Traum: Drei Stockwerke des Bewusstseins. Jenny Schiltz

Vor Kurzem hatte ich einen Traum, der mich nicht mehr loslässt.

Ich war mit einer Gruppe von Menschen unterwegs, und wir waren auf dem Weg zu einer Feier in einem Gebäude, das wie ein Hotel wirkte. Als wir jedoch eintraten, gab es keine Zimmer. Das Innere bestand aus einer einzigen riesigen, offenen Halle, fast wie ein Lagerhaus.

Im Erdgeschoss herrschten laute Musik, Tanz, Begeisterung und eine ausgelassene Stimmung. Anfangs fühlte es sich leicht und harmlos an. Doch nach einer Weile bemerkte ich, wie sich die Energie im Raum veränderte. Ich spürte, dass eine Art Zeremonie beginnen würde, und mir wurde klar, dass sie in einer dunkleren okkulten Energie verwurzelt war.

Während ich zusah, konnte ich energetische Ausläufer erkennen, die sich durch den Raum bewegten. Sie sahen aus wie Ranken oder Schnüre, die sich um die Menschen legten, die teilnehmen wollten. Diese Verbindungen fesselten und banden sie.

Was mich besonders berührte, war die Erkenntnis, dass die meisten dieser Menschen nicht grundsätzlich böse waren. Sie waren auf eine sehr menschliche Weise verwundet. Es waren Menschen, die Kontrolle über das Leben, über Ergebnisse und über die Realität selbst gewinnen wollten. Unter der Oberfläche des Rituals lagen Angst und ein tiefes Unvermögen, dem natürlichen Fluss des Lebens zu vertrauen. Sie strebten nach Meisterschaft, weil Hingabe und Loslassen sich für sie unsicher anfühlten.

Ich wandte mich an die Gruppe, mit der ich gekommen war, und sagte ihnen, dass ich dort nicht bleiben könne. Alle folgten mir, als wir in den zweiten Stock hinaufgingen.

Dort war die Energie vollkommen anders. Sie fühlte sich leichter, spiritueller und „hochschwingender“ an. Die Menschen tanzten, lachten, umarmten sich und wirkten aufrichtig freundlich und warmherzig.

Doch nach einiger Zeit bemerkte ich erneut, dass eine Zeremonie bevorstand. Intuitiv wusste ich, dass diese als Lichtarbeit oder Heilungsarbeit betrachtet werden würde. Doch während ich den Raum beobachtete, sah ich dieselben energetischen Ranken entstehen, die sich um die Teilnehmer legten.

Auch diese Verbindungen fesselten und banden.

In diesem Augenblick wurde mir die Botschaft des Traumes vollkommen klar.

Die Fesseln im zweiten Stock unterschieden sich nicht von denen im ersten.

Die Menschen auf dieser Ebene glaubten, die Welt zu retten, die Menschheit zu heilen, gegen die Dunkelheit zu kämpfen oder Krieger des Lichts zu sein. Doch darunter lag noch immer Anhaftung. Noch immer der subtile Versuch, das Leben durch Spiritualität zu kontrollieren statt durch Macht.

Die Kostüme hatten sich verändert, doch der Mechanismus darunter war derselbe geblieben.

Als ich der Gruppe sagte, dass ich auch diesen Ort verlassen müsse, verstanden die meisten mich nicht. Sie erklärten mich für verrückt.

Diesmal folgten mir nur wenige.

Gemeinsam gingen wir in den dritten Stock.

Und dort veränderte sich alles.

Auch die Menschen dort trugen eine wunderschöne Energie in sich. Doch sie war geerdet, ehrlich und natürlich. Niemand schien eine Rolle zu spielen oder sich hinter einer Identität zu verstecken. Niemand versuchte, besonders dunkel oder besonders lichtvoll, überlegen oder erwacht zu erscheinen.

Diese Menschen verstanden, dass Licht und Schatten gleichermaßen Teil des Menschseins sind. Sie wussten, dass wahres Bewusstsein daraus entsteht, beides anzuerkennen und in jedem Augenblick bewusst zu wählen, wie man darauf antworten möchte.

Weil sie ihre eigene Menschlichkeit und Fehlbarkeit verstanden, urteilten sie kaum über andere.

Ich fühlte mich sofort sicher, gesehen und willkommen.

Geliebt – auf eine stille, einfache und echte Weise.

Was mich am meisten beeindruckte, war, dass sie keinerlei Rituale vollzogen.

Sie kamen zusammen und verbanden sich miteinander, aber sie versuchten nicht, die Realität zu kontrollieren, zu dominieren oder spirituell zu steuern.

Ihr Fokus lag einfach darauf, tief mit sich selbst verbunden zu sein.

Und aus dieser Verbundenheit heraus begegneten sie dem Leben in Präsenz.

Als ich erwachte, wurde mir klar, dass dieser Traum nicht von Dunkelheit gegen Licht handelte.

Er handelte von den vielen Wegen, auf denen sich das Ego verkleiden kann.

Manchmal sucht es Kontrolle durch Macht.

Manchmal sucht es Kontrolle durch Spiritualität.

Manchmal versteckt es sich hinter der Identität des Heilers, des Retters, des Erwachten oder des „guten“ Menschen.

Doch wahres Bewusstsein hat viel weniger damit zu tun, Licht darzustellen oder zu inszenieren.

Es hat vielmehr damit zu tun, ehrlich genug zu sein, sowohl unsere Dunkelheit als auch unsere Göttlichkeit in uns zu halten, ohne von einer von beiden vereinnahmt zu werden.

Sofort musste ich an die Worte von Rumi denken:

„Jenseits von Vorstellungen von Richtig und Falsch liegt ein Feld. Dort werde ich dir begegnen.“

Ich sende euch allen viel Liebe.

Jenny Schiltz

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© Übersetzung Rosi https://www.esistallesda.de