Während du diese Worte liest, ist der Augenblick, in dem das Licht von deinem Bildschirm ausging, bereits vergangen.
Deine Augen empfangen Signale.
Dein Gehirn verarbeitet sie.
Es verbindet, ergänzt, ordnet und interpretiert.
Und erst daraus entsteht das, was du für den unmittelbaren Augenblick hältst.
Du erlebst die Welt nicht einfach. Du erlebst eine fortlaufend zusammengesetzte Vorstellung von ihr.
Das Erstaunliche daran ist nicht, dass diese Verarbeitung Zeit benötigt.
Sondern dass du sie normalerweise nicht bemerkst.
Du siehst einen Menschen lächeln.
Du hörst seine Stimme.
Du spürst eine Berührung.
Alles scheint gleichzeitig stattzufinden.
Dabei verarbeitet dein Gehirn unterschiedliche Sinneseindrücke mit unterschiedlichen Verzögerungen und fügt sie zu einer zusammenhängenden Erfahrung.
Es entsteht ein Jetzt, das sich vollkommen selbstverständlich anfühlt.
Aber was genau ist dieses Jetzt?
Ein Zeitpunkt?
Ein Zeitraum?
Oder die Art, wie unser Bewusstsein Veränderung zu einer erlebbaren Gegenwart verbindet?
Vielleicht ist das Merkwürdigste an der Zeit nicht, dass sie vergeht.
Sondern dass wir uns ständig in ihr befinden, ohne den Augenblick jemals unverarbeitet betrachten zu können.
Wir erinnern uns an gestern.
Wir erwarten morgen.
Und nennen das, was dazwischen geschieht, Gegenwart.
Vielleicht ist das Jetzt kein Ort, an dem du ankommst. Sondern etwas, das dein Gehirn ununterbrochen für dich herstellt.
Und während du versuchst, diesen Gedanken festzuhalten, ist auch der Moment, in dem du damit begonnen hast, bereits Vergangenheit.
Du kannst einen Augenblick erleben. Aber du kannst ihn nicht anhalten, um nachzusehen, ob du wirklich darin warst.



