „ĂĽbergangen“ werden, oder sich im „Liefern“ erschöpfen. Dann mĂĽssen sie alleine sein und haben sich selbst auch da nicht. Es dient lediglich der körperlichen Erholung bis zur nächsten Runde Suche. Sie erleben nie echten Kontakt, was ohne das eigene Selbst sehr verständlich ist. Der andere kann noch so präsent da sein, sie werden keine Verbundenheit spĂĽren. Reden, Körperkontakt, gemeinsame Aktivitäten erzeugen kurz ein GefĂĽhl von Verbundenheit, das muss aber immer wieder wiederholt werden und ist nicht nachhaltig.
Die stete Suche im Außen ist letztlich genauso erfolglos wie die Suche im Innen. Beides ist unendlich frustrierend und kraftraubend, kommt die Kraft doch tatsächlich hauptsächlich von Nahrung und nicht aus der Quelle.
Die Wurzel von so ziemlich jedem „Problem“, jedem Leid, ist die nur teilweise Inkarnation. Die mĂĽsste erstmal zu Ende gemacht werden, aber der Teil der Seele, der noch vor den Pforten zur Erde steht, will nicht hier sein. Der kleine Teil der Seele, der im Menschen ist, befindet sich in der Hölle. Zum Sterben zu viel, zum Leben zu wenig. Nicht hier, nicht dort. Scheinbar nicht handlungsfähig, weil zur Eigenmacht der GroĂźteil der Seele in den Körper mĂĽsste. Und dann ist da dieses SchuldgefĂĽhl, die Scham, es nicht getan zu haben, das GefĂĽhl ein Feigling zu sein, Kleinheit, Minderwertigkeit. Das alles wirkt IMMER im Untergrund, omnipräsent. Es ist demjenigen entweder direkt anzusehen oder muss irgendwie kompensiert oder vertuscht werden oder gar mit einem gegenteiligen Selbstbild bekämpft und vor sich selbst verborgen werden. Halleluja! Was fĂĽr eine Mischung!
Ich hab mir das alles nicht ausgedacht. Das alles beruht auf Erfahrung und bestätigter, gemeinsamer Forschung. Bis vor wenigen Tagen wusste ich überhaupt nichts von diesem Phänomen. Auf der Erde aus dem Körper gehen, ja, aber gar nicht erst hierhin kommen, das ist eine ganz andere Hausnummer. Ich wäre wahrscheinlich die erste gewesen, die es unterschrieben hätte, dass eben wirklich alles in sich selbst zu finden ist und zwar bei jedem. Pustekuchen. Ich wurde definitiv eines Besseren belehrt und staune seither, weine viel, fühle viel.
Ich hatte, ohne es zu wissen natĂĽrlich, mit einigen dieser Wesen sehr viel zu tun. Bei mir fallen die Groschen in Dauerschleife. Plötzlich verstehe ich so viele schräge Situationen, so viel von meinem Unwohlsein, so viel von meinem Innenerleben, meiner Verzweiflung, meiner Wut und vielem mehr im Umgang mit ihnen. Ich begreife die anderen und damit einhergehend, was DAS fĂĽr mich bedeutet hat, wie chancenlos ich war, wie frustrierend solcher Umgang ist, mit WAS ich es ĂĽber weite Strecken zu tun hatte und ebenfalls weiĂź ich bei einigen, dass unsere Verabredungen anders waren. Der Deal war, dass wir alle GANZ inkarnieren. Ich hab’s gemacht. Auch dieses GefĂĽhl von „wir hatten verdammt nochmal eine andere Verabredung“ kann ich nun nochmal mehr verstehen.
Damit will ich es erstmal bewenden lassen. Ganz bestimmt ist dazu noch lange nicht alles gesagt und auch nicht erforscht. Aber bis hierhin wollte ich es schon mal geteilt haben.
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