Eine tiefgehende Botschaft über Religion, das Jüngste Gericht, die sogenannte Sünde und die Wahrheit unseres göttlichen Seins…
Seit Jahrtausenden erzählen Menschen anderen Menschen, wer Gott sei, was Gott verlange, wen Gott liebe, wen Gott bestrafe und welchen Weg ein Mensch gehen müsse, um eines Tages zu ihm zurückkehren zu dürfen. Religionen wurden gegründet, heilige Schriften verfasst, Gebote aufgestellt, Sünden definiert und ganze Glaubenssysteme errichtet, die den Menschen erklären sollen, wie sie zu Gott gelangen. Doch ich möchte heute eine ganz andere Frage stellen: Wie kann ein Mensch zu etwas zurückkehren müssen, von dem er niemals getrennt gewesen ist? Wie kann Gott außerhalb von uns existieren, wenn alles, was existiert, aus derselben göttlichen Quelle hervorgegangen ist? Wie kann ein unermessliches, allgegenwärtiges Bewusstsein gleichzeitig überall sein und ausgerechnet im Menschen nicht vollständig gegenwärtig sein? Für mich beginnt genau hier der größte Irrtum vieler religiöser Lehren, nämlich bei der Vorstellung, dass Gott etwas von uns Getrenntes sei, eine übergeordnete Instanz, die uns beobachtet, bewertet, belohnt oder bestraft. Ich erkenne Gott nicht als ein Wesen irgendwo über den Wolken. Ich erkenne Gott als das unendliche Bewusstsein, das sich durch alles Leben selbst erfährt. Ich bin Gott im Menschenkostüm. Du bist Gott im Menschenkostüm. Alles, was existiert, ist Ausdruck derselben göttlichen Quelle. Nicht als Überlegenheit gegenüber irgendeinem anderen Wesen, sondern als tiefste Erinnerung an unsere gemeinsame Herkunft.
Und dann kommen wir zu einer der wohl widersprüchlichsten Vorstellungen überhaupt, dem sogenannten strafenden Gott. Ein Gott, der bedingungslose Liebe sein soll, aber gleichzeitig mit ewiger Verdammnis droht. Ein Gott, der seine Schöpfung liebt, aber angeblich bereit ist, Teile dieser Schöpfung für immer von sich auszuschließen. Ein Gott, der allwissend sein soll, aber seine eigenen Geschöpfe erst durch Prüfungen schicken muss, um anschließend über sie zu richten. Erkennt ihr den Widerspruch? Wenn Gott die unendliche Liebe selbst ist, weshalb sollte diese Liebe Bedingungen stellen? Weshalb sollte sie Gehorsam verlangen? Weshalb sollte sie Angst benötigen, um erkannt zu werden? Und weshalb sollte Gott etwas bestrafen, das innerhalb seiner eigenen unendlichen Schöpfung erfahren wurde? Für mich ist die Vorstellung eines strafenden Gottes kein Ausdruck göttlichen Bewusstseins, sondern Ausdruck eines menschlichen Gottesbildes, das über Jahrhunderte von Angst, Schuld, Kontrolle und Trennung geprägt wurde.
Auch das sogenannte Jüngste Gericht betrachte ich aus einer vollkommen anderen Bewusstseinsebene. Ich erkenne darin keinen zukünftigen Tag, an dem ein göttlicher Richter auf einem Thron sitzt und darüber entscheidet, welche Seele würdig ist und welche nicht. Für mich ist das eigentliche Gericht die Begegnung des Bewusstseins mit sich selbst. Der Moment, in dem nichts mehr verdrängt, beschönigt oder verborgen werden kann, weil das eigene Sein in seiner ganzen Wahrheit erkannt wird. Nicht Gott richtet über mich, sondern mein Bewusstsein erkennt, was ich durch meine Erfahrungen erschaffen, gefühlt, weitergegeben und ausgelöst habe. Und diese Erkenntnis geschieht nicht durch Strafe, sondern durch Bewusstwerdung. Denn was sollte eine ewige Bestrafung hervorbringen, außer weiteres Leid? Wäre es nicht viel göttlicher, wenn jede Erfahrung letztlich der Erkenntnis, der Verantwortung und der Rückkehr ins Herzbewusstsein dienen würde?
