Es gibt Zeiten, in denen wir aufhören, perfekt wirken zu wollen.
Zeiten, in denen wir erkennen, dass unsere größte Kraft nicht darin liegt, immer stark zu sein, sondern darin, uns ehrlich zu zeigen. Mit dem, was gerade da ist. Mit unserer Freude, unserer Wut, unserer Sehnsucht, unserer Angst und unserer Liebe.
Vielleicht ist genau jetzt so eine Zeit.
Eine Zeit, in der wir als Frauen einander nicht länger mit fertigen Antworten begegnen, sondern mit offenen Herzen. In der wir den Mut finden, unsere Masken abzulegen und uns gegenseitig daran erinnern, dass Echtheit niemals zu viel ist.
Wenn eine Schwester den ersten Schritt geht und ihre Wahrheit ausspricht, entsteht etwas Besonderes: Sie öffnet einen Raum, in dem auch andere wieder atmen können. Einen Raum, in dem wir erkennen: Ich bin nicht allein. Ich muss mich nicht länger verstecken.
Svenja geht diesen Schritt heute. Sie schenkt uns keinen perfekten Text, sondern einen ehrlichen Blick in ihr Inneres. Genau darin liegt seine Kraft.
Vielleicht ist das die Einladung an uns alle: weniger funktionieren, weniger kontrollieren, weniger zurückhalten – und stattdessen mehr wir selbst sein.
Denn wenn eine Frau sich traut, sich in ihrer ganzen Menschlichkeit zu zeigen, erinnert sie alle anderen daran, dass auch sie längst die Erlaubnis dazu haben.
Mögen wir einander genau darin begegnen: schwesterlich, liebevoll und wahrhaftig.
Rosi/esistallesda.de
Alexa Szeli schreibt auf ihrer Startseite: Komm, Schwester, tritt an die Schwelle.
Hier beginnt die Rückkehr zu dir.
Hier darfst du langsamer werden.
Ehrlicher. Wilder vielleicht auch.
Näher an die Wahrheit, die in deinen Knochen raunt.
Svenja Strohmeier auf Facebook
Jeden dieser Tage verbringe ich mit der Version von mir, die niemanden hatte.
Ich lasse sie weinen. Ich dränge sie nicht. Ich sage ihr nicht, sie müsse stark sein.
Ich sitze einfach bei ihr und lausche der Stille, in der sie damals unterging.
Ich sage ihr, dass es nicht fair war.
Ich sage ihr, dass sie sanfte Arme, warme Worte und einen sicheren Ort verdient hätte.
Doch niemand kam.
Niemand sah, wie sie zerbrach.
Irgendwo zwischen all den Nächten, in denen sie sich in den Schlaf weinte, und all den Morgen, an denen sie aufstand und so tat, als wäre alles in Ordnung,
lernte sie, ihr eigener Zufluchtsort zu werden.
Aber Gott, ich wünschte, sie hätte das nie gemusst.
Ich wünschte, jemand hätte sie so gehalten, wie sie sich selbst gehalten hat.
Ich wünschte, jemand hätte sie gesehen.
Deshalb halte ich sie heute.
Ich sitze bei ihr.
Ich erinnere sie daran, dass sie es geschafft hat.
Und auch wenn damals niemand kam –
ich bin heute hier.
Und ich bleibe.
Für den Rest unseres Lebens.
In mir ist es still im Außen, und sehr laut im Innen die vergangene Zeit.
Seit ein paar Wochen unterdrücke ich mich selbst – weil das das ist was passiert, wenn ich das Gefühl habe, um Liebe kämpfen zu müssen.
Weil das das ist was passiert, wenn ich sehr, sehr altem Schmerz in mir begegne. Mich zaghaft navigiere, nicht merke wie dünn das Eis unter mir ist auf dem ich stehe, weil ich es mir gar nicht eingestehe um Trigger zu vermeiden.
Ich bin durch so tiefe, wunderschöne und heilsame, schmerzhafte und befreiende Prozesse gewandert in den vergangenen Tagen. Ich bin meinen Schwestern so dankbar für diesen Weg, den ich das erste Mal in meinem Leben mit einem Gefühl von gehalten sein mit einer Basis anderer Menschen durchlaufe.
Und ich komme so viel näher bei mir und meiner Wahrhaftigkeit heraus.
Jeden Tag noch mehr.
Ich hatte aufgehört, aus meinem Innen zu berichten. Ich war in der Übervorsicht und der Überverantwortung gefangen, bloß nichts Falsches zu sagen, zu teilen, zu schreiben.
Dieses Gefängnis durchbreche ich heute, denn der Schlüssel steckt innen in meiner Zelle.
Ich bin wer ich bin, und eine meiner größten Medizinen für mich selbst ist es, mir hier in eurem Spiegel zu begegnen. Mich roh, authentisch, ganz zu schenken mit dem, was in mir lebendig ist. Es ist sowohl Selbst-Therapie als auch Grundlage meines Seins und Wirkens, und nein – ich lasse mir mein Sein nicht nehmen von allen Reinszenierungen, die Mutterwunden in mir erschaffen.
Das ist der Ausbruch.
Ich tue das, was für mich das Richtige ist – und ich kann nur hoffen, dass es genau die richtigen Dinge anstoßen wird. Ich bin verantwortlich für mich selbst. Für meine Gefühle. Für niemanden sonst.
Überall da, wo ich mich zurück halte aus „Rücksicht“ darauf, was mein Außen fühlen oder denken könnte haben wir bereits beide verloren. Und doch war das so lange das, was unsichere Verbindung in mir sofort erschaffen hat.
No more.
Ich lasse mich frei aus diesem selbst erschaffenen Gefängnis.
Und berichte dir von mir.
Weil es das ist, was ich am Besten kann: Ich sein. Und neuerdings darf ich das auch uneingeschränkt. In meiner Wut. In meiner Verzweiflung. Ich gestehe mir das zu, was ich allen Menschen in meinem Außen zugestehe: Ich darf wüten. Ich darf verzweifelt sein. Ich darf tieftraurig sein. Ich darf ausufern.
Denn all das sind Ausdrücke der grenzenlosen Liebe, die durch mich fließt und Orte in mir öffnet.
Jede und Jeder in meinem Leben wählt, ob er oder sie das für sich wünscht.
Und es ist okay, das nicht zu wünschen oder zu können.
Aber ich werde mich nicht mehr einsperren, auch nicht in Scheiben, denn Rücksicht und Vorsicht bringen uns immer an einen anderen Ort als die Gegenwart. Kontrolle bringt mich niemals in die Liebe.
Und ich betrete Orte ohne Liebe nicht mehr.
No more.
Also: I am back, baby.
Mit meinen inneren Prozessen, meinem ganzen Wesen, messy beautiful me. Und ich habe so viel zu erzählen!
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