Es gibt Elternherzen, die einen stillen Schmerz in sich tragen. Einen Schmerz, über den selten gesprochen wird, weil Worte ihn kaum berühren können. Der Kontakt zum eigenen erwachsenen Kind ist abgebrochen oder brüchig geworden, manchmal leise, manchmal plötzlich, manchmal genau in dem Moment, in dem die Eltern begonnen haben, ihrer inneren Wahrheit zu folgen und ihre Spiritualität offen zu leben.
Viele fragen sich dann im Stillen, was sie falsch gemacht haben. Ob sie zu anders geworden sind, zu tief gegangen sind, zu sehr ihrem inneren Ruf gefolgt sind. Doch die Seele kennt eine sanftere Wahrheit.
Nicht jeder Mensch ist zur gleichen Zeit bereit, in denselben Spiegel zu schauen.
Wenn ein Elternteil beginnt, bewusster zu leben, sich selbst zu erkennen, alte Muster zu lösen und innerlich zu wachsen, verändert sich das Energiefeld der Beziehung. Spiritualität ist nicht nur ein Gedanke oder eine Überzeugung, sie ist eine Ausstrahlung. Sie lädt andere ein, sich ebenfalls zu begegnen, tiefer zu fühlen, alte Verletzungen zu erkennen und das eigene Selbst ehrlich zu betrachten.
Für manche erwachsene Kinder kann genau das unbewusst sehr herausfordernd sein. Nicht weil etwas falsch ist, sondern weil der Spiegel plötzlich klarer wird. Und in diesen Spiegel zu schauen bedeutet manchmal, sich Fragen zu stellen, für die die Seele noch Zeit braucht. Fragen nach der eigenen Wahrheit, nach ungelebten Gefühlen, nach der eigenen Identität jenseits alter Rollen.
Rückzug ist dann kein Zeichen fehlender Liebe. Oft ist er ein Schutzraum.
Die Seele eines Kindes, auch wenn es längst erwachsen ist, darf ihren eigenen Rhythmus wählen. Manchmal braucht sie Abstand, um sich selbst zu finden, ohne den stillen Ruf der Veränderung ständig zu spüren. Das bedeutet nicht Ablehnung der Eltern, sondern eine Phase innerer Sortierung.
Und ebenso wichtig ist diese Erkenntnis, der Fehler liegt weder bei den Eltern noch bei den Kindern.
Es ist keine Schuldgeschichte, sondern ein Entwicklungsweg. Zwei Seelen bewegen sich zeitweise in unterschiedlichen Bewusstseinsräumen, beide geführt von ihrer eigenen inneren Weisheit. Liebe verschwindet dabei nicht, sie verändert nur ihre Form. Sie wird stiller, weiter, unsichtbarer, doch oft auch tiefer.
Eltern dürfen sich erlauben zu erkennen, dass ihr Weg der Wahrhaftigkeit kein Verlust ist. Wer seinem inneren Licht folgt, verlässt niemanden, sondern geht lediglich den eigenen Seelenweg. Und manchmal braucht es Zeit, bis andere bereit sind, dieses Licht ohne Abwehr zu betrachten.
Viele Begegnungen im Leben verlaufen in Kreisen, nicht in geraden Linien. Was sich heute entfernt anfühlt, kann morgen auf einer neuen Ebene wieder zusammenfinden. Nicht als Wiederholung des Alten, sondern als reifere, freiere Verbindung.
Bis dahin darf Liebe einfach Liebe sein, ohne Forderung, ohne Erklärung, ohne Druck. Eine stille Präsenz im Herzen, die sagt: Ich sehe dich, ich ehre deinen Weg, und meine Tür bleibt im Inneren offen.
Denn wahre Verbindung endet nicht mit Abstand. Sie ruht im unsichtbaren Band der Seele, geduldig, vertrauend und getragen von der Gewissheit, dass jede Seele ihren eigenen Zeitpunkt kennt, um sich selbst und einander neu zu begegnen.
Sandra Lumina Maya’Laya ![]()
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