(06.06.26)
Viele Menschen suchen ihr ganzes Leben nach Antworten, nach Erklärungen, nach Ursachen für das, was sie fühlen und erleben. So entstehen unzählige Geschichten über vergangene Leben, karmische Verbindungen, Blockaden, Verstrickungen, Manipulationen, Fremdeinflüsse, Flüche und viele andere Konzepte. Und vielleicht haben diese Geschichten für eine gewisse Zeit ihren Wert, weil sie dem Verstand Orientierung geben. Doch irgendwann kann eine viel tiefere Frage auftauchen: Brauche ich diese Geschichte überhaupt noch? Denn jede Geschichte beschreibt lediglich eine Erfahrung, sie beschreibt niemals das Wesen selbst. Das Wesen ist bereits da, bevor die Geschichte beginnt, bevor eine Ursache gefunden wird, bevor ein Problem entsteht und bevor eine Lösung gesucht wird. Vielleicht suchen deshalb so viele Menschen nach einem Ziel, ohne zu bemerken, dass das Ziel niemals verloren war. Wie könnte die Quelle gefunden werden müssen, wenn sie das ist, was man schon immer war? Wie könnte Liebe erreicht werden müssen, wenn sie das Wesen des Seins selbst ist?
Je tiefer das Bewusstsein in die Erinnerung an die Quelle eintaucht, desto mehr verändert sich die Perspektive. Die Aufmerksamkeit richtet sich nicht mehr darauf, wer etwas verursacht hat, wer welche Energie ausgesendet hat oder wer für etwas verantwortlich sein könnte. Stattdessen entsteht eine viel grundlegendere Erkenntnis: Im Bewusstsein der Quelle ist alles Liebe. Nicht manchmal, nicht nur unter bestimmten Bedingungen, nicht erst dann, wenn alles geheilt ist, sondern immer. Selbst dort, wo das menschliche Bewusstsein Trennung wahrnimmt, bleibt die Quelle Liebe. Selbst dort, wo Angst, Schmerz oder Konflikte erlebt werden, bleibt die Quelle Liebe. Die Quelle kämpft nicht gegen sich selbst, sie verurteilt sich nicht und sie erschafft keine Trennung. Aus dieser Perspektive beginnen viele Konzepte ihre Schwere zu verlieren, nicht weil sie bekämpft werden müssen, sondern weil sie nicht länger gebraucht werden.
Wenn jemand sagt: „Du bist verflucht“, entsteht eine Geschichte. Wenn jemand sagt: „Jemand manipuliert dich energetisch“, entsteht eine Geschichte. Wenn jemand sagt: „Etwas hängt an dir“, entsteht eine Geschichte. Ob diese Geschichten wahr, teilweise wahr oder gar nicht wahr sind, verliert irgendwann an Bedeutung, denn die entscheidende Frage lautet nicht mehr, welche Geschichte die richtige ist, sondern ob überhaupt noch eine Geschichte benötigt wird. Denn jede Geschichte bindet Aufmerksamkeit an etwas außerhalb des eigenen Wesens. Doch was geschieht, wenn die Aufmerksamkeit wieder dorthin zurückkehrt, wo sie ihren Ursprung hat? Was geschieht, wenn nicht mehr gefragt wird: „Welche Geschichte ist wahr?“, sondern: „Wer bin ich ohne jede Geschichte?“ Vielleicht beginnt genau dort die Erinnerung, dass man niemals die Wellen war, die sich auf der Oberfläche bewegen. Vielleicht war man immer der Ozean, der alle Wellen trägt, ohne von ihnen getrennt zu sein.
Und vielleicht führt all das zu einer einzigen, einfachen Frage: Wenn ich wirklich die Quelle bin, wenn Liebe mein Wesen ist und wenn nichts von meinem wahren Sein getrennt werden kann, welche Geschichte muss ich dann überhaupt noch glauben? Vielleicht kommt aus der Tiefe des Herzens eine Antwort, die so einfach ist, dass der Verstand sie kaum greifen kann: Keine. Denn Liebe braucht keine Geschichte, Liebe braucht keine Erklärung, Liebe braucht keine Verteidigung, Liebe braucht keinen Beweis und Liebe braucht kein Ziel, weil sie nicht irgendwo ankommen muss. Liebe ist. Und vielleicht ist genau das die Erinnerung, nach der so viele Menschen suchen, bis sie erkennen, dass sie niemals verloren waren, sondern die ganze Zeit das waren, wonach sie gesucht haben… ![]()
Licht und Liebe zu dir ![]()
Sandra Lumina
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