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Heute, am 9.9., öffnet sich ein besonderes Feld der Vollendung. Es ist weniger ein Portal, durch das wir irgendwohin gehen mĂŒssen, sondern vielmehr ein tiefes Einatmen. Vieles, was sich in den vergangenen Wochen und Monaten bereits gelöst, verĂ€ndert und geschlossen hat, darf heute noch einmal ganz tief in seinen Abschluss sinken. Nicht mehr festhalten, nicht mehr zurĂŒckgehen, nicht mehr versuchen, etwas in eine alte Form zurĂŒckzubringen, die lĂ€ngst nicht mehr trĂ€gt. Es ist ein Punkt des Sammelns, des Anerkennens und des tiefen Ankommens in dem, was bereits geschehen ist.
Viele Menschen haben in der vergangenen Zeit groĂe VerĂ€nderungen erlebt. Die einen haben ihre Arbeit gewechselt, andere ihr GeschĂ€ft geschlossen, wieder andere haben Beziehungen, Verbindungen, Projekte, Aufgaben oder ganze Lebensabschnitte beendet. Dinge wurden beiseitegelegt, die in ihrer bisherigen Form nicht mehr fĂŒr die neue Zeit bestimmt sind. Doch hinter diesen Ă€uĂeren VerĂ€nderungen liegt oftmals etwas viel Tieferes: Eine bisherige IdentitĂ€t beginnt sich aufzulösen. Du bist nicht deine Arbeit. Du bist nicht dein GeschĂ€ft. Du bist nicht deine Aufgabe, deine Rolle oder das Bild, das du bisher von dir getragen hast. Wenn etwas davon wegfĂ€llt, verschwindest nicht du. Vielmehr kann sichtbar werden, wer du jenseits all dieser bisherigen Formen eigentlich bist.
Und genau dadurch entsteht dieser besondere Zwischenraum. Das Alte bist du nicht mehr, das Neue ist jedoch noch nicht vollstĂ€ndig sichtbar. Dieser Raum kann sich leer anfĂŒhlen. Vielleicht ungewohnt still, vielleicht orientierungslos, vielleicht sogar so, als wĂŒrde ĂŒberhaupt nichts geschehen. Doch obwohl dieser Raum sich leer anfĂŒhlt, geschieht darin Neuordnung. Etwas sortiert sich neu, etwas findet einen anderen Platz, etwas beginnt sich erst zu formen. Gerade deshalb muss diese scheinbare Leere nicht sofort wieder mit einer neuen Aufgabe, einer neuen Rolle oder einem fertigen Plan gefĂŒllt werden.
Doch nicht bei allen Menschen haben sich die VerĂ€nderungen der vergangenen Monate bereits vollstĂ€ndig vollzogen. Manche spĂŒren schon lange, dass etwas anders werden möchte. Sie wollen sich verĂ€ndern, möchten etwas loslassen oder einen neuen Weg gehen, doch bisher hat es noch nicht ganz funktioniert. Vielleicht wurden erste Schritte gemacht und anschlieĂend wieder zurĂŒckgenommen. Vielleicht fehlt noch der Mut fĂŒr eine bestimmte Entscheidung. Vielleicht ist innerlich lĂ€ngst klar, was gehen möchte, wĂ€hrend das Ă€uĂere Leben noch nicht nachgekommen ist. Auch hier geschieht bereits VerĂ€nderung. Nicht jede Wandlung beginnt mit einer sichtbaren Entscheidung. Manches verĂ€ndert sich lange im Inneren, bevor es irgendwann auch im AuĂen Form annimmt.
Und dann gibt es diejenigen, die VerĂ€nderung momentan noch nicht zulassen wollen. Menschen, die versuchen, an bisherigen Strukturen, Rollen, Ăberzeugungen oder Lebensformen festzuhalten, obwohl sie tief in sich vielleicht lĂ€ngst spĂŒren, dass etwas nicht mehr stimmt. Genau dort kann der innere Druck zunehmend stĂ€rker wahrgenommen werden. Nicht als Strafe und nicht, weil mit diesen Menschen etwas falsch wĂ€re, sondern weil zwei Bewegungen gleichzeitig wirken: Etwas möchte sich verĂ€ndern, wĂ€hrend ein anderer Teil mit aller Kraft versucht, genau diese VerĂ€nderung zu verhindern.
