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Ausschnitt:
Harald Schmidt bei Monika Gruber: Krieg & Medienhysterie | Die Gruaberin
Harald Schmidt, die legendäre Late-Night-Ikone, trifft auf Monika Gruber – und spricht so offen wie selten über Krieg, kollektives Vergessen, deutsche Mentalität und den medialen Dauerirrsinn unserer Zeit.
Im Vodcast blickt Schmidt mit seiner typischen Ironie und Klarheit auf eine Gesellschaft, der die Erinnerung an den Krieg zunehmend abhandengekommen ist. Er geht der Frage nach, warum „Opa erzählt vom Krieg“ fehlt, was „Nie wieder“ heute noch bedeutet – und weshalb Europa in geopolitischen Fragen oft nur Zuschauer bleibt.
Weitere Themen des Gesprächs sind unter anderem:
👉 Kriegserinnerung und Verdrängung in Deutschland
👉 Verteidigungsbereitschaft, Bundeswehr und gesellschaftliches „Mindset“
👉 Talkshows, Expertenkultur und mediale Hysterie
👉 Donald Trump als Entertainer und politische Projektionsfläche
👉 Deutschland zwischen Größenwahn und Wehleidigkeit
👉 Bahn, Stadtbild, Alltagswahnsinn und der deutsche Dauerempörungsmodus
Ein intelligentes, pointiertes und unerwartet humorvolles Gespräch zweier Ausnahme-Persönlichkeiten über unsere Gegenwart – reflektiert, unbequem und zugleich höchst unterhaltsam.
Kanal: ServusTV On
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Veröffentlicht am: 19.01.2026
Sendung: Die Gruaberin
Transkript: Im Gespräch reflektiert Harald Schmidt über das zunehmende kollektive Vergessen von Kriegserfahrungen in Deutschland. Früher seien Kriegsschicksale durch Erzählungen der Großeltern allgegenwärtig gewesen, heute fehle diese direkte Erinnerung, weil die Zeitzeugen gestorben sind. Dadurch werde verdrängt, was Krieg tatsächlich bedeutet – Zerstörung, Verlust und Generationentrauma. Gedenktage verlören an Bedeutung, „Nie wieder“ werde zur leeren Floskel.
Schmidt äußert Skepsis gegenüber der aktuellen Begeisterung für militärische Verteidigungsbereitschaft. Er verweist auf die reale Lage der Bundeswehr: fehlende Ausrüstung, Personal, Infrastruktur und Munition. Der oft beschworene Begriff „Mindset“ wirke hohl, da weder gesellschaftlich noch strukturell die Voraussetzungen dafür vorhanden seien. Europa sieht er geopolitisch in einer Zuschauerrolle ohne echte Gestaltungsmacht.
Ein weiteres zentrales Thema ist der mediale Dauererregungszustand. Schmidt beschreibt Talkshows, Expertenkultur und Nachrichtenzyklen als hysterisch, kurzlebig und widersprüchlich. Skandale würden sich im Tagesrhythmus ablösen, echte Einordnung fehle. Seine persönliche Haltung dazu sei Distanz: Er unterscheidet konsequent zwischen Dingen, die er beeinflussen kann, und solchen, die außerhalb seiner Kontrolle liegen.
Ausführlich spricht er über Donald Trump, den er weniger politisch als vielmehr als Entertainer beurteilt. Trump beherrsche die Bühne, ignoriere bewusst Konventionen und funktioniere medial anders als europäische Politiker. Die schnelle mediale Kehrtwende im Trump-Bild – vom Untergangsszenario zum Friedensbringer – wertet Schmidt als Beispiel für journalistische Beliebigkeit.
Auch die deutsche Mentalität wird thematisiert. Schmidt beschreibt Deutschland als Land zwischen Größenwahn und Wehleidigkeit: moralisch überhöht, zugleich chronisch jammernd. Diese Haltung zeige sich im Umgang mit globalen Themen ebenso wie im Alltag – etwa bei der Bahn. Trotz aller Kritik verteidigt er jedoch die Gelassenheit vieler Menschen im Alltag, die meist entspannter seien als öffentliche Debatten suggerieren.
Zum Schluss wird der Blick persönlicher und humorvoller. Schmidt spricht über Reisen, Alter, Routine, Fernsehen und ein bewusst gelassenes, fast „rentnerhaftes“ Lebensgefühl. Trotz aller Absurditäten unserer Zeit bewahrt er einen nüchternen Optimismus und eine ironische Distanz – als Strategie, nicht im permanenten Empörungsmodus zu verharren.