Liebe alles, was du bist. Nicky Hamid

Über das Ego

Eine Freundin schrieb mir:

„Ich habe mein Ego vollständig losgelassen. Es gehört für mich der Vergangenheit an und seitdem ist mein Leben wunderbar. Doch in meinen Träumen taucht das Ego immer noch auf. Ist das eine Botschaft? Oder muss ich in der Meditation noch viel intensiver daran arbeiten, das Ego vollständig aufzulösen?“

Meine liebe Freundin,

du kannst dein Ego nicht loswerden.

Es ist ein göttlicher Same, den deine Seele bewusst in dein Bewusstsein gelegt hat, damit du dich in dieser dichtesten aller Wirklichkeiten orientieren kannst. Du bist mit freiem Willen hierhergekommen, und das Ego gehört zu den Werkzeugen dieser menschlichen Erfahrung.

Seine Aufgabe ist es, dich darauf aufmerksam zu machen, wenn du dich von der Quelle getrennt fühlst.

Es ist ein wunderschöner Teil deines menschlichen Ausdrucks. Es schenkt dir das Gefühl von Individualität und zeigt dir, wenn du dich von dem Leben getrennt hast, das in dir und um dich herum gegenwärtig ist. Von dem, was du in Wahrheit immer bist.

Wie hättest du erkennen können, dass es mehr gibt als das, was du gerade erlebst, wenn du dich durch die Dunkelheit bewegst?

Das Ego hat dich immer wieder die Erfahrung von Trennung erleben lassen, damit du schließlich erwachst. Damit du beginnst zu suchen. Damit du die Verbindung zu allem, was ist, wiederfindest.

Siehst du, mein lieber Bruder, meine liebe Schwester?

Dein Ego war niemals dein Feind.

Es war dein Rettungsanker.

Es ist ein zutiefst geliebter Teil deines Weges.

Wenn es sich zeigt, dann danke ihm. Denn es weist dich unmittelbar darauf hin, dass du dich gerade von dem Ort entfernt hast, an dem du dich wirklich zuhause fühlst.

Auch dein Traum zeigt dir etwas Wunderschönes.

Dort hast du die Trennung dargestellt, die du gerade erforschst. Das Ego bittet dich lediglich darum, es als jenen Teil in dir anzuerkennen, der dich erkennen lässt, wann du nicht mehr im Einklang mit deinem wahren Wesen bist.

Solange du als Mensch und zugleich als Seele auf der Erde lebst, wird das Ego Teil deiner Erfahrung sein.

Mit der Zeit wirst du jedoch immer schneller bemerken, wenn du dich mit ihm identifizierst.

Irgendwann geschieht dieses Erkennen augenblicklich.

Und gerade weil du weißt, wie es sich anfühlt, im Ego zu sein, wächst in dir Mitgefühl für alle anderen Menschen, die sich ebenfalls mit ihrem Ego identifizieren und dadurch die Verbindung zu ihrem wahren Wesen verloren haben.

Hab also keine Angst mehr vor diesem geliebten göttlichen Samen in dir.

Er erinnert dich liebevoll daran, wer du wirklich bist.

Ich liebe dich von ganzem Herzen.


Nachtrag

Es gibt ein Ausströmen und ein Einströmen.

So entfaltet sich die Schöpfung.

Vom Mittelpunkt aus breitet sich das Leben in alle Richtungen aus, wie Kreise auf einer Wasseroberfläche.

Gleichzeitig kehrt alles aus allen Richtungen spiralförmig wieder zum Mittelpunkt zurück.

Wenn du dich im Ausströmen befindest, gibt es unendlich viele Blickwinkel, aus denen du das Leben erfahren kannst.

Jeder Blickwinkel ist ein Ort, den dein Bewusstsein für eine Zeit gewählt hat.

Und genau hier erfüllt das Ego eine wichtige Aufgabe.

Es erlaubt dir, an einem bestimmten Punkt innezuhalten und die Aussicht von dort aus wahrzunehmen.

Erst wenn du beginnst zu glauben, dieser eine Blickwinkel sei die ganze Wirklichkeit, bleibst du darin gefangen.

Du identifizierst dich mit dieser Sichtweise und hältst sie für dein wahres Selbst.

So wirkt das Ego.

Es ermöglicht dir, solange an einem bestimmten Ort des Bewusstseins zu verweilen, wie du es möchtest.

Wir werden zu dem, womit wir uns identifizieren und worauf wir unsere Aufmerksamkeit richten.

Immer wenn du meditierst, ganz bei dir ankommst oder dich bewusst für die Liebe entscheidest, ruhst du in deinem Herzen.

Dort findest du die unendliche Stille des Seins.

Dort strömt die Liebe unaufhörlich in dich hinein und durch dich in die Welt hinaus.

Als Mensch bleibt der Same des Ego weiterhin in dir.

Doch solange du dich nicht mit einem bestimmten Blickwinkel identifizierst, ruht er still.

Erst wenn du glaubst: „Das bin ich.“

Erst dann befindest du dich im Ego.

Und genau dieses Gefühl erinnert dich daran, dass du dich in einer Sichtweise festgefahren hast oder dich zu sehr mit einer Rolle, einer Geschichte oder einem Selbstbild identifizierst.

Dann genügt oft schon ein kleiner Schritt zurück.

Zurück in dein Herz.

Schon verändert sich dein Blick.

Du wirst weiter.

Du dehnst dich aus.

Das Ego tritt in den Hintergrund und kommt zur Ruhe.

Und du erkennst wieder, wie schön es ist, einfach du selbst zu sein.

In Liebe.

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