Ihr Lieben,
auf jedem aufrichtigen Weg des Erwachens kommt ein Moment, in dem es nicht mehr darum geht, immer mehr anzusammeln.
Mehr Wissen.
Mehr Fähigkeiten.
Mehr Bestätigung.
Mehr spirituelle Bedeutung.
Oder mehr Gründe, dich von anderen getrennt oder ihnen spirituell überlegen zu fühlen.
Stattdessen beginnt ein tiefes Loslassen all dessen, womit du dich bisher identifiziert hast.
Doch begegne auch dieser Erkenntnis mit Mitgefühl.
Das Ego ist nicht dein Feind.
Es hat dir geholfen, in dieser menschlichen Erfahrung eine Identität zu entwickeln.
Es hat versucht, dich zu schützen, wenn du verletzt wurdest.
Und es hat dir geholfen, dich in einer Welt der Trennung zurechtzufinden, bis du bereit warst, dich an etwas Größeres zu erinnern.
Doch was einst dein Beschützer war, muss nicht zu deinem Herrscher werden.
Selbst der Kampf gegen das Ego kann einfach das Ego sein, das sich als spiritueller Krieger verkleidet.
Gerade das spirituelle Ego zeigt sich oft sehr subtil.
Es sagt nicht immer:
„Ich bin besser als du.“
Manchmal flüstert es:
„Ich bin weiter erwacht.“
„Ich bin auserwählt.“
„Meine Gaben stellen mich über andere.“
„Meine Erfahrungen machen mich unangreifbar.“
„Meine Wahrheit ist die einzige Wahrheit.“
So kann aus einer Gabe ein Rang werden.
Aus einem Titel ein Thron.
Aus einer Verletzung eine Rechtfertigung.
Aus Wahrheit eine Waffe.
Und aus dem Dienst an anderen eine Bühne, auf der das eigene Ich noch immer gesehen werden möchte.
Das bedeutet nicht, dass du deine Gaben, deine Aufgabe oder deine Einzigartigkeit verleugnen musst.
Jede Seele ist ein einzigartiger Ausdruck des Einen.
Doch Einzigartigkeit trägt etwas bei.
Das Bedürfnis, etwas Besonderes zu sein, trennt.
Einzigartigkeit sagt:
„Ich trage etwas Schönes in mir, das ich teilen möchte.“
Das Bedürfnis nach Besonderheit sagt:
„Was ich in mir trage, macht mich größer als dich.“
Du musst deine eigene Größe nicht kleiner machen.
Demut verlangt nicht von dir, dich selbst kleinzumachen.
Sie erinnert dich lediglich daran, dass dieselbe schöpferische Kraft, die durch dich wirkt, auch in jedem anderen Lebewesen gegenwärtig ist.
Und dann wartet eine noch tiefere Schwelle:
Jenseits des Egos des „Ich bin“.
„Ich bin“ kann ein heiliger Zugang zur Gegenwart sein.
Doch auch darum kann das Ego eine neue Identität erschaffen.
Ich bin Heiler.
Ich bin Lehrer.
Ich bin erwacht.
Ich bin auserwählt.
Ich bin dieser Name, diese Aufgabe, diese Geschichte.
Nichts davon musst du verleugnen.
Doch nichts davon beschreibt vollständig, was du bist.
Hinter allem, was du nach „Ich bin“ setzt, liegt etwas Tieferes.
Das reine Sein.
Gegenwart ohne Besitz.
Bewusstsein ohne Vergleich.
Liebe ohne Hierarchie.
Das Eine, das sich durch unendlich viele Formen selbst erfährt.
Über das Ego hinauszugehen bedeutet nicht, deine Menschlichkeit aufzugeben.
Es bedeutet nicht, deine Wahrheit zu verschweigen, deine Wahrnehmung aufzugeben oder deine Grenzen aufzulösen.
Du darfst dich schützen.
Du darfst deine Gefühle achten.
Du darfst deine Wunden heilen.
Du darfst deine Wahrheit mit Mitgefühl aussprechen.
Und du darfst dich von dem entfernen, was deine Seele immer wieder verletzt.
Der Unterschied liegt darin, dass du keinen anderen Menschen mehr kleiner machen musst, um vollständig in dir selbst zu stehen.
Diesen inneren Raum erreichst du nicht durch Anstrengung.
Es gibt keine Leiter, die du erklimmen musst.
Keinen spirituellen Wettbewerb, den du gewinnen kannst.
Keinen letzten Titel, den du erhalten musst.
Dieser Raum offenbart sich in der Stille, die bleibt, wenn du nichts mehr verteidigen, beweisen, vergleichen oder darstellen musst.
Und darin liegt vielleicht das größte Paradox:
„Dort“ ist nirgendwo anders.
Es ist kein Ziel am Ende deiner Reise.
Es ist hier.
Unter jeder Identität.
Vor jeder Geschichte.
In jedem Atemzug.
Irgendwann erinnert sich der Suchende daran, dass zwischen ihm und dem Gesuchten niemals eine wirkliche Trennung bestand.
Das Ziel ist nicht, zum Einen zu werden.
Das Ziel ist, dich daran zu erinnern, dass du niemals vom Einen getrennt warst.
Mögest du deine Einzigartigkeit ehren, ohne dich über andere zu stellen.
Mögest du deine Gaben teilen, ohne daraus eine Hierarchie zu erschaffen.
Möge dein Ego zu einem demütigen Diener werden, statt zu einem ängstlichen Herrscher.
Möge sich das „Ich“ sanft vor dem ewigen Sein verneigen.
Bis niemand mehr über einem anderen steht.
Niemand mehr unter einem anderen.
Nichts mehr bewiesen werden muss.
Nur das eine Leben.
Das sich selbst begegnet.
Sich selbst liebt.
Sich selbst erinnert.
Durch uns alle.
Ich liebe dich.
Ich liebe euch alle, so wie ich mich selbst liebe.
Frei.
Ehrlich.
Souverän.
Und bedingungslos.
Om Shanti Om – Friede sei mit dir. Tiefer innerer und äußerer Frieden.
Namasté – Das Göttliche in mir grüßt das Göttliche in dir.
Sat Nam – „Wahre Identität“ oder „Die Wahrheit ist mein Wesen“.
Soother of Souls – Tröster der Seelen oder Begleiter der Seelen.
© Transkript / Zusammenfassung / Übersetzung / Rosi / esistallesda.de