Dasselbe gilt für das, was Religionen als Sünde bezeichnen. Ich erkenne keine Seele, die durch eine Erfahrung ihren göttlichen Ursprung verlieren könnte. Ich erkenne Bewusstsein, das sich auf unterschiedlichen Ebenen erfährt. Manche Erfahrungen entstehen aus Liebe, Mitgefühl, Verbundenheit und Herzbewusstsein. Andere entstehen aus Angst, Schmerz, Unbewusstheit, Machtstreben oder dem Gefühl der Trennung. Doch auch diese Erfahrungen gehören zur menschlichen Bewusstseinsreise. Das bedeutet nicht, dass alles, was Menschen einander antun, deshalb liebevoll oder folgenlos wäre. Wer verletzt, trägt Verantwortung. Wer Leid verursacht, darf erkennen, was sein Handeln bewirkt hat. Aber zwischen Verantwortung und ewiger Verdammnis liegt ein gewaltiger Unterschied. Ich brauche keinen Begriff wie Sünde, um zu erkennen, wann ein Mensch gegen sein eigenes Herz und gegen das Leben handelt. Und ich brauche keine Angst vor göttlicher Bestrafung, um mich für Mitgefühl, Wahrhaftigkeit und Liebe zu entscheiden. Für mich liegt die tiefere Erkenntnis jenseits der starren Einteilung in Gut und Böse. Es geht um Bewusstheit und Unbewusstheit, um Verbundenheit und Trennung, um Erfahrungen und ihre Folgen. Das menschliche Sein umfasst Licht und Schatten, und Bewusstsein bedeutet für mich, beides erkennen zu können, ohne die Verantwortung für das eigene Handeln abzulegen.
Besonders bemerkenswert finde ich die Vorstellung, dass ein Mensch erst Jesus annehmen, verehren oder sich zu einer bestimmten Religion bekennen müsse, um Gott nahe sein zu dürfen. Was wäre das für eine bedingungslose Liebe, die zunächst eine bestimmte Glaubenszugehörigkeit verlangt? Was wäre das für eine göttliche Einheit, die Milliarden Menschen aufgrund ihrer Religion voneinander trennt? Jesus verkörpert für mich gerade nicht die Botschaft der Trennung, sondern die Erinnerung an das göttliche Bewusstsein im Menschen. An Liebe, Vergebung, Mitgefühl und die Einheit mit der Quelle. Ich muss Jesus nicht auf einen unerreichbaren Thron stellen, um seine Botschaft in meinem Herzen zu tragen. Ich darf vielmehr erkennen, welches Bewusstsein durch ihn zum Ausdruck gebracht wurde und was davon auch in mir lebendig ist. Weshalb sollte ich einen Menschen ausschließlich verehren, anstatt das Bewusstsein zu erkennen, an das er erinnern wollte? Vielleicht liegt die tiefere Bedeutung seiner Botschaft gerade darin, dass wir aufhören, das Göttliche ausschließlich außerhalb von uns zu suchen.
Und damit komme ich zu den Kirchen, religiösen Institutionen und sektenartigen Gemeinschaften. Ich spreche hier nicht gegen Menschen, die in ihrem Glauben Liebe, Trost und Verbundenheit finden. Jeder Mensch darf seinen eigenen Zugang zum Göttlichen leben. Ich hinterfrage jedoch jede Lehre, die behauptet, allein über die Wahrheit zu verfügen. Jede Gemeinschaft, die mit Hölle, Verdammnis oder göttlichem Zorn droht, sobald ein Mensch beginnt, selbstständig zu denken. Jede religiöse Autorität, die verlangt, dass Menschen ihre eigene innere Wahrnehmung aufgeben und stattdessen bedingungslos einer vorgegebenen Lehre folgen. Wo Angst notwendig ist, um Menschen an einen Glauben zu binden, darf die Frage gestellt werden, ob dort tatsächlich die göttliche Liebe im Mittelpunkt steht oder menschliche Kontrolle. Gott braucht für mich keine Vermittler, keine Eintrittskarten, keine religiösen Titel und keine Institution, die darüber entscheidet, wer seiner würdig ist. Die göttliche Quelle ist nicht Eigentum irgendeiner Religion. Sie war da, bevor der erste Tempel errichtet, die erste Kirche gebaut und das erste religiöse Buch geschrieben wurde.
Vielleicht ist es deshalb an der Zeit, dass wir beginnen, uns selbst einige wirklich tiefgehende Fragen zu stellen:
Wenn Gott überall ist, wo genau soll er dann außerhalb von mir sein?
Wenn Gott mich erschaffen hat, aus welcher Substanz sollte ich bestehen, wenn nicht aus seiner eigenen göttlichen Essenz?
Wenn Gott bedingungslose Liebe ist, weshalb sollte diese Liebe meinen Glauben an eine bestimmte Religion zur Voraussetzung machen?
