Seit ich immer tiefer in das Quellbewusstsein eintauche, hat sich mein Blick auf die Schöpfung vollkommen verändert. Viele Menschen stellen sich vor, dass die Quelle oder Gott den Menschen erschaffen hat, als wäre da ein Plan gewesen, eine Konstruktion, ein Entwurf, etwas, das entwickelt, geformt und Stück für Stück zusammengesetzt wurde. Doch je tiefer ich in mein eigenes Sein eintauche, desto weniger fühlt sich das für mich wahr an. Mir wurde gezeigt, dass die Quelle nicht erschafft wie ein Architekt ein Haus baut oder wie ein Handwerker etwas zusammensetzt. Die Quelle ist unermessliches Bewusstsein, unermessliche Intelligenz, unermessliches Leben. Sie muss nichts entwickeln, nichts verbessern, nichts optimieren und nichts erschaffen, was vorher nicht da gewesen wäre. Alles ist bereits in ihr enthalten. Der Mensch ist deshalb für mich nicht das Ergebnis einer Schöpfung, sondern ein Ausdruck der Schöpfung selbst. So wie eine Welle nicht vom Ozean getrennt ist, sondern der Ozean in Bewegung, so sind auch wir nicht getrennt von der Quelle, sondern die Quelle in Bewegung, die Quelle in Erfahrung, die Quelle in menschlicher Form.
Was mich dabei besonders berührt, ist die Erkenntnis, dass die Quelle niemals darüber nachdenken musste, wie ein Gehirn funktionieren soll, wie ein Herz schlagen soll oder wie Milliarden Prozesse gleichzeitig in einem Körper ablaufen können. Sie musste keine Baupläne erstellen, keine Funktionen festlegen und keine Mechanismen entwickeln. All das war bereits in ihr enthalten. Aus ihrer unendlichen Intelligenz heraus entsteht Leben ganz natürlich. Nicht, weil darüber nachgedacht wird, sondern weil die Quelle selbst diese Genialität ist. Das Gehirn, das Nervensystem, die Organe, die Zellen, die Natur, die Sterne, die Planeten, die Erde selbst, all das erscheint mir nicht wie etwas Erschaffenes, sondern wie etwas, das aus dem unendlichen Bewusstsein hervorgegangen ist. So wie aus einem Samen ein Baum entsteht, ohne dass der Samen darüber nachdenken muss, wie er Wurzeln, Blätter oder Früchte hervorbringt, so entsteht die gesamte Schöpfung aus dem Wesen der Quelle selbst. Die Erde musste nicht geplant werden. Die Sterne mussten nicht konstruiert werden. Die Galaxien mussten nicht berechnet werden. Sie entstanden aus einer Intelligenz heraus, die so unermesslich groß ist, dass Vollkommenheit nicht das Ergebnis eines Prozesses ist, sondern ihre natürliche Beschaffenheit.
Vielleicht ist genau das die größte Genialität der Quelle, dass sie nichts erzwingen muss, dass sie nichts kontrollieren muss und dass sie nichts erschaffen muss, indem sie daran arbeitet. Die Sonne denkt nicht darüber nach, wie sie scheinen soll, die Blume denkt nicht darüber nach, wie sie blühen soll, und das Leben denkt nicht darüber nach, wie es leben soll, es geschieht aus seiner eigenen Natur heraus. Genauso zeigt es sich mir auch mit uns Menschen. Wir wurden nicht erschaffen, wir sind aus der Quelle hervorgegangen. Wir sind Ausdruck eines Bewusstseins, das sich selbst erfahren möchte. Die Quelle schaut durch unsere Augen auf ihre eigene Schöpfung, sie fühlt durch unsere Herzen, sie liebt durch uns, sie lacht durch uns, sie weint durch uns und sie entdeckt sich selbst in unendlich vielen Formen immer wieder neu.
Vielleicht besteht Erwachen deshalb nicht darin, etwas Neues zu lernen oder etwas zu werden, sondern sich an das zu erinnern, was wir schon immer waren. Vielleicht sind wir nicht auf der Suche nach der Quelle, vielleicht sucht die Quelle durch uns nach sich selbst. Und vielleicht erkennen wir irgendwann, dass wir niemals von ihr getrennt waren, weil wir in Wahrheit nichts anderes sind als die Quelle selbst, die sich für einen Augenblick Mensch nennt.
Sandra Lumina
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