Was soll ich sagen – ich bin es leid. Ich bin es leid, tausend Tode vor dem eigentlichen Tod zu sterben. Warum ich so etwas sage? Weil nun schon seit Jahren eine Pestbotschaft die andere jagt. Die Menschen verharren angesichts angekündigter Bedrohungsszenarien wochen- oder monatelang wie verängstigte, eingerollte Igel, tagsüber versteckt in irgendwelchen Laubhaufen, und warten auf bessere Zeiten. Es erinnert an Bombenalarm neuer Art: Sirene an – und alle runter in die Keller, um darauf zu warten, dass es kracht.
Noch einmal: Psychopathische Systeme leben von Angstschweiß. Sie ergötzen sich an Leiden, Qualen, Ängsten und Schmerz. Schnelligkeit gibt ihnen keinen Kick und schon gar nicht das Gefühl von Allmacht. Vielmehr lieben sie das langsame Katz-und-Maus-Spiel, bei dem ein psychisches System kontinuierlich in Erschöpfung und Agonie getrieben wird.
Virenalarm, Atombombenalarm, Klimaalarm, Gasalarm, „Wir-werden-alle-sterben“-Alarm, Lebensmittelknappheitsalarm, Lieferkettenalarm, „Die Russen kommen“-Alarm, Börsencrash-Alarm – und und und.
So befinden sich inzwischen viele Menschen im dauerhaften Schüttelfrostmodus, forciert auch durch die Alternativszene.
Ich bin es so leid. Sicher mag irgendwann irgendetwas eintreffen. Dann ist es schlimm genug, wenn wir vor Ort blitzschnell reagieren müssen. Aber dieses jahrelange Hinterherjagen irgendwelcher Drohgespenster, die sich dann doch wieder als Luftnummer entpuppen, nervt. Ja, es nervt nur noch.
Es gilt, die Taktik dahinter zu verstehen: die Erschöpfung und Selbstzerstörung der Menschen unseres Landes durch Angst-Dauerschleifen und permanente Adrenalinschocks. Da macht irgendwann jede Nebenniere die Grätsche – und nicht nur die. Es ist, als würde man jemanden dazu nötigen, sein ganzes Pulver zu verschießen. Und wenn dann wirklich der Tiger vor einem steht, sitzt man apathisch im Campingstuhl, erhebt sich nicht mehr – geschweige denn, dass noch eine Patrone im Lauf wäre.
Also, was tun? Vorher eine „ruhige Kugel“ schieben. Vorher auch mal den Liegestuhl auspacken und die künstliche Rauchentwicklung aus der Ferne betrachten. Wenn man das schafft, merkt man schnell, dass mindestens 80 Prozent psychopathischer Wandkritzeleien nichts weiter als Bluff sind – nur dazu da, deinen Geist in Aufregung zu versetzen. Genau das gilt es zu kapieren, notfalls zu lernen.
Wer das nicht schafft, wird irgendwann erschöpft zusammenbrechen. Wer jedoch bei dem Spiel der toxischen Liga mitmacht, indem er den Rauch auch noch anfächert, das Feuer weiter schürt oder tausend Stunden damit verbringt, gemeinsam mit anderen die dämonischen Wandmalereien zu interpretieren, ist kaum besser als der Täter selbst. Er gibt dem Bluff erst die große Theaterbühne.
… Das nur mal so nebenbei …
Eure Susanne Lohrey
Gerade in Thüringen