Wenn meine Seele göttlichen Ursprungs ist, wie könnte sie jemals vollständig von Gott getrennt werden?
Wenn Gott allwissend ist, weshalb sollte er mich erst prüfen müssen, um zu erfahren, wer ich bin?
Wenn Gott unendlich ist, wie könnte eine einzelne Religion seine gesamte Wahrheit erfassen?
Wenn Jesus Liebe und Vergebung verkörperte, weshalb wird sein Name dann benutzt, um Menschen Angst vor Verdammnis zu machen?
Und wenn ich nur deshalb Gutes tue, weil ich eine göttliche Strafe fürchte, handle ich dann wirklich aus Liebe oder lediglich aus Angst?
Diese Fragen sollen niemandem seinen Glauben nehmen. Sie sollen vielmehr dazu einladen, einmal hinter die übernommenen Vorstellungen zu schauen. Denn wie viele Menschen glauben etwas, weil sie es tatsächlich in ihrem tiefsten Inneren erkannt haben? Und wie viele glauben etwas, weil es ihnen bereits als Kind erzählt wurde, weil ihre Eltern daran glaubten oder weil sie gelernt haben, dass Zweifel gefährlich seien? Eine Lehre wird nicht automatisch zur göttlichen Wahrheit, nur weil sie über Jahrhunderte weitergegeben wurde. Und eine Schrift wird nicht dadurch zur vollständigen Beschreibung Gottes, dass Menschen sie für heilig erklären. Das unendliche Bewusstsein lässt sich nicht zwischen zwei Buchdeckel sperren. Es lässt sich nicht auf eine Glaubensgemeinschaft begrenzen und nicht durch menschliche Regeln vollständig definieren.
Für mich gibt es nicht den christlichen Gott, den muslimischen Gott, den jüdischen Gott oder den Gott irgendeiner anderen Glaubensrichtung als voneinander getrennte göttliche Quellen. Es gibt unterschiedliche Namen, Überlieferungen, Bilder und Wege, mit denen Menschen versuchen, das Unermessliche zu beschreiben. Doch das göttliche Licht selbst braucht keinen Namen. Es kennt keine Staatsgrenzen, keine Religionszugehörigkeit, keine Hautfarbe und keinen gesellschaftlichen Status. Es durchdringt alles Leben. Es ist im Menschen, im Tier, in der Natur, in den Sternen und in jedem noch so kleinen Ausdruck der Schöpfung gegenwärtig. Niemand besitzt mehr göttlichen Ursprung als ein anderer. Niemand muss sich diesen Ursprung verdienen. Niemand kann ihn durch eine religiöse Zeremonie erst erhalten. Wir können uns unseres göttlichen Ursprungs bewusst werden, aber wir müssen ihn nicht erst erschaffen.
Ich persönlich brauche deshalb keine Religion, um Gott zu erkennen. Mein eigenes Sein ist für mich der unmittelbare Zugang zur göttlichen Quelle. Wenn ich sage, dass ich Gott bin, dann meine ich damit nicht, dass meine menschliche Persönlichkeit über anderen Menschen steht oder dass ich als Mensch alles weiß. Ich meine, dass das Bewusstsein, aus dem ich hervorgegangen bin, niemals aufgehört hat, in mir gegenwärtig zu sein. Dasselbe gilt für jeden anderen Menschen, unabhängig davon, ob er Christ, Muslim, Buddhist, Atheist oder vollkommen frei von religiösen Vorstellungen ist. Niemand muss meine Wahrnehmung übernehmen. Aber ich wünsche mir, dass Menschen wieder den Mut entwickeln, ihre eigenen Fragen zu stellen, ihrem Herzen zuzuhören und zwischen einer lebendigen Gotteserfahrung und einer übernommenen Gottesvorstellung zu unterscheiden.
Vielleicht besteht das größte Erwachen unserer Zeit nicht darin, eine neue Religion zu finden, sondern darin, zu erkennen, dass wir niemals eine gebraucht haben, um mit der göttlichen Quelle verbunden zu sein.
Vielleicht müssen wir nicht erst würdig werden, Gott zu begegnen.
Vielleicht dürfen wir einfach aufhören, uns für unwürdig zu halten.
Und vielleicht ist die tiefste göttliche Erkenntnis nicht: „Ich muss den Weg zu Gott finden.“
Sondern: „Ich war niemals von Gott getrennt. Ich bin ein Ausdruck seiner unendlichen Liebe, und alles Leben ist es ebenso.“
In unermesslicher Liebe und göttlichem Bewusstsein
Sandra Lumina ![]()
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