Spürst du gerade den Impuls, aufzustehen und zu gehen? Vielleicht eine Geschichte mit Freunden oder Familienmitgliedern zu beenden, die sich schon viel zu lange wiederholt?
Wir alle sind immer wieder dabei, unser inneres Gleichgewicht neu auszurichten. Dazu gehört auch die Balance zwischen unserer männlichen und weiblichen Kraft. Beide dürfen in ihrer ganzen Stärke in uns leuchten und gemeinsam etwas Größeres bilden: die Einheit unseres wahren Seins, unsere ICH BIN Gegenwart.
Liebe hält alles zusammen. Doch es gibt Zeiten, in denen die männliche Kraft in uns nach vorne tritt. Sie schenkt uns Stärke, Standhaftigkeit, Klarheit und Entschlossenheit. Sie ist die Kraft, die uns wieder aufrichtet, wenn wir am Boden sind. Sie ist der Wille, der aus unserem tiefen inneren Wissen entsteht.
Uns selbst treu zu sein bedeutet auch, anderen gegenüber wahrhaftig zu sein. Und manchmal bleibt nur eine klare Antwort:
„Nein. Das mache ich nicht mehr mit.“
Du musst diese Worte nicht einmal laut aussprechen. Manchmal genügt diese klare Entscheidung tief in dir.
Immer nur freundlich, sanft und voller Licht erscheinen zu wollen, hat mit bedingungsloser Liebe wenig zu tun. Wahre Liebe verlangt nicht von dir, es allen recht zu machen oder um jeden Preis den Frieden zu bewahren. Ebenso wenig musst du andere von deiner Wahrheit oder deinem inneren Wissen überzeugen.
Manchmal kommt der Moment, in dem du trotz Unsicherheit zu dir selbst sagst:
„Ich muss das nicht länger ertragen.“
Dann gehst du. Du verabschiedest dich von einem Menschen oder von einer alten Dynamik. Du lässt das Drama zurück und öffnest dich für eine neue Art zu sein.
Liebe ist tolerant, aber Liebe bedeutet nicht, alles mit dir machen zu lassen.
Jeder von uns kommt irgendwann an einen Punkt, an dem das Leben uns auffordert, für uns selbst einzustehen. Unsere innere Stärke anzunehmen und mit dem Gedanken aufzuhören: „Ich kann das nicht tun, weil ich diesen Menschen damit verletzen könnte und das wäre nicht liebevoll.“
Das ist eine Illusion.
Es ist nicht lieblos, Grenzen zu setzen. Es ist nicht lieblos, Unruhe auszulösen, wenn deine Wahrheit nicht länger in eine alte Situation passt. Deine Liebe fordert dich immer wieder dazu auf, aufzustehen, du selbst zu sein und dein Leben bewusst in die eigenen Hände zu nehmen.
Steig auf die Welle deines Lebens und lerne, ihr mit Vertrauen zu folgen.
Und wenn du tatsächlich aufstehst oder das Leben eines Menschen verlässt, geschieht manchmal etwas Erstaunliches. Vielleicht empfindet der andere sogar Erleichterung. Vielleicht bemerkt er kaum, dass du gegangen bist. Vielleicht gibt es einen kurzen Moment voller Drama und danach wird die Veränderung angenommen.
Wie auch immer die Reaktion aussieht, für dein inneres Gleichgewicht ist es entscheidend, die Entscheidungen zu treffen, die dich in deine Freiheit führen.
Welch ein göttliches Geschenk ist es, unsere wahre Essenz im Herzen zu tragen und gleichzeitig die wunderbaren Qualitäten unserer männlichen und weiblichen Kräfte in uns zu vereinen.
Manchmal muss eine dieser Kräfte deutlicher nach vorne treten. Die andere verschwindet dadurch nicht. Sie brennt weiterhin in uns. Beide gehören zusammen und genau darin bleibt unsere Balance erhalten.
Leuchte weiter.
Ich liebe dich so sehr.
PS: Bevor du dich von einem Menschen oder einer Situation zurückziehst, schau auch ehrlich auf deinen eigenen Schatten. Erkenne, was euch ursprünglich miteinander verbunden und diese Dynamik in dein Leben gebracht hat.
Wenn du diesen Teil in dir nicht erkennst, begegnet dir möglicherweise dieselbe emotionale Erfahrung später erneut, nur mit einem anderen Menschen und in einer anderen Form.
Deine Entscheidung darf deshalb aus der Klarheit darüber entstehen, wer du bist und was für dich wahr ist und nicht aus der Bewertung dessen, was der andere ist oder nicht ist.
Denn wirkliche Freiheit entsteht nicht nur dadurch, dass du gehst.
Sie entsteht, wenn du verstanden hast, warum du nicht länger bleiben musst.
Ich liebe dich,
Nicky
Grafik: Manchmal hat Weggehen nichts mit Schwäche zu tun, sondern alles mit Stärke.
Wir gehen nicht, weil wir möchten, dass andere endlich unseren Wert erkennen.
Wir gehen, weil wir selbst endlich unseren eigenen Wert erkannt haben.
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