Warum der Heiler/die Heilerin zuerst in die Dunkelheit hinabsteigen muss, um mit der Medizin zurückzukehren. Sandra Lumina

Es gibt eine Traurigkeit, die viele Heiler kennen, nicht die Traurigkeit eines einzelnen Verlustes, nicht die Traurigkeit eines bestimmten Ereignisses, sondern eine tiefe Erinnerung in der Seele. Eine Erinnerung daran, wie es sich anfühlt, anders zu sein, tiefer zu fühlen, Dinge wahrzunehmen, die andere nicht wahrnehmen. Als würde das Herz eine uralte Sprache sprechen, die nur wenige verstehen.

Viele Heiler suchen zunächst nach dem Licht, sie suchen nach Antworten, nach Frieden, nach Heilung. Doch irgendwann erkennen sie, dass der Weg nicht um die Dunkelheit herumführt, der Weg führt mitten hindurch. Die alten Schamanen wussten, dass niemand die heilige Medizin für andere finden und zurückbringen kann, solange er nicht selbst durch die Tiefen seiner eigenen Seele gewandert ist. Denn wie soll jemand einen anderen durch einen dunklen Wald führen, wenn er selbst niemals zwischen seinen uralten Bäumen gewandert ist? Wie soll jemand Hoffnung in einem Herzen entzünden, wenn er die Hoffnungslosigkeit nie kennengelernt hat? Wie soll jemand einem Menschen zeigen, wie man wieder aufsteht, wenn er selbst niemals gefallen ist? Wie soll jemand einem Verlorenen den Weg nach Hause weisen, wenn er sich selbst nie verirrt hat? Und wie soll jemand die Tränen eines anderen wirklich verstehen, wenn seine eigenen Augen niemals geweint haben?

Deshalb beginnt die Reise des Heilers oft dort, wo andere umkehren würden, nicht in den Sternentempeln, nicht in lichtvollen Visionen, sondern in den stillen, tiefen Tälern der eigenen Seele. Dort, wo die alten Wunden ruhen, dort, wo die ungeliebten Gefühle warten, dort, wo die Tränen liegen, die nie geweint wurden, dort, wo die Seele allem begegnet, wovor sie so lange davongelaufen ist. Dort begegnet der Heiler nicht nur seinem Schmerz, dort begegnet er seiner Wahrheit.

Und irgendwann geschieht etwas Heiliges. Irgendwann hört er auf, gegen die Dunkelheit zu kämpfen, er setzt sich zu ihr, lauscht ihr, fühlt sie und beginnt sie zu verstehen. Langsam erkennt er, dass die Dunkelheit nie gekommen ist, um ihn zu zerstören, sie ist gekommen, um alles fortzunehmen, was er nie wirklich gewesen ist, Schicht für Schicht, Maske für Maske, Illusion für Illusion, bis nur noch das übrig bleibt, was immer schon da war, die Essenz, das wahre Wesen, das Licht, das niemals verloren gehen konnte.

Viele alte Seelen haben genau diesen Weg gewählt, nicht weil sie leiden sollten, nicht weil das Leben sie bestrafen wollte, sondern weil ihre Seele gekommen ist, um Erinnerung auf diese Erde zu bringen, Erinnerung an Mitgefühl, Erinnerung an Liebe, Erinnerung an Wahrheit, Erinnerung an das, was wir unter all unseren Geschichten, Rollen und Verletzungen wirklich sind. Deshalb tragen viele Heiler eine besondere Sanftheit in sich, nicht weil ihr Weg leicht war, sondern weil sie die Tiefen berührt haben und erkannt haben, dass selbst im dunkelsten Tal noch ein Funke Licht auf sie wartet.

Wenn sie aus diesen Tiefen zurückkehren, bringen sie die wahre heilige Medizin mit, nicht Macht, nicht Überlegenheit, nicht besondere Fähigkeiten, sondern Mitgefühl. Jene seltene und kostbare Medizin, die nur dort geboren werden kann, wo eine Seele ihren eigenen Schmerz berührt hat, ohne daran zu verhärten. Dort entsteht die Fähigkeit, einem anderen Menschen wirklich zu begegnen, nicht von oben herab, nicht als Retter, sondern von Herz zu Herz. Denn die größte Medizin entsteht nicht aus Wissen, sie entsteht aus gelebter Erfahrung, aus Wunden, die zu Weisheit geworden sind, aus Tränen, die zu Mitgefühl geworden sind, aus Dunkelheit, die sich in Licht verwandelt hat.

Vielleicht war keine deiner Wunden ein Fehler, vielleicht war keine deiner Tränen umsonst. Vielleicht waren all die Nächte, in denen du dachtest, du würdest zerbrechen, in Wahrheit die Nächte, in denen deine Seele lernte, die Medizin zu finden, die sie eines Tages in diese Welt zurückbringen würde.

𝐀𝐡𝐨 𝐌𝐢𝐭𝐚́𝐤𝐮𝐲𝐞 𝐎𝐲𝐚́𝐬’𝐢𝐧🤎

Für all meine Verwandten, für alles Leben, für alle Wesen.

Mögen wir den Mut finden, in unsere Tiefen hinabzusteigen und mit der Medizin des Herzens zurückzukehren…

In unermesslicher Liebe

🪽Sandra Lumina🪽

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