Sich festgefahren zu fühlen gehört zu den unangenehmsten Zuständen, die ein Mensch erleben kann. Es fühlt sich an wie Versagen, als würde die Zeit weiterlaufen und du selbst irgendetwas grundlegend falsch machen. Du schaust dich um und hast den Eindruck, alle anderen kämen voran, träfen Entscheidungen, bauten sich ihr Leben auf – während du selbst wie angehalten wirkst.
Doch was, wenn das Feststecken gar nicht das eigentliche Problem ist?
Was wir oft „festgefahren“ nennen, ist in Wahrheit ein Übergang, für den es keinen klaren Namen gibt. Eine frühere Version von dir funktioniert nicht mehr, aber die nächste hat noch keine Gestalt angenommen. Alte Ziele fühlen sich leer an. Alte Motivationen ziehen dich nicht mehr nach vorn. Und doch hat noch nichts Neues wirklich Besitz von dir ergriffen. Diese Lücke fühlt sich beängstigend an, weil sie unbekannt ist.
Unsere moderne Welt hat kaum Geduld für solche Phasen. Wir bewundern Fortschritt, Neuerfindung und Momentum. Unsicherheit hingegen bewundern wir nicht. Wir erwarten, dass Menschen reibungslos von einem Kapitel ins nächste wechseln – als müsste Wachstum effizient, planbar und ohne Unterbrechung verlaufen. In Wirklichkeit gehen die tiefgreifendsten Veränderungen fast immer mit Verwirrung, Verlangsamung und einem Gefühl des Orientierungsverlusts einher.
Deshalb fühlt sich gut gemeinter Rat in solchen Zeiten oft nutzlos an. Man sagt dir, du sollst dich mehr anstrengen, positiv bleiben, endlich eine Entscheidung treffen, dankbar sein oder „einfach irgendetwas wählen“. Doch Übergänge lassen sich nicht erzwingen. Druck schafft keine Klarheit. Was es stattdessen braucht, ist Raum, Geduld und den Mut, das Noch-nicht-Wissen auszuhalten.
Wenn du dich zwischen zwei Versionen deiner selbst befindest, verändert sich deine Energie. Die Dringlichkeit lässt nach. Der Antrieb wird leiser. Dinge, die früher wichtig waren, verlieren ihre Macht. Das ist keine Faulheit. Es ist eine Neujustierung. Etwas Tieferes in dir entscheidet gerade still und leise, wofür sich dein Einsatz als Nächstes wirklich lohnt.
Viele Menschen fliehen zu schnell aus dieser Phase. Sie klammern sich an alte Muster, vertraute Rollen oder übernommene Ziele, nur um der Unsicherheit zu entkommen. Sie verwechseln Bewegung mit Wachstum und Stabilität mit Wahrheit. Doch der Preis für diese Eile ist oft ein Leben, das sich nicht mehr stimmig anfühlt.
Wachstum sieht nicht immer nach Vorwärtskommen aus. Manchmal sieht es nach Stillstand aus. Manchmal nach Zweifel. Manchmal danach, einen Schritt zurückzutreten, damit etwas Wahrhaftigeres seinen Platz einnehmen kann.
Wenn du dich also festgefahren fühlst, betrachte diesen Gedanken ganz sanft:
Was, wenn du gar nicht verloren bist, sondern noch nicht vollendet?
Was, wenn diese Pause kein Scheitern ist, sondern der stille Raum, in dem eine wahrere Version deines Lebens gerade entsteht?
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