Hinter dem Vorhang – eine zutiefst menschliche Erkenntnis. Jeff Foster

Freunde, ich habe hinter den Vorhang gesehen.

Etwa fünfzehn Jahre lang verbrachte ich Zeit hinter den Kulissen mit spirituellen Lehrern und Gurus. Manche waren sehr bekannt, andere hatten eine riesige Anhängerschaft. Ich aß mit ihnen, reiste mit ihnen, saß mit ihnen in ihren Häusern, lange nachdem das Publikum gegangen war und der Applaus verklungen war. Ich sah sie in Momenten, in denen sie nicht mehr funktionieren mussten, nicht mehr in ihrer Rolle sein mussten.

Es gibt Namen, die ich nicht nennen werde, und Details, die ich aus schlichter menschlicher Anständigkeit nicht teilen möchte. Aber eines kann ich sagen.

Jeder einzelne von ihnen hat mich enttäuscht.
Jeder einzelne.

Und ich sage das heute mit Liebe und mit tiefer Erleichterung.

Lass mich erklären.

Ich sah, wie sie getriggert wurden und in die Defensive gingen. Ich hörte, wie sie sich über Teilnehmer und Organisatoren beschwerten. Ich erlebte Wut, Zorn und manchmal sogar verletzendes Verhalten gegenüber Mitarbeitenden und Partnern. Ich sah kleinliche Streitigkeiten über Geld und Status, Eifersucht, Unwahrheiten, außereheliche Affären, unverarbeitete Verletzungen. Ich sah die Anstrengung, ein Bild aufrechtzuerhalten, immer der Erwachte sein zu müssen, sobald sie einen Raum betraten. Ich spürte die Erschöpfung und den stillen Groll darunter.

Ich sprach mit ihren Ehepartnern, ihren Kindern, ihren Eltern, die den Unterschied zwischen öffentlichem Bild und privater Wirklichkeit bestätigten. So lernte ich die unvollkommenen Menschen hinter den Masken kennen.

Und dann sah ich, wie sie auf eine Bühne traten und wunderschön über Mitgefühl, bedingungslose Liebe, Einheit, Bewusstsein und das Ende allen Leidens sprachen.

Ich erlebte, wie manche ihr Leben auf der Bühne anders darstellten. Wie sie Dinge erzählten, die nicht mit dem übereinstimmten, was ich kurz zuvor mit eigenen Augen gesehen hatte.

Am Anfang tat es weh. Ich hatte Weisheit auf sie projiziert. Ich wollte, dass sie integrierter sind, irgendwie über dem menschlichen Chaos stehen, das wir alle kennen. Es fühlte sich wie Ernüchterung an, sogar wie Verrat.

Doch diese Ernüchterung verwandelte sich langsam in Erleichterung, als sie alle von den Podesten fielen, auf die ich sie gestellt hatte. Zum Glück.

Spirituelle Lehrer sind Menschen, so wie wir alle. Unvollkommen, reaktiv, verletzlich. Manchmal großzügig, manchmal kleinlich. Manchmal friedvoll, manchmal wütend, getriggert oder frustriert. Manchmal mitfühlend und manchmal eben nicht.

Das zu sehen gab mir die Erlaubnis, selbst nicht länger einem Bild entsprechen zu müssen. Ich musste meine Unvollkommenheiten und Zweifel nicht mehr verstecken, um spirituell zu wirken. Ich konnte ehrlicher sein, verkörperter, wirklicher.

Mit der Zeit bemerkte ich, dass gerade jene Lehrer, die ihre Menschlichkeit verleugneten, versteckten oder unterdrückten, oft den größten Schaden anrichteten. Was abgespalten wird, verschwindet nicht. Es geht in den Untergrund und findet andere Wege, sich auszudrücken, manchmal auf zerstörerische Weise, in seiner Sehnsucht, gesehen und geliebt zu werden.

Die wenigen spirituellen Lehrer, denen ich wirklich vertrauen konnte, waren jene, die ohne Drama sagen konnten:
„Ich werde getriggert.“
„Ich bin eifersüchtig.“
„Ich brauche Hilfe.“
„Ich zweifle manchmal und vergesse meine eigenen Lehren.“

Darin lag Demut. Sie konnten ihre Verletzlichkeit annehmen. Kein Podest, nur ein Mensch mit einem sensiblen Nervensystem, einer Geschichte und einem offenen Herzen.

Das wahre Geschenk dieser Enttäuschung war dies: Ich hörte auf, nach perfekten Lehrern zu suchen, und ich hörte auf, selbst perfekt sein zu wollen. Das machte mich freundlicher. Offener. Nachsichtiger.

Und es machte mir bewusster, wie leicht wir ein Bild verehren und dabei den unvollkommenen Menschen dahinter übersehen. Wir tun das miteinander, und auf keiner Ebene ist das wirklich liebevoll.

Ich bin dankbar für die Erfahrung, hinter den Vorhang gesehen zu haben. Ich glaube, sie hat mir geholfen zu heilen.

Und wenn dich etwas davon verunsichert, enttäuscht oder berührt, könnte es hilfreich sein, dich zu fragen, welches Bild gerade einen Riss bekommen hat und ob dieser Riss vielleicht eine Öffnung ist in etwas Menschlicheres und viel Ehrlicheres.

Was ich hinter dem Vorhang fand, war nicht Erleuchtung, sondern mehr Menschlichkeit.

– Jeff Foster

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© Übersetzung Rosi

Und erINNERE dich daran:

Lehne die Ablehnung nicht ab

Lehne ein Gefühl von Zurückweisung nicht ab
und verlasse nicht das Empfinden von Verlassenheit.

Widerstehe nicht deinem Widerstand
und laufe nicht vor dem Impuls davon, wegzulaufen.

Mache die Traurigkeit nicht noch trauriger, indem du sie verlässt,
entfache die Wut nicht noch mehr, indem du dich von ihr trennst,
und mache die Einsamkeit nicht noch einsamer,
indem du sie von dir wegschiebst.

Halte das gebrochene Herz
mit ebenso viel Liebe wie das glückliche Herz.
Verliere niemals das Gefühl, verloren zu sein,
und zweifle nicht an der Gegenwart des Zweifels.

Fürchte die Angst nicht,
wünsche dir nicht die Abwesenheit von Verlangen,
und sorge dich nicht über die Sorge.

(Und wenn du es doch tust, dann sorge dich nicht darum.)

Alle Teile von dir sind heilig,
das Licht und das Dunkel gleichermaßen.
Alle sind würdig,
alle verdienen bedingungslose Liebe.

– Jeff Foster