* 11. März 1931 – + 3. November 2026
Manche Menschen verlassen diese Welt, aber die Welten, die sie erschaffen haben, bleiben für immer in unseren Herzen.
Mit großer Traurigkeit, aber auch mit tiefer Dankbarkeit nehme ich Abschied von einem außergewöhnlichen Menschen, einem wunderbaren Künstler und einem Geschichtenerzähler, der Generationen von Kindern und Erwachsenen berührt hat: Horst Eckert, den die Welt als Janosch kennt und liebt.
Für mich war Janosch jedoch weit mehr als der Schöpfer des kleinen Tigers, des kleinen Bären und der unvergesslichen Tigerente.
Sein literarisches und künstlerisches Schaffen war seinerzeit ein wesentlicher Bestandteil meines Staatsexamens im Fach Kinder- und Jugendliteratur. Und was diese Begegnung für mich so besonders und unvergesslich machte: Horst stand mir damals persönlich zur Seite.
Das war keineswegs selbstverständlich. Ein Künstler, dessen Geschichten längst unzählige Herzen erreicht hatten, nahm sich die Zeit, mich auf meinem eigenen Weg zu begleiten. Diese persönliche Unterstützung war für mich ein großes Geschenk, das ich bis heute in dankbarer Erinnerung bewahre.
Seine Geschichten waren niemals nur einfache Kindergeschichten. Hinter den liebevollen Zeichnungen, dem feinen Humor und den scheinbar kleinen Abenteuern verbargen sich tiefe Wahrheiten über das Leben, über Freundschaft, Geborgenheit, Sehnsucht, Freiheit und die Suche nach dem Glück.
Janosch verstand es wie kaum ein anderer, mit wenigen Worten das Wesentliche auszudrücken. Er zeigte uns, dass Reichtum nicht im Besitz liegt, dass Freundschaft ein Zuhause sein kann und dass das Glück manchmal genau dort auf uns wartet, wo wir längst sind.
Wer mit dem kleinen Tiger und dem kleinen Bären nach Panama gereist ist, weiß, dass die schönsten Entdeckungsreisen oft zu uns selbst zurückführen.
Dabei war sein eigener Lebensweg keineswegs leicht. Er kannte die Schattenseiten des Lebens, die Härte seiner Kindheit, Entbehrungen und schmerzliche Erfahrungen. Vielleicht war es gerade diese tiefe Kenntnis menschlicher Verletzlichkeit, die seinen Geschichten ihre besondere Wärme, ihren unverwechselbaren Humor und ihre stille Weisheit verlieh.
Er schuf keine heile Welt, weil er das Leid nicht kannte. Vielmehr ließ er in seinen Geschichten eine Welt entstehen, in der Zuneigung, Mitgefühl und Freundschaft stärker sein durften als Angst und Einsamkeit.
Auch seine Eigenwilligkeit, seine Unabhängigkeit und sein Mut, gesellschaftliche und religiöse Vorstellungen zu hinterfragen, gehörten zu ihm. Horst war ein Mensch mit Ecken und Kanten, mit einem wachen Geist und einer ganz eigenen Sicht auf die Welt. Gerade das machte ihn als Künstler so unverwechselbar.
Am 3. November 2026 hat sich nun sein Lebenskreis auf Teneriffa geschlossen.
95 Jahre Leben. Unzählige Geschichten. Millionen berührter Herzen.
Und für mich bleibt neben all dem, was er der Welt geschenkt hat, vor allem die persönliche Erinnerung an einen Menschen, der mich in einer wichtigen Phase meines Lebens unterstützt und begleitet hat.
Lieber Horst,
ich danke Dir von Herzen für Deine Geschichten, Deine Fantasie, Deinen Humor und vor allem für Deine persönliche Unterstützung damals, als ich mich im Rahmen meines Staatsexamens so intensiv mit Deinem Werk beschäftigen durfte.
Du hast nicht nur Bücher geschrieben und Bilder gezeichnet. Du hast kleine Türen geöffnet – zu einer Welt, in der das Unmögliche möglich erscheint, in der Freundschaft trägt und in der selbst die kleinsten Wesen eine große Bedeutung haben.
Vielleicht ist das Dein schönstes Vermächtnis: uns daran zu erinnern, dass wir uns das Staunen bewahren dürfen, ganz gleich, wie alt wir werden.
Und vielleicht liegt Panama tatsächlich nicht irgendwo in der Ferne, sondern in all den Herzen, in denen Deine Geschichten weiterleben.
Danke, lieber Horst, für alles, was Du uns geschenkt hast. Und danke für das, was Du ganz persönlich für mich getan hast.
Die kleine Tigerente wird weiterrollen. Der kleine Tiger und der kleine Bär werden weiter ihre Abenteuer erleben. Und irgendwo wird immer ein Kind ein Buch von Dir aufschlagen und entdecken, wie schön diese Welt sein kann.
Du bist gegangen. Aber Dein Panama bleibt.
In liebevoller Erinnerung, tiefer Dankbarkeit und stiller Verbundenheit.
Und denke daran: „Wenn man einen Freund hat, … braucht man sich vor nichts zu fürchten.“ Lass mich dieser Freund(in) sein!
(Aus: „Oh, wie schön ist Panama“)
Gute Reise, lieber Horst.
Rosi / Es Ist Alles Da
Nachruf: https://www.swr3.de/aktuell/nachrichten/janosch-zitate-100.html



