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Anja Reiche: „Man muss die Dinge auch gehen lassen können.“

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Anja Reiche: „Man muss die Dinge auch gehen lassen können.“

Anja Reiche·18. November 2019, 7:07 Uhr·2 Minuten

Fülle ist nicht das Anhäufen von Dingen, Menschen oder Geld. Fülle ist für meine Begriffe, den Fluss zu genießen. Das Reinkommen, das Dasein, sowie das Wiederabfließen.

Fülle ist das Gewahrsein, dass alles seine Zeit hat, dass es ein stetes Kommen und Gehen ist. Fülle ist die Fähigkeit, jeden einzelnen Teil des Zyklus‘ zu feiern. Fülle ist, mit freudestrahlenden Augen auch Abschiede zu feiern. Von Menschen, von Dingen, von Geld.

Nichts und niemand will festgehalten werden. Jeder und alles will freiwillig bleiben dürfen und gehen können, wenn es stimmig ist, wenn es dran ist, wenn die Zeit um ist. Auch Geld.

Nichts auf dieser Welt währt ewiglich. Nichts steht wirklich still. Alles ist in stetem Wandel. Ein Auf und Ab, ein Hin und Her, ein ewig Stirb und Werde. Diese immerwährende Veränderung ist Fülle pur. Diese tausend Facetten und Phasen.

Mit welcher Stimmung hast du bisher Abschiede erlebt? Das Gehenlassen von Menschen, von Gegenständen, von Geld? Welches Gefühl macht sich breit, wenn ein Freund, eine Partnerin, ein Familienmitglied aus deinem Leben verschwindet? Vielleicht sogar für immer? Wenn sie sterben? Mit welchem Gefühl holst du an der Kasse deinen Geldbeutel heraus, übergibst die Scheine? Mit welchem Gefühl überweist du Rechnungen? Welches Gefühl löst Geldausgang auf deinem Konto aus? Welches Gefühl hast du, wenn Dinge kaputt gehen?

Weches Gefühl hast du vergleichsweise, wenn Geld eingeht? Wenn neue Menschen in dein Leben kommen? Wenn Babies zur Welt kommen? Wenn neue Gegenstände in deinem Haus Einzug halten? Ist da ein Unterschied zu den Situationen im Absatz davor? Wahrscheinlich, oder? Warum ist das eine besser als das andere?

Tatsächlich kann ich sagen, dass Abschiede jeglicher Art für mich mittlerweile immer freudig sind. Ich kann Menschen so gut gehen lassen, bin immer bereit jeden und alles ziehen zu lassen. Ich liebe es, alte Gegenstände abzugeben, kann es gut haben, wenn etwas kaputt geht oder verloren. Ich zahle mit Freude Rechnungen, gebe dem Geld ganz viel Liebe mit auf dem Weg und die besten Wünsche für den neuen, vorübergehenden Besitzer. Ob das die Krankenversicherung ist, oder die Rate fürs Auto. Mein Geld fließt in Liebe weiter. Menschen aus meinem Leben ziehen in Liebe weiter. Ich feiere die Zeit, die wir zusammen hatten. Ich freue mich auf das Neue, das danach unweigerlich kommt.

Der Tod ist genauso ein freudiger Übergang, wie eine Geburt. Abschied ist genauso zu würdigen wie ein Willkommen. Geld, das geht, ist genauso wunderbar, wie Geld das kommt. Alles und jeden in Frieden gehen lassen zu können, ist für mich ein riesiges Geschenk. Ein wunderbarer Teil und ganz wichtiger Aspekt der Fülle.

https://www.facebook.com/anja.reiche

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