Über das Gefühl, verraten worden zu sein. (Eine Antwort auf die Bitte um Klarheit) Nicky Hamid

Wenn wir geben, während in uns eine Bedürftigkeit nach Gegenleistung lebt, bereiten wir uns selbst auf Enttäuschung vor. Dieses „Etwas vom anderen zurückbrauchen“ spiegelt oft einen Mangel an Selbstliebe wider – und ein leises Gefühl, nicht wirklich würdig zu sein. Doch sobald wir beginnen, diese emotionale Abhängigkeit loszulassen, lassen wir auch unsere Erwartungen darüber fallen, wie andere sein sollten. Wir sehen sie klarer, wahrhaftiger und oft viel früher.

Dann hören wir auf, für andere nur deshalb etwas zu tun, damit sie glücklich sind, uns anerkennen oder unsere inneren Bedürfnisse erfüllen. Stattdessen sorgen wir zuerst dafür, dass wir selbst glücklich sind.

Wenn ich mit mir selbst im Frieden bin, wird es ganz leicht, mich für die Geschenke zu öffnen, die das Leben und andere Menschen mir bringen. Diese Geschenke erscheinen häufig auf unerwartete und wunderbar überraschende Weise. Oft sind es kleine Dinge, die schon immer da waren – doch wir hatten keine Augen für sie, weil unser Wunsch nach „Zurückbekommen“ uns geblendet hat.

Wenn ich gebe, dann gebe ich, weil es mich glücklich macht. Ob der andere dieses Geschenk bemerkt oder anerkennt, verändert nichts an der Freude, die ich in diesem Moment empfinde. Vielleicht kommt später eine aufrichtige Würdigung – und dann ist sie ein zusätzlicher Segen.

Vielleicht können wir also sagen: „Geben und Nehmen“ ist keine besonders tragfähige Grundlage für eine Beziehung. „Geben und Empfangen“ hingegen schon.

Und wenn ich dir gebe und du nur nimmst, dann erkennst du die Wahrheit meines Geschenks nicht – doch das sagt etwas über dich aus, nicht über mich. Wenn ich jedoch weitergebe, voller Hoffnung auf deine Anerkennung, während du mich gar nicht „sehen“ kannst, weil du ganz in dich selbst vertieft bist, dann ist mein fortgesetztes Geben fast so, als würde ich meinen eigenen Selbstwert fortwerfen.

Weißt du, wir erhalten ständig Signale darüber, ob andere bereit sind zu empfangen oder nicht – oft schon sehr früh in unseren Begegnungen. Entscheide also aus deinem Gefühl innerer Stärke heraus, was du geben möchtest, und nicht aus dem Bedürfnis heraus, dass jemand anderes dir bestätigt, was für ein wunderbarer Mensch du bist.

Wir alle möchten geliebt, geschätzt und in unserem Wesen erkannt werden. Das liegt tief in der menschlichen Natur. Und für jeden von uns wird dieser Wunsch erfüllt werden, je mehr wir uns in ein Bewusstsein von Einheit hineinbewegen und beginnen, mit unserer großen Seelenfamilie zu leben.

Und währenddessen lernen wir, unsere eigene Kraft anzunehmen und vor allem wahrhaft zu lieben, wer wir sind – und die Kraft unseres herzgetragenen Liebens zu erfahren.

Unterscheidungsvermögen und Klarheit sind dabei große Schlüssel.

Lerne zuerst, dir selbst zu geben: die Geschenke von Freiheit und Selbstausdruck, von Liebe und vollkommenem Respekt, von Verbundenheit und Dankbarkeit für diese Verbundenheit. Dann wirst du viel klarer sehen können, wie du anderen geben kannst – ohne aus einer Reaktion heraus zu handeln und ohne Erwartungen oder das Bedürfnis, etwas „nehmen“ zu müssen.

