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Vom inneren Thron, der zweiten Geburt und der Rückkehr zur eigenen Souveränität
Catherine Thurner begrüßt ihre Zuhörerinnen und Zuhörer am 1. Mai und macht gleich zu Beginn deutlich, dass sie diesen Tag lieber als Staatsfeiertag und nicht als Tag der Arbeit bezeichnet. Der Begriff Arbeit führt sie zu Immanuel Kant, einem der bekanntesten deutschen Philosophen der Aufklärung. Kant vertrat unter anderem die Vorstellung, dass der Mensch durch Disziplin, Pflicht und Arbeit geformt werde. Catherine widerspricht dieser Sicht entschieden. Für sie entsteht das eigentlich Schöpferische des Menschen nicht aus harter Pflichterfüllung, sondern aus Muße, innerer Freiheit und lebendiger Kreativität. Auch Georg Wilhelm Friedrich Hegel, der große Denker der Dialektik, kommt bei ihr nicht gut weg. Hegel steht für ein Denken in Gegensätzen, aus These, Antithese und Synthese. Catherine sieht in dieser Denkweise eher ein System der Spaltung und gedanklichen Verwicklung als einen Weg zur wahren inneren Erkenntnis.
Im Zentrum ihres Vortrags steht die Frage nach dem Guten und dem Bösen, nach Innen und Außen, nach Gott und Satan, nach echter innerer Verbindung und fremder Beeinflussung. Ihre gewagte Grundthese lautet, dass das Gute im Menschen ursprünglich angelegt ist, während das Böse von außen hineingepflanzt wurde. Mit dem Wort Usurpator meint sie eine fremde Macht oder Instanz, die sich etwas aneignet, was ihr nicht zusteht. Ein Usurpator ist also jemand oder etwas, das einen Platz besetzt, der ihm nicht gehört. In Catherines Bild ist dieser Usurpator die äußere Matrixwelt, ein künstliches System aus Kontrolle, Konditionierung, Ideologien, Angst, Spaltung und falschen Selbstbildern.
Sie beschreibt den Menschen als ein Wesen, das in seinem innersten Kern mit dem Göttlichen verbunden ist. Dieses Göttliche sei nicht etwas, das man sich erst verdienen müsse. Es sei kein Preis für besondere Leistung, keine Belohnung für Gehorsam und kein Ergebnis religiöser oder moralischer Anstrengung. Es sei vielmehr bereits da. Es fließe durch den Menschen wie durch eine lebendige Säule, verbunden nach oben und nach unten, wie ein Baum mit Wurzeln und Krone. Der Mensch sei nicht seine Gedanken und nicht seine Gefühle. Gedanken und Emotionen seien Erscheinungen, die kommen und gehen. Das wahre Sein liege tiefer.
Besonders wichtig ist ihr die Unterscheidung zwischen dem inneren Selbst und der äußeren Prägung. Viele Menschen, so sagt sie, nähren nicht ihr wahres Wesen, sondern das System. Dieses System vergleicht sie mit Zecken, die sich an einem Lebewesen festsaugen und so lange als Teil des Körpers erscheinen, bis sie sich lösen. Ähnlich könnten fremde Programme, Ängste, Glaubenssätze und Ideologien über lange Zeit so wirken, als gehörten sie zu uns. Doch in Wahrheit seien sie nicht unser Wesen.
Ein wiederkehrendes Bild in ihrem Vortrag ist der Weg vom vorderen Kopfbereich zurück zum inneren Thron. Mit den beiden Hirnlappen meint sie sinnbildlich die Persönlichkeitsanteile, die ständig bewerten, planen, streiten, sich rechtfertigen, Angst haben oder gefallen wollen. Sie nennt diese Anteile auch die Lappenpersönlichkeit. Der Weg nach innen bedeutet für sie, sich nicht länger mit diesen lauten inneren Stimmen zu identifizieren, sondern innerlich zurückzutreten und aus einer tieferen Präsenz heraus wahrzunehmen. Von dort aus könne man die eigenen Gedanken und Gefühle liebevoll betrachten, ohne ihnen ausgeliefert zu sein.
Catherine kritisiert auch viele moderne Vorstellungen von Vernetzung, Verschmelzung und kollektiver Verbindung. Sie warnt davor, sich wahllos mit allem und jedem zu verbinden, wenn viele Menschen selbst noch stark von äußeren Programmen, Ideologien und ungelösten Mustern geprägt seien. Für sie wächst das Eigentliche des Menschen nicht in der Masse, sondern in der Individualität. So wie jede Blume ihren eigenen Stängel und jeder Baum seinen eigenen Stamm hat, müsse auch jeder Mensch seinen eigenen inneren Weg gehen.
