Fülle zuerst deinen eigenen Kelch. Nicky Hamid

Ich nehme im Moment wahr, wie viele Menschen auf die eine oder andere Weise liebevoll dazu eingeladen werden oder manchmal sogar sanft dazu gedrängt werden, sich selbst an die erste Stelle zu setzen.

Das löst oft Ängste, Zweifel und viele Fragen aus. Ist das wirklich richtig? Darf ich das überhaupt? Wie entscheide ich mich jetzt?

Als Menschen haben wir im Laufe unseres Lebens häufig erfahren, dass wir als egoistisch bezeichnet, kritisiert oder sogar bestraft wurden, wenn wir auf unsere eigenen Bedürfnisse geachtet haben. So tief sitzt diese Prägung, dass selbst viele spirituelle Vorstellungen noch immer von subtiler Selbstaufgabe, Selbstverleugnung, Opferbereitschaft oder Märtyrertum durchzogen sind.

Selbst liebevolle Eltern fördern oft Leistung und Erfolg, während sie gleichzeitig vermitteln, dass man seine Freude oder den Stolz über das Erreichte lieber nicht zu offen zeigen sollte.

So tragen viele von uns noch Schuldgefühle in sich, wenn wir beginnen, uns selbst an die erste Stelle zu setzen. Gerade jetzt wird das besonders sichtbar, weil wir gleichzeitig erleben, wie die Schattenseiten eines übersteigerten Egoverhaltens immer deutlicher an die Oberfläche kommen.

Deshalb ist diese Zeit eine Einladung, den Unterschied zwischen gesunder Selbstfürsorge und selbstbezogenem Handeln zu erkennen.

Vielleicht hilft es gerade jetzt, sich immer wieder bewusst zurückzuziehen. Nicht aus Ablehnung der Welt, sondern um wieder zu spüren, wie es sich anfühlt, sich selbst mit Freude zu erfüllen. Freude am Sehen. Freude am Hören. Freude am Tun. Freude am einfachen Sein.

Ich sehe es so:

Es ist ganz natürlich, unsere Freude und unser Licht mit anderen teilen zu wollen. Dafür sind wir hier.

Doch wenn wir ständig geben, weil wir uns verpflichtet fühlen, das Leid anderer lindern zu müssen, oder weil alte Überzeugungen uns sagen, dass wir uns selbst zurückstellen müssen, dann erschöpfen wir uns irgendwann. Wir fallen in alte Muster zurück und müssen uns immer wieder mühsam aufrichten.

Deshalb sage ich:

Fülle zuerst deinen eigenen Kelch.

Fülle ihn so lange, bis er überfließt.

Erst wenn dein Herz wirklich erfüllt ist, kannst du mit anderen teilen, ohne dabei selbst etwas zu verlieren. Dann entsteht kein Gefühl von Mangel, kein stilles „Und was ist eigentlich mit mir?“ und keine innere Leere durch all das Schwere und Belastende, das uns im Moment überall begegnet.

Diese Zeit lädt uns ein, den eigenen Kelch Tag für Tag mit mehr Freude zu füllen.

Mit mehr Lächeln.

Mit mehr Lachen.

Mit stillen Momenten, in denen auch Tränen fließen dürfen. Nicht nur aus Schmerz, sondern aus tiefer Dankbarkeit für das Leben.

Tu mehr von dem, was dir guttut.

Mehr von dem, was dich lebendig fühlen lässt.

Mehr von dem, was dich ganz im gegenwärtigen Moment ankommen lässt.

Lass dies zu einem festen Bestandteil deines Lebens werden.

Wähle immer wieder zuerst dich selbst.

Nicht aus Egoismus.

Sondern aus Liebe.

Denn wenn dein eigener Kelch überfließt, bleibt kein Winkel der Schöpfung unberührt.

Fülle deinen Kelch, kostbare Seele.

Und lass dein Licht leuchten.

Ich liebe euch so sehr.

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Grafik: Die völlig spontane, offene und unschuldige Freude ist ansteckend.