Vielleicht ist eine der tiefsten Erkenntnisse, die wir auf unserem Weg machen können, die, dass im Ursprung wirklich alles Liebe ist. Nicht nur die Freude, nicht nur die Dankbarkeit, nicht nur die Verbundenheit und die Momente, in denen wir uns leicht, frei und glücklich fühlen, sondern auch das, was wir oft ablehnen, die Angst, die Wut, die Traurigkeit und die Verzweiflung, all jene Gefühle, die wir manchmal am liebsten sofort verändern, auflösen oder loswerden würden. Doch wenn wir bereit sind, tiefer zu schauen, erkennen wir, dass selbst diese Gefühle in ihrem Ursprung die Erinnerung an die Liebe in sich tragen.
Viele Menschen suchen nach Heilung und glauben, Heilung würde bedeuten, dass etwas verschwindet, dass die Angst nicht mehr da sein darf, dass der Schmerz aufhören muss oder dass unangenehme Gefühle möglichst schnell beseitigt werden sollten. Doch was, wenn Heilung etwas vollkommen anderes ist? Was, wenn Heilung nicht bedeutet, etwas aus uns herauszunehmen, sondern etwas wieder an seinen Ursprung zu erinnern? Was, wenn alles, was sich in uns zeigt, letztlich nach Liebe ruft, nicht weil es kaputt ist, sondern weil es gesehen werden möchte, nicht weil es falsch ist, sondern weil es sich nach Annahme sehnt, nicht weil es gegen uns arbeitet, sondern weil es sich danach sehnt, wieder in die Einheit zurückzufließen?
Vielleicht haben wir über viele Jahre gelernt, gegen uns selbst zu kämpfen. Vielleicht haben wir gelernt, Gefühle zu bewerten, sie in gut und schlecht einzuteilen und alles Unangenehme möglichst weit von uns wegzuschieben. Doch oftmals entsteht genau dort die größte Anstrengung. Denn das, was gesehen werden möchte, verschwindet nicht dadurch, dass wir es ablehnen. Das, was gefühlt werden möchte, löst sich selten dadurch auf, dass wir davor weglaufen. Im Gegenteil, häufig wird es lauter, stärker und präsenter, nicht um uns zu bestrafen, sondern weil es darauf wartet, endlich in Liebe betrachtet zu werden.
Wenn wir beginnen, tiefer zu fühlen, erkennen wir oft, dass hinter jeder Angst der Wunsch nach Sicherheit und Geborgenheit liegt, dass hinter jeder Wut ein Anteil lebt, der verletzt wurde und sich nach Verständnis sehnt, dass hinter jeder Traurigkeit die Sehnsucht nach Verbundenheit ruht und dass selbst hinter der tiefsten Verzweiflung noch die Hoffnung existiert, eines Tages wieder nach Hause zu finden. Alles, was wir fühlen, trägt eine Botschaft in sich, alles, was wir fühlen, möchte uns näher zu uns selbst führen, und alles, was wir fühlen, entspringt letztlich derselben Quelle.
Deshalb geschieht die tiefste Heilung oft nicht im Wegmachen, sondern im Annehmen, nicht im Widerstand, sondern in der Bereitschaft zu fühlen, nicht im Kampf, sondern in der liebevollen Umarmung dessen, was gerade da ist. In dem Moment, in dem wir aufhören wegzulaufen, in dem Moment, in dem wir einem Gefühl erlauben, einfach da zu sein, ohne es sofort verändern zu müssen, beginnt etwas in uns weich zu werden. Das Gefühl muss nicht länger kämpfen, um wahrgenommen zu werden, es muss nicht länger anklopfen, nicht länger drängen und nicht länger lauter werden. Es darf sich entspannen, es darf loslassen und es darf sich erinnern.
Vielleicht ist genau das die wahre Bedeutung von Heilung, nicht etwas zu besiegen, nicht etwas loszuwerden und nicht etwas zu verdrängen, sondern etwas nach Hause zu begleiten. Es wieder mit jener Liebe zu verbinden, aus der es einst hervorgegangen ist. Denn Liebe schließt nichts aus. Liebe verurteilt nichts. Liebe trennt nichts. Liebe erinnert. Sie erinnert jede Erfahrung an ihren Ursprung, jeden Schmerz an seine wahre Natur und jede Angst daran, dass sie niemals wirklich von der Liebe getrennt war.
Alles kehrt irgendwann zu ihr zurück, jede Angst, jede Träne, jeder Schmerz, jeder Widerstand, jede Erfahrung und jede Seele. Denn die Liebe ist nicht nur ein Gefühl, sie ist nicht nur ein schöner Gedanke oder eine spirituelle Vorstellung. Sie ist der Ursprung allen Seins, der Raum, aus dem alles hervorgeht, die Kraft, die alles trägt, und das Zuhause, zu dem letztlich alles zurückkehrt.
Vielleicht braucht das, was du fühlst, nicht weniger Liebe, sondern mehr. Vielleicht möchte es nicht beseitigt werden, sondern gesehen werden. Vielleicht möchte es nicht bekämpft werden, sondern in die Arme genommen werden. Und vielleicht beginnt genau dort die tiefste Form von Heilung, dort, wo wir aufhören, gegen uns selbst zu kämpfen, und beginnen, uns daran zu erinnern, was wir in Wahrheit immer gewesen sind und immer sein werden.
Liebe ![]()
Deine Sandra Lumina
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