Die Matrixwelt beschreibt sie als eine Welt der Entzweiung, der Spaltung und der Verzweiflung. Hier erklärt sie auch das Wort diabolisch. Es leitet sich vom Griechischen diaballein ab und bedeutet sinngemäß durcheinanderwerfen, entzweien oder verleumden. Genau darin erkennt sie das Prinzip des Bösen. Es trennt Menschen voneinander, spaltet sie in Gruppen, Lager, Nationen, Religionen, politische Parteien, Männer und Frauen, Junge und Alte, Arme und Reiche. Dieses Spiel der Trennung nennt sie ein künstlich erzeugtes Außenfeld, das Menschen von ihrer inneren Quelle ablenkt.
Demgegenüber steht für sie der innere Thron. Dieser Begriff bezeichnet den tiefsten inneren Ort der Souveränität, der Stille und der göttlichen Präsenz. Dieser Thron müsse nicht erobert werden, denn er sei bereits da. Er könne auch nicht wirklich fremdbesetzt werden. Nur das Bewusstsein dafür könne verloren gehen. Wenn der Mensch sich zu sehr mit seinen äußeren Rollen, Ängsten und Bewertungen identifiziert, wirkt dieser innere Thron leer. Doch sobald er sich nach innen zurücklehnt, beginnt er wieder zu spüren, dass dort eine stille, unerschütterliche Instanz vorhanden ist.
Sie grenzt diese Sicht auch von Sigmund Freud und George Herbert Mead ab. Freud beschrieb den Menschen in den Kategorien Es, Ich und Überich und deutete viele innere Vorgänge aus Trieb, Konflikt und Verdrängung heraus. Catherine sieht darin eine Reduzierung des Menschen auf etwas Triebhaftes. Mead wiederum erklärte Identität stark aus sozialer Spiegelung. Das Ich entsteht demnach im Austausch mit anderen und durch die Erwartungen der Gesellschaft. Auch hier sieht Catherine eine Gefahr, weil der Mensch sich dadurch vor allem im Spiegel der Außenwelt erkennt. Für sie liegt die wahre Identität jedoch nicht im sozialen Spiegel, sondern im inneren Sein.
Sehr klar unterscheidet sie auch zwischen Moral und Ethik. Moral versteht sie als etwas Äußeres, geprägt durch Eltern, Lehrer, Religion, Gesellschaft und Erwartungen. Ethik hingegen komme von innen. Sie entspringe dem inneren Wissen, der echten Wahrnehmung und der Verbindung mit dem eigenen Wesenskern.
Ein weiteres großes Bild ihres Vortrags ist die zweite Geburt. Die erste Geburt habe uns in diese äußere Matrixwelt hineingepresst, in eine Welt von Zeit, Mangel, Druck, Leistung und Trennung. Nun aber entstehe ein umgekehrter Druck. Die äußere Welt werde so eng, widersprüchlich und überladen, dass sie den Menschen wieder nach innen zurückdränge. Diese zweite Geburt sei keine Rückkehr im alten Sinn, sondern ein Heimfinden zum Ursprung, zur inneren Einheit, zur eigenen Religio. Religio versteht sie dabei als Rückbindung, als Wiederverbindung mit dem, was im Innersten immer da war.
Auch technische Entwicklungen wie künstliche Intelligenz oder das Internet betrachtet sie nicht grundsätzlich negativ. Im Gegenteil sieht sie darin eine Chance, weil Wissen heute nicht mehr so leicht hierarchisch kontrolliert werden könne. Alte Schriften, verborgene Texte und lange zurückgehaltene Informationen würden zugänglich. Entscheidend sei jedoch, diese Werkzeuge nicht aus Angst oder Abhängigkeit zu nutzen, sondern aus innerer Klarheit.
Am Ende führt Catherine alles zurück zu einer einfachen inneren Bewegung. Der Mensch müsse nicht die Welt retten, niemanden bekehren und nicht ständig nach außen greifen. Er dürfe vielmehr lernen, wieder in seinem eigenen Sein zu wohnen. Wenn diese innere Präsenz stärker wird, entsteht von selbst eine andere Ausstrahlung. Dann wächst die Ehrfurcht vor dem Leben, die Dankbarkeit für kleine Dinge und die Fähigkeit, das äußere Geschehen mit mehr Ruhe und Abstand zu betrachten.
Ihre Botschaft ist letztlich eine Einladung zur inneren Souveränität. Nicht das laute Ich auf der Stirn, nicht die Angst, nicht die Rechthaberei und nicht die gesellschaftliche Spiegelung sollen den Menschen führen, sondern jene stille Instanz im Inneren, die immer schon da war. Dort, auf dem inneren Thron, beginnt für Catherine die eigentliche Freiheit.