Wenn Aufschieben kein Widerstand ist, sondern Schutz.
Ich habe diese Worte gelesen, nicht weil sie besonders tröstlich waren.
Sondern weil sie etwas sichtbar gemacht haben, das ich lange nicht wirklich sehen wollte.
Und in diesem Moment fühlte ich etwas Unerwartetes.
Eine tiefe Form von Befreiung.
Wenn du bis zum Ende liest, wünsche ich mir, dass auch du dieses Gefühl ein wenig erfahren kannst.
Jemand sagte einmal zu mir:
Aufschieben ist nicht unbedingt Vermeidung.
Manchmal ist es Schutz.
Eine Pause, die dein Nervensystem erschafft, wenn es spürt, dass etwas Größeres bevorsteht. Ein Moment, in dem sich deine bisherige Identität verändert oder sogar auflöst.
Es ist nicht Versagen.
Es ist nicht Faulheit.
Es ist nicht Selbstsabotage.
Es ist Trauer.
Trauer um die Version von dir selbst, die vielleicht bald nicht mehr existieren wird, wenn das, was du dir wünschst, wirklich Wirklichkeit wird.
Sie sagte zu mir:
Dein Körper hat keine Angst vor der Aufgabe selbst.
Er hat Angst vor der Person, die du auf der anderen Seite dieser Aufgabe sein wirst.
Und plötzlich ergab alles einen Sinn.
Warum ich oft genau in dem Moment ins Stocken gerate, in dem sich eigentlich Schwung aufbauen könnte.
Warum Klarheit manchmal genau an der Schwelle verschwindet.
Warum ein tiefes Verlangen gleichzeitig aufregend und erschreckend sein kann.
Vielleicht ist genau das nicht der Moment, in dem du dich mit aller Kraft nach vorne treiben musst.
Vielleicht ist es der Moment, in dem du erkennst, dass gerade etwas in dir zu Ende geht.
Viele Menschen interpretieren diese Phase als Beweis dafür, dass sie vielleicht doch nicht für mehr bestimmt sind. Dass ihre Träume zu groß sind oder dass sie einfach nicht die richtige Person dafür sind.
Doch in Wahrheit kann es genau das Gegenteil sein.
Es kann bedeuten, dass du gerade dabei bist, neues Terrain zu betreten. Ein Gebiet, das dir noch fremd ist.
Wenn dich diese Worte berühren, bleib noch einen Moment hier.
Denn es gibt etwas, das ich dir weitergeben möchte.
Etwas, das ich an jenem Tag selbst getan habe.
Erlaube dir zu trauern.
Versuche nicht sofort alles zu reparieren.
Versuche nicht dich zu drängen.
Versuche nicht alles sofort umzudeuten.
Gib dir Raum, um Abschied zu nehmen von der Version deiner selbst, die dich nicht dorthin begleiten kann, wohin dein Weg gerade führt.
Lass diese frühere Version von dir betrauert werden.
Ganz und vollständig.
Denn was wir nicht betrauern, schleppen wir oft unbewusst weiter mit uns.
Und das, was wir wirklich loslassen dürfen, schafft Raum für etwas Neues. Für etwas Kraftvolleres, das entstehen möchte.
Dieser Übergang ist ein Teil des Weges, den viele Menschen nie gelernt haben zu gehen.
Wir leben in einer Kultur, die kaum Platz lässt für Abschiede.
Und noch weniger für die stille Trauer, die manchmal der Beginn von Wachstum ist.
Gerade deshalb spreche ich über diesen Moment an der Schwelle.
Damit Menschen sich selbst dort nicht verlassen.
Wenn dich diese Gedanken berührt haben, bleib in Verbindung.
Vielleicht gehen wir diesen Weg ein Stück gemeinsam weiter.
Rosi (Impuls von FB)
Bild: Eigener Fundus
