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In der heutigen Folge sprechen wir mit dem Experten Uwe Linke über das Thema Neurotraining bei Traumafolge.
Neurotraining bei Trauma zielt darauf ab, das Nervensystem zu regulieren und die Gehirnfunktionen zu verbessern, oft durch Methoden wie Neuroathletik, TRE (Tension & Trauma Releasing Exercises), Atemübungen und Achtsamkeit, um tief sitzende Spannungen zu lösen und die Neuroplastizität zu nutzen, damit sich das Gehirn neu vernetzen kann.
Während kognitive Therapien wichtig sind, helfen diese körperorientierten Ansätze, die oft durch Trauma blockierte Stressreaktion zu verarbeiten und so Symptome wie Angst, Übererregung und Flashbacks zu lindern, oft durch gezielte Wahrnehmungs-, Bewegungs- und Atemübungen.
In dem Video sprechen Uta und Herbert gemeinsam mit ihrem Gast Uwe über die langfristigen Folgen von narzisstischen und traumatischen Familiendynamiken und darüber, warum Geschwisterzusammenhalt in solchen Systemen etwas Besonderes ist. Ausgangspunkt ist die gemeinsame Kindheit von Uta und Herbert, die von emotionaler Unsicherheit, fehlender Unterstützung und narzisstischen Verhaltensmustern geprägt war. Uwe hebt hervor, dass solche Systeme Geschwister häufig gegeneinander ausspielen und Konkurrenz, Machtkämpfe und Rollen wie das goldene Kind oder das schwarze Schaf fördern. Umso bemerkenswerter sei es, dass Uta und Herbert ihre Verbindung gehalten haben und sich bis heute gegenseitig stützen.
Ein zentrales Thema des Gesprächs ist der Umgang mit Kritik, Abwertung und Manipulation, sowohl im privaten Umfeld als auch öffentlich, etwa durch anonyme Kommentare. Uwe beschreibt, dass selbst langjährige therapeutische Erfahrung nicht davor schützt, emotional getriggert zu werden, weil alte Verletzungen und Überlebensmuster angesprochen werden. Wissen allein reicht nicht aus, um Trauma folgenlos zu machen. Entscheidend ist, wie gut jemand gelernt hat, mit den eigenen Reaktionen umzugehen und sich innerlich zu regulieren.
Darauf aufbauend erklärt Uwe ausführlich, was unter Neurotraining zu verstehen ist. Dabei geht es um einfache Übungen aus Sportwissenschaft und Nervensystemforschung, die helfen, dem Körper im Hier und Jetzt Sicherheit zu signalisieren. Durch gezielte Reize über Sehen, Atmung, Gleichgewicht und Körperwahrnehmung kann das Nervensystem reguliert werden, sodass Stress, Anspannung und alte Alarmzustände abklingen. Anhand praktischer Beispiele zeigen die Beteiligten, wie schnell solche Übungen Wirkung zeigen können und warum sie besonders bei Trauma, Angst und Übererregung hilfreich sind.
Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der Neubewertung körperlicher Reaktionen wie Schwitzen, Zittern oder innerer Unruhe. Diese werden nicht als Versagen dargestellt, sondern als intelligente Regulationsversuche des Körpers. Wenn man lernt, diese Reaktionen zu beobachten statt zu bekämpfen, verlieren sie ihren bedrohlichen Charakter und verstärken sich nicht weiter. Auch alltägliche Verhaltensweisen wie Wippen, Nesteln oder Summen werden als unbewusste Selbstregulation eingeordnet, die häufig fälschlich abgewertet wurde.
Das Gespräch weitet sich auf grundsätzliche Fragen von Stress, Angst, Leistung und Selbstwert aus. An Beispielen aus Schauspiel, Bühne und Alltag wird deutlich, wie sehr Angst vor Versagen die innere Freiheit einschränken kann und wie viel Zeit es braucht, um mehr Gelassenheit und Selbstvertrauen zu entwickeln. Immer wieder wird betont, dass es nicht darum geht, alte Erfahrungen auszulöschen, sondern die eigene Reaktion darauf zu verändern und das Toleranzfenster des Nervensystems zu erweitern.
Abschließend machen die drei deutlich, dass der Podcast auch deshalb so vielen Menschen hilft, weil er Verbundenheit anbietet. Gerade Menschen aus narzisstischen oder emotional vernachlässigenden Familien fehlt oft ein inneres Gefühl von Sicherheit, Erdung und Selbstregulation. Uta und Herbert stellen mit ihrer offenen Geschwisterbeziehung und dem gemeinsamen Reflektieren eine Art Gegenmodell dar und laden andere dazu ein, den eigenen Körper ernster zu nehmen, ihm zu vertrauen und neue Wege im Umgang mit Stress, Trauma und innerer Unsicherheit zu finden.