Wahre Friedensarbeit. Lichtweltverlag

Scholé-Nachrichten 03 / 2026

AUSZUG:

Liebe Scholé-Freunde,

Zum Abschluss der JÄNNER-NACHRICHTEN wollte ich eigentlich noch auf das 4. Gebot eingehen, doch dann sind mir noch einige wichtige Aspekte dazu eingefallen, so dass ich das Thema bis heute vertagt habe.

Auf die ersten drei Gebote des jüdischen und christlichen “Grundgesetzes”, in denen es um die Beziehung zu Gott geht, folgt das 4. Gebot als Brücke zu den sechs Geboten, die der Beziehung zum Menschen gelten: Bei genauerer Betrachtung  gibt das 4. Gebot das dazu gehörige Menschenbild vor. “Du sollst Vater und Mutter ehren, damit du lange lebest und es dir wohl ergehe auf Erden” verstehe ich als Rechtfertigung des Patriarchats. Es begründet einen Gott-Vater-Kult, ein Gottesgnadentum, auf das sich die Oberhäupter von Familien, Vereinigungen und Staaten berufen können sowie natürlich der “Heilige Vater” bei den Katholiken. Die letzten Jahrzehnte haben, denke ich, hinlänglich bewiesen, dass sich nicht viel verändert, wenn anstelle eines Mannes eine Frau auf den Thron gesetzt wird.. Daher würde ich vorschlagen, dieses Gebot umzudrehen:

DU SOLLST DEINE SÖHNE UND TÖCHTER UND ALLE KINDER EHREN, DAMIT LIEBE UND FRIEDEN VON ANFANG AN DAS LEBEN DER MENSCHEN BESTIMMEN.

Ich bin überzeugt, dass diese Formulierung dem Geist des Evangeliums viel eher entspricht und vielleicht sogar bewirken könnte, dass sich die Christen mit Gottes Sohn identifizieren und ihm nachzufolgen versuchen, anstatt ihn auf Thron oder Altar zu verbannen. Doch auch die Gefühle gegenüber Gott Vater könnten sich positiv verändern, würde er nicht mehr als strenger, Gehorsam fordernder Patriarch gesehen, sondern als Quelle des Lebens und der Liebe, als großzügiger Schöpfer, der als heiligender Geist  in jedem seiner Geschöpfe präsent ist und jedes in seiner Besonderheit achtet und liebt.

In tierischen Gemeinschaften – seien es Wölfe, Löwen, Ameisen oder Vögel – hat der Schutz der Jungen absolute Priorität. Nur Menschen kommen auf die abartige Idee, aus Gehorsam gegenüber einer Obrigkeit ihre Jungen ohne Not aus dem Schlaf zu reißen oder gar in Kriegen verheizen zu lassen. Nur Menschen zwingen ihre Nachkommen, sich gegen die Eltern zu stellen, um ihr Recht auf Selbstbestimmtheit einzufordern, wenn sie erwachsen werden. Im Rudel, im Schwarm oder in der Herde finden sie von Anfang an ihren Platz und wachsen Schritt für Schritt in ihre Gemeinschaftsaufgaben hinein. Meine Freunde, die Freilerner, haben vielfach den Beweis erbracht, dass Menschenkinder von Natur aus nicht dümmer und hilfloser sind als Tierkinder, ja, dass sie auf ihren individuellen Lebenswegen ohne Vorgaben und Zwänge sogar leichter und besser vorankommen als Schüler.

In Geborgenheit und Liebe aufgewachsene Menschen werden sich, davon bin ich fest überzeugt, auch deutlich leichter tun, die Gebote 5 bis 10 einzuhalten, denn wie man in den Wald hineinruft, so schallt es zurück:

Wer um seiner selbst willen geachtet und geehrt wird, dem werden Ehrsucht, Rachsucht, Neid und Eifersucht, die Wurzeln aller Sünden und Verbrechen, deutlich weniger zu schaffen machen. Und wenn sich alle gleichermaßen wohl fühlen, ist das bestimmt die beste Voraussetzung dafür, dass sie einander als Brüder und Schwestern betrachten und freudvoll miteinander teilen, was sie haben.

Vollständiger Originalbeitrag: https://lichtweltverlag.at/2026/03/25/wahre-friedensarbeit/