Es gibt allen Grund, wütend zu sein. Aber was, wenn die Wut schweigt? Taste of Power – Alexa Szeli

Überall begegnet uns gerade der Ruf nach Female Rage.

Frauen sollen wütend sein. Sie sollen lauter werden und ihr Feuer zurückholen.

Wie sehr ich diesen Ruf verstehe.
Aber was, wenn die Wut im eigenen Inneren nicht lodert, sondern schweigt?

Ich sehe enthusiastische Reels und lese flammende Appelle. Und ich sitze da, blicke in mein Inneres und finde: Stille.

Schweigt deine Wut auch?

Vielleicht geht es dir wie mir.

Du verstehst den Ruf nach Wut. Du verstehst ihn sogar gut. Aber der Körper antwortet nicht. Er reagiert einfach nicht. Oder nicht rechtzeitig, nicht genug.

Oder an der falschen Stelle – wenn das Marmeladentoast vom Tisch segelt und natürlich auf die falsche Seite landet. Und vielleicht denkst du dann:

Na toll.

Ausgerechnet jetzt.

Ausgerechnet wegen so einem Scheiß.

Was stimmt denn mit mir nicht?

Und dann kommen Tränen. Oder auch nicht. Manchmal nicht einmal mehr das.

Mit dir ist nichts falsch.

Ich weiß nicht, was dir widerfahren ist. Aber ich glaube nicht, dass diese Stille grundlos da ist.

Ich kenne das.

Es gab eine Zeit in meinem Leben, da war die Wut wie eine zweite Haut. Als Kind und als Jugendliche war sie oft mein einziger Schutz gegen eine Welt, die alles andere als sicher war.

Sie schenkte mir Lebendigkeit. Und das Gefühl, mich wehren zu können.

Das Leben hörte nicht auf, mir Dinge zuzumuten, die ein Mensch allein kaum tragen kann.

Aber irgendwann war die Wut fort. Das Feuer war erloschen. Vielleicht passiert genau das, wenn die Wut zu oft ins Leere läuft.

Wenn sie nichts ändert.

Mein System hat die Notbremse gezogen.

In der Sprache der Runen ist das für mich Isa (ᛁ).

Stillstand.

Das ewige Eis. Es schützt den Kern vor dem Verglühen. Aber es trennt uns auch von etwas. Es isoliert uns von unserer Kraft und unserer Lebendigkeit. Es nimmt uns das Feuer, das einmal da war.

Darüber wird zu wenig gesprochen

Nicht die wütende Frau zu sein, kann sich anfühlen wie eine Ausgrenzung. Aber nicht jede Frau, die heute still ist, ist friedlich. Nicht jede leise Frau ist weich geworden. Nicht jede Frau, die nicht aufbegehrt, hat nichts begriffen.

Manche von uns haben zu viel begriffen. Zu früh. Zu lange.

Wir haben begriffen, dass Wut uns nicht schützt. Dass sie nichts ändert. Dass sie uns allein lässt mit dem, was danach kommt.

So wurde sie still.

Vielleicht nicht für immer, aber tief genug, dass wir sie im entscheidenden Moment nicht mehr erreichen.

Weiterlesen im Originalbeitrag: https://www.taste-of-power.de/femal-rage-wut-schweigen-ohnmacht/