Das Wort für das Heilige in uns. Nicky Hamid

Ich benutze das Wort „Gott“ ganz selbstverständlich.

Seit Beginn meines Weges hatte ich damit nie ein Problem, denn dieses Wort steht für das, was ich im Innersten meines Wesens über das Leben erkenne. Es steht für meine Erfahrung der Welt und für meine Verbindung mit der Einheit von allem, was ist. Und diese Erfahrung wird immer reicher, tiefer, weiter, umfassender und alles durchdringender.

Gleichzeitig verstehe ich sehr gut die Denkweisen von Menschen, die mit diesem Wort Schwierigkeiten haben oder die einen inneren Konflikt mit organisierter Religion erlebt haben. Wir kommen aus einer Zeit, in der Wissenschaft und Philosophie stark vom Denken des logischen Positivismus geprägt waren. In dieser Sichtweise wurde sogar verkündet: „Gott ist tot.“

Damit schien ein großer Teil der einflussreichen Menschheit sich in seinem Denken vollständig von der Quelle allen Seins abzuschneiden.

Der menschliche Verstand und der Intellekt wurden zu einer Art neuem „Gott“, während die einfache Wahrheit des Seins tief im Inneren verschüttet wurde. Und jene Kräfte, die eine sogenannte neue Weltordnung anstreben, möchten sogar das Wort und den Gedanken an das Göttliche ganz aus den Köpfen und Herzen der Menschen löschen.

Auch ich habe eine Zeit lang darauf verzichtet, das Wort „Gott“ zu verwenden. Wenn ich mit atheistischen oder agnostischen Schülern sprach, benutzte ich stattdessen Worte wie „Schöpfer“ oder „Quelle“.

Selbst kraftvolle und wahrheitsgetragene Ausdrücke wie „ICH BIN DER ICH BIN“ oder „DU BIST DAS“ werden häufig von Menschen ausgesprochen, deren Denken weiterhin davon geprägt ist, dass Gott angeblich tot sei, dass es ihn nicht geben würde.

Viele fürchten außerdem, dass das Wort „Gott“ etwas Unendliches zu sehr vermenschlichen könnte.

Was ich jedoch oft beobachte ist etwas anderes. Dieses Abtrennen vom Wort hat bei vielen Menschen auch die Hingabe und das Gefühl der Verbundenheit mit allem Sein geschwächt. Die Ehrfurcht. Die schöne Demut. Die Weite der Liebe.

Selbst in einer Praxis wie Yoga, deren Bedeutung Vereinigung ist, werden Hatha Yoga mit seinen Körperhaltungen oder Prana Yoga mit der Arbeit des Atems gern angenommen. Doch was ist mit den anderen Säulen des Yoga geschehen?

Bhakti Yoga, der Weg der Liebe und Hingabe.
Karma Yoga, der Weg des Dienens an der Welt durch mitfühlendes Handeln.

Wenn all das für dich Sinn ergibt, dann möchte ich dich etwas fragen.

Welches Wort steht für dich persönlich für dein inneres Wissen und dein tiefes Fühlen der Verbindung mit dem Ursprung allen Seins? Für die Ausdehnung deines Bewusstseins und für die Quelle deiner Liebe?

Kannst du dieses Wort aussprechen ohne dich zu entschuldigen?
Kannst du es aussprechen und dabei klar hinter dem stehen, was du innerlich weißt?

Und wenn du es nicht kannst, wäre es dann vielleicht besser, zunächst gar nichts zu sagen?

Ich liebe dich sehr.

Nachtrag:
Wenn du dein eigenes Wort aussprichst, kann es sein, dass es in einem anderen Menschen eine Frage entstehen lässt. Vielleicht wird dieser Mensch sie dir stellen. Und damit hast du eine wunderbare Gelegenheit geschaffen, ihn liebevoll, sanft und in aller Einfachheit in die Richtung seiner eigenen heiligen Gegenwart zu weisen.

Oder du erhältst die Möglichkeit, ihn zu ehren, indem du seine Sicht auf das Leben und auf das, was er in dieser Welt tut, würdigst und erhebst.

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© Übersetzung Rosi https://www.esistallesda.de