Dieser innere Druck kann sich sehr unterschiedlich zeigen. Als starke Wut, tiefe Traurigkeit, innere Unruhe, Ăberforderung oder das GefĂŒhl, ĂŒberhaupt nicht mehr zu wissen, wie es weitergehen soll. Manche können sich vollkommen orientierungslos fĂŒhlen, weil die bisherigen inneren Wegweiser nicht mehr funktionieren, wĂ€hrend die neuen noch nicht sichtbar geworden sind. Es kann dieses tiefe Empfinden entstehen: Ich weiĂ nicht mehr weiter. Ich weiĂ nicht mehr, wohin. Ich weiĂ nicht einmal mehr, woran ich mich halten soll. Und je stĂ€rker versucht wird, die bisherige Form unbedingt aufrechtzuerhalten, desto deutlicher kann dieser innere Widerspruch wahrgenommen werden.
Vielleicht liegt genau darin eine der tiefsten Botschaften dieser Zeit: Der Druck möchte nicht bekĂ€mpft werden, sondern verstanden werden. Vielleicht zeigt er an manchen Stellen lediglich, wie viel Kraft gerade dafĂŒr aufgebracht wird, etwas zusammenzuhalten, das innerlich lĂ€ngst nach VerĂ€nderung ruft. Manchmal entsteht die gröĂte Erschöpfung nicht durch die VerĂ€nderung selbst, sondern durch den Versuch, sie dauerhaft aufzuhalten.
Dabei bedeutet VerĂ€nderung keineswegs, dass jeder Mensch jetzt seine Arbeit kĂŒndigen, sein GeschĂ€ft schlieĂen, seine Beziehung verlassen oder sein gesamtes Leben umwerfen muss. VerĂ€nderung ist nicht immer Ă€uĂerlich. Manchmal bleibt das AuĂen nahezu gleich und dennoch verĂ€ndert sich im Inneren alles. Entscheidend ist nicht, möglichst viel loszulassen, sondern ehrlich wahrzunehmen, was noch lebendig und stimmig ist und was lediglich aus Angst, Gewohnheit oder alter Identifikation weitergetragen wird.
Der 9.9. ist das Einatmen. Der 10.9. trĂ€gt die Stille. Der 11.9. bringt das Ausatmen. Drei Tage wie eine einzige Atembewegung: einatmen, innehalten, ausatmen. Vollenden, still werden und anschlieĂend aus einem verĂ€nderten inneren Raum wieder in Bewegung kommen. Das bedeutet nicht, dass am 11.9. plötzlich sĂ€mtliche Antworten vorhanden sein mĂŒssen. Vielleicht beginnt dort lediglich ein erster neuer Atemzug, wĂ€hrend vieles andere noch Zeit braucht, um sichtbar zu werden.
Gerade deshalb sind das Hier und Jetzt und das Vertrauen momentan so wesentlich. Auch in meinen vergangenen Texten und in meinem letzten YouTube-Video habe ich darĂŒber gesprochen, wie wichtig es gerade ist, wirklich im gegenwĂ€rtigen Augenblick zu bleiben. Die Zukunft wird neu geordnet und sortiert, vieles hat noch keine endgĂŒltige Form angenommen. Wir mĂŒssen deshalb nicht heute bereits wissen, wie alles morgen aussehen wird. Vielleicht können wir manches noch gar nicht erkennen, weil es erst aus dem neuen Bewusstsein heraus entstehen möchte.
Wenn eine alte Version von dir endet, musst du nicht sofort wissen, wer die neue Version von dir sein wird. Wenn du VerĂ€nderung möchtest, sie aber noch nicht vollstĂ€ndig umsetzen konntest, bedeutet das nicht, dass du stehen geblieben bist. Und wenn du bemerkst, dass du mit aller Kraft am Alten festhĂ€ltst, wĂ€hrend der innere Druck immer gröĂer wird, darf vielleicht eine ganz einfache Frage entstehen:
Was versuche ich gerade noch festzuhalten, obwohl etwas in mir lĂ€ngst weiĂ, dass es sich verĂ€ndern möchte?
Ein Abschluss bedeutet dabei nicht, dass etwas vorher falsch gewesen ist. Manche Wege waren genau richtig fĂŒr die Zeit, in der wir sie gegangen sind. Manche Aufgaben, Menschen, Orte und Erfahrungen haben uns getragen, begleitet und etwas in uns geöffnet. Doch etwas kann vollkommen stimmig gewesen sein und trotzdem irgendwann vollendet sein. Nicht alles, was einmal zu dir gehört hat, muss mit dir in deinen nