In Deutschland haben wir vier Tonnen für Müll … und eine fünfte für das gute Gewissen. (Harald Schmidt zugeschrieben)

Deutschland gilt weltweit als Vorbild beim Mülltrennen. Gelbe Tonne, blaue Tonne, Biotonne, Restmüll – und oft noch separate Container für Glas nach Farben sortiert. Doch hinter diesem vorbildlichen System stehen einige Zahlen, die zeigen, dass das gute Gewissen nicht immer mit der Realität Schritt hält.

Laut Umweltbundesamt produziert jeder Mensch in Deutschland jährlich rund 220 bis 230 Kilogramm Verpackungsmüll. Damit gehört Deutschland zu den Ländern mit dem höchsten Verpackungsaufkommen pro Kopf in Europa.

Ein großer Teil davon besteht aus Kunststoff. Pro Person fallen jedes Jahr etwa 70 bis 80 Kilogramm Plastikverpackungen an.

Auch wenn Deutschland offiziell sehr hohe Recyclingquoten meldet, wird ein beträchtlicher Teil der Kunststoffe nicht zu neuem Plastik recycelt, sondern energetisch verwertet – also in Müllverbrennungsanlagen zur Energiegewinnung verbrannt.

Hinzu kommt der Export von Kunststoffabfällen. Deutschland gehört zu den größten Exporteuren von Plastikmüll in Europa. Jährlich werden etwa 700.000 Tonnen Kunststoffabfälle in andere Länder verkauft oder weiterverarbeitet, unter anderem in Staaten wie Malaysia, die Türkei, Indonesien oder Polen.

Das bedeutet nicht, dass Mülltrennung sinnlos wäre. Im Gegenteil: Sie ist eine wichtige Grundlage für Recycling. Gleichzeitig zeigen die Zahlen, dass die eigentliche Herausforderung vor der Mülltonne beginnt – nämlich bei der Menge an Verpackungen, die überhaupt erst produziert und konsumiert werden.

Oder, um es mit einem Augenzwinkern zu sagen:

Der Deutsche trennt seinen Müll mit großer Sorgfalt.
Beim Vermeiden von Müll üben wir noch.

Oder anders gesagt:

Wir sind sehr gut darin, Müll zu sortieren
aber weniger gut darin, Müll gar nicht erst entstehen zu lassen.

PS:
Ein Blick in die Nachbarländer zeigt übrigens, dass Deutschland mit seinem Verpackungsaufkommen nicht allein steht.

In Österreich liegt die Menge an Siedlungsabfällen sogar besonders hoch: rund 780 Kilogramm pro Person und Jahr … einer der höchsten Werte in der EU.

In der Schweiz werden jährlich etwa 120 Kilogramm Kunststoff pro Kopf verbraucht, ein großer Teil davon nur sehr kurz … etwa für Verpackungen. Der überwiegende Anteil wird anschließend in Müllverbrennungsanlagen energetisch verwertet.

Und auch Luxemburg gehört zu den Spitzenreitern beim Verpackungsaufkommen: Dort fallen im Durchschnitt über 210 Kilogramm Verpackungsabfälle pro Person und Jahr an.

Mit anderen Worten:
Das gute Gewissen hat im deutschsprachigen Raum offenbar überall eine eigene Tonne.

Rosi/esistallesda.de