Hol dir deine Kraft und deine Stimme zurück. Nicky Hamid

Manchmal erschrickst du über deine eigene Reaktion. Du wirst plötzlich laut, wütend oder setzt dich mit einer Entschlossenheit zur Wehr, die du von dir selbst kaum kennst. Danach fragst du dich vielleicht, was da eigentlich mit dir passiert ist.

Doch genau darin steckt eine wichtige Botschaft: All die Jahre, in denen du deine Wahrheit heruntergeschluckt, deine Gefühle zurückgehalten und deine eigene Stimme gedämpft hast, wollen sich irgendwann Ausdruck verschaffen.

Es geht nicht darum, deine Wut gegen andere zu richten. Es geht darum, die Kraft dahinter wahrzunehmen. Sprich aus, was du lange nicht gesagt hast. Wenn nötig zunächst ganz für dich allein. Erlaube deiner Wahrheit, eine Stimme zu bekommen. Du musst deine eigene Stärke nicht länger vor dir selbst verstecken.

Diese neue Seite an dir kann sich zunächst fremd und sogar erschreckend anfühlen. Dabei begegnest du lediglich einer Version von dir, die eine Stimme hat, ihre Grenzen kennt und ihre eigene Kraft nicht mehr verleugnet.

Du kannst liebevoll und mitfühlend sein und trotzdem entschieden für deine Wahrheit einstehen. Stärke und Sanftheit widersprechen sich nicht. Im Gegenteil: Wahre Kraft muss nicht ständig kämpfen oder laut werden. Wenn du sie kennst und in dir ruhst, ist sie auch in deiner Stille spürbar.

Der Drache steht dabei für Kraft und Weisheit, der Löwe für Mut. Beide können ruhig, sanft und still sein und dennoch unerschütterlich werden, wenn es darum geht, die Wahrheit zu schützen.

Auch die anderen Stimmen in der Unterhaltung kennen solche Momente. Sie erzählen davon, plötzlich wie eine Löwin gebrüllt oder in einer Auseinandersetzung ungewöhnlich heftig reagiert zu haben. Dahinter steht dieselbe Erfahrung: Du willst deine Wahrheit nicht länger verschlucken.

Wichtig ist deshalb auch, deine Fähigkeit zum Brüllen überhaupt erst einmal anzuerkennen. Du musst sie nicht ständig einsetzen. Wenn du deine eigene Kraft wirklich kennst, brauchst du sie immer weniger demonstrativ nach außen zu tragen. Sie zeigt sich in deiner Präsenz, deiner Klarheit, deiner Entschlossenheit und deiner Integrität.

Wut entsteht, wenn die eigene Wahrheit keinen Raum bekommt. Deshalb darfst du aus dem Gefühl der Machtlosigkeit heraustreten und deine Stimme wieder für dich beanspruchen.

Und wenn du diese Stimme gefunden hast, entsteht daraus etwas viel Ruhigeres und Kraftvolleres: eine stille Präsenz, die weiß, wer sie ist und wofür sie steht.

Vielleicht lernen wir dabei gerade beides neu: den Mut, unsere Stimme zu erheben, wenn es notwendig ist, und die Kraft, still zu bleiben, wenn unsere Präsenz längst alles sagt.

© Urheberrecht beachten. Copyright & Übersetzungsrechte erteilt von  Nicky Hamid auf Facebook

Grafik: „Nichts ist unermesslicher
als die Landschaft
des menschlichen Herzens.“ ❤️