Mit anderen Worten: Du wirst offener dafür sein, die verborgenen Geschenke in allem zu empfangen, was dir widerfährt. Du wirst die erstaunliche Schönheit des großen Gesprächs erkennen können, das das Universum – gespiegelt in den Ereignissen deines Lebens – mit dir führt. Du wirst bereit sein zu empfangen, statt zu „nehmen“ oder etwas erzwingen zu wollen.

Und schließlich wirst du Verrat nicht mehr auf dieselbe Weise erleben, weil deine Handlungen nicht länger von der Reaktion anderer abhängen, sondern davon, dass du selbst die Gefühle erschaffst, die du erfahren möchtest.

Auf diese Weise entwickelst du schnell ein Gespür dafür, was du anderen geben möchtest. Durch deine Ehrlichkeit dir selbst gegenüber und durch das Wissen deines Herzens wirst du erkennen, wann es Zeit ist, einen Schritt zurückzutreten – vielleicht mit einem liebevollen Lächeln, wenigstens für dich selbst – und weiterzugehen.

Du lernst nicht, weniger zu geben, sondern nur noch das zu erwarten, was ein anderer freiwillig und aus eigenem Herzen schenken kann. Und du verschwendest keine Zeit mehr mit unrealistischen Hoffnungen, dass jemand da sein müsse, um deine Bedürfnisse zu erfüllen.

Sei frei von Urteil und in liebevoller Annahme dessen, was ist. Liebe dich selbst, du sanfte Seele – und dann wird es nicht nur leicht, andere zu lieben; du wirst auch jene anziehen, die ebenfalls lernen, in sich selbst zuhause zu sein. Sie kommen, weil sie in dir die lebendige Verkörperung ihrer eigenen inneren Sehnsucht erkennen. Und so werden Menschen in dein Leben treten, die offen sind, dich zu lieben.

Ich liebe dich so sehr.
(Und es erfüllt mich mit großer Freude – ganz gleich, was du über mich denkst oder sagen magst.)


PS: Verrat bedeutet vielleicht auch: Alles an Energie, das du aus Bedürftigkeit heraus verschenkt hast, wird dir auf einem feinen silbernen Tablett zurückgereicht. Bist du bereit, es anzunehmen? … Hmmmm?

Ich weiß, was ich tun würde. Ich würde sagen:
„Danke, danke. Jetzt weiß ich es. Und ich nehme diese Geschenke freudig zu mir zurück und genieße sie für mich selbst. Danke. Ich liebe dich.“

Und dann würde ich in den Sonnenuntergang gehen. Vielleicht würde ich eines Tages zurückkehren – doch diesmal wäre ich mehr bei mir selbst. Zuerst getragen von der Erkenntnis der Frequenz der Liebe und dann von einem Widerstandsloswerden gegenüber dieser Frequenz.

In dir gibt es einen Raum, in dem du lernen kannst, deine Gefühle zu betrachten, ohne sie zu verurteilen, zu erklären, wegzuschieben oder zu ignorieren. Jede Emotion – ob Angst, Wut oder was auch immer – findet zurück zur Liebe, wenn wir sie umarmen, beobachten und sein lassen, wie sie ist: Energie in Bewegung, die durch unseren Körper fließt und alte, unbewusste Erinnerungen löst. Sie alle möchten zur Liebe heimkehren.

PPS: Wenn du dies verstehst, wirst du vielleicht auch erkennen, wie viele geliebte Seelen so lange getäuscht wurden – indem sie den sogenannten Autoritäten und Führungspersonen unserer menschlichen Systeme vertrauten oder glaubten, keine eigene Stimme zu haben. Wir haben unsere Freiheit gegen unser Bedürfnis nach Sicherheit eingetauscht. Und jetzt, da immer mehr Menschen sehen, wie dunkel manche dieser Autoritäten gewesen sind, wird wohl jeder auf seine Weise die Tiefe dieses Verrats spüren.

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© Übersetzung Rosi