Denise: „Du bist nicht deine Gedanken“

Dies ist einer der wichtigsten Sätze, die ich dieses Jahr gelernt habe.

Der mir die Augen geöffnet hat und mich immer wieder aufs neue herausfordert: “ Du bist nicht deine Gedanken.”

Aber was bin ich dann? Was bin ich, wenn die gefühlten 1000 Gedanken, die ich täglich denke nicht mehr da sind. Bin ich wirklich nicht das?  Was bleibt übrig?

Um das beantworten zu können muss man erstmal verstehen, was Gedanken genau sind.

Der Duden hat folgende Antwort:

  1. „etwas, was gedacht wird, gedacht worden ist; Überlegung
  2. das Denken an etwas
  3. Meinung, Ansicht
  4. Einfall; Plan, Absicht
  5. Begriff, Idee
  6. in »[um] einen Gedanken“

Quelle: https://www.duden.de/rechtschreibung/Gedanke

Schon der erste Punkt macht mich hellhörig: Etwas, was gedacht worden ist. Ein Gedanke kann also in der Vergangenheit liegen. Warum beschäftige ich mich dann noch damit, warum ist der Gedanke in meinem Kopf, wenn es doch in der Vergangenheit liegt? Halten wir dadurch nicht noch viel mehr an der Vergangenheit fest? Wäre es nicht total befreiend diesen Gedanken loszulassen?

Zudem soll der Gedanke eine Meinung oder Ansicht sein. Beides ist sehr subjektiv. Dies suggeriert, dass wir in unseren Gedanken, die immer wieder kommen (und die wir auch nicht aufhalten können), eine persönliche Bewertung geben. Was an sich ja nicht verkehrt ist, denn es ist wichtig, dass wir unsere persönliche Meinung bilden und unsere Ansichten vertreten. Doch können wir immer davon ausgehen, dass wir in unseren Gedanken auch unsere ehrliche Meinung vertreten oder nur die Meinung von der wir denken, dass sie richtig oder wünschenswert ist.

Ein Gedanke ist ein Einfall, ein Plan oder eine Absicht. Der Einfall klingt einfach, positiv und inspirierend. Einfälle kommen und gehen. Wir können sie annehmen, weiter verfolgen oder ziehen lassen. Aber muss ein Einfall direkt in einem Plan münden? Nein. Manchmal ist es gut einen Einfall und somit diesen Gedanken einfach nur wahrzunehmen und dann gehen zu lassen. Allein das kann schon inspirierend sein.

Die Definition “das Denken an etwas” ist es allerdings, die genau das beschreibt, was ich häufig viel zu viel mache. Ich denke ständig an etwas. Es ist als ob 100 Tabs in meinem Kopf auf sind und jeder blinkt minutlich auf und erfordert seine Aufmerksamkeit. Ob wichtig oder nicht. Ob es eine Idee ist oder eine Meinung. Und dass schlimmste: Etwas was gedacht worden ist und mich eigentlich nicht mehr beschäftigen sollte. Das ist anstrengend und es hindert mich leider sehr oft das Hier und Jetzt zu genießen.

Wie soll ich also diese 100 von Gedanken bewältigen? Woher soll ich wissen, was wichtig ist und was nicht? Und vor allem, wie schaffe ich es mich davon nicht beeinflussen zu lassen?

Es ist wichtig zu verstehen, dass du nicht deine Gedanken bist.

Was passiert in uns, wenn wir einen Gedanken haben? Zunächst nehmen wir ihn wahr. Und dann fangen wir an darüber nachzudenken.

Zum Beispiel denkst du: Der Kollege war heute komisch zu mir.

Es mag eine kleine Situation gewesen sein (er hat dich an der Kaffeemaschine nicht gegrüßt) und schon denkst du: Was habe ich falsch gemacht? Warum hat er mich heute nicht gegrüßt, wobei er mich doch sonst immer grüßt. Es muss was vorgefallen sein. Ich habe etwas gemacht und nun mag er mich nicht mehr.

Das mag sehr überspitzt klingen, aber genau dies kann eine sehr schnelle Gedankenspirale sein. Und schon hast du ein schlechtes Gefühl. Dabei ist wahrscheinlich gar nichts passiert. Vielleicht war der Kollege einfach noch nicht wirklich wach.

Doch wenn du diesen Gedanken weiter verfolgst und ihn glaubst, dann kommst du in eine Gedankenspirale, die sich in Selbstzweifel verliert und aus der du dann nur schwer wieder rauskommst. Und ganz schnell fokussierst du dich auf diesen Zweifel und lebst diesen Gedanken – und strahlst ihn auch aus.

Wir viel einfacher wäre es doch gewesen, diesen Gedanken keine Beachtung zu schenken und ihn einfach ziehen zu lassen!

Und wie schafft man das nun?

Wichtig ist, dass wir als erstes den Gedanken wahrnehmen und beobachten. Denn es bringt nichts ihn zu verdrängen. Er ist ja da und möchte uns etwas sagen. Deswegen, beobachte ihn. Und spüre, was er mit dir macht. Macht er dir Bauchschmerzen? Dann horche rein, wo vielleicht der Ursprung dieses Gedanken liegt.

Eine wunderbare Übung dafür ist es, sich mit seinem Herzen zu verbinden. Schließe dafür deine Augen und atme tief in den Herzraum ein und aus. Zur Unterstützung kannst du gerne deine Hand auf das Herz legen. Du wirst merken, dass du immer ruhiger wirst  und nun deinem Herzen Fragen stellen kannst: Was will dieser Gedanke mir sagen? Wo kommt er her? Es ist erstaunlich was das Herz einem für Antworten gibt, wenn du dich mit ihm verbindest. Ja/Nein Fragen wirken hier oft am besten.

Das ist eine Übung, die bei besonders hartnäckigen Gedanken helfen kann.

Oft schafft man diese Verbindung auch bei Meditationen herzustellen.

Bei weniger hartnäckigen Gedanken kann es schon helfen einfach “Stopp” zu sagen. Stopp, ich glaube diesen Gedanken nicht.

Stelle dir vor der Gedanke ist eine Wolke (manchmal sogar eine Regenwolke). Sie kommt, aber sie zieht weiter. Du bist nicht diese Wolke. Du bist beständig. Du bist der Grund des Ozeans und keine Wolke kann diesen Grund zerstören. DIe Wolken können sich in dir spiegeln. Aber sie ziehen weiter. Also lass sie ziehen.

Was mir zusätzlich hilft: Bewegung. Am besten an der frischen Luft. Das kann ein Spaziergang sein, Schwimmen oder eine Yoga Einheit. Wenn du dich bewegst, bringst du all deine Zellen in Schwung. Du spürst deinen Körper und fühlst dich lebendig. Das hilft einfach ungemein seine Gedanken ziehen zu lassen und ganz bei sich zu sein.

Zusammengefasst meine 3 Hilfsmittel, um meine Gedanken keine Macht zu geben:

  1. Verbinde dich mit deinem Herzen
  2. Sage Stopp
  3. Bewege deinen Körper

Ich weiß aus eigener Erfahrung, dass es nicht immer einfach ist und es gibt Tage, da müssen alle 3 Methoden zur Rate gezogen werden. Aber es hilft. Und Übung macht ja bekanntlich den Meister.

Du bist nicht deine Gedanken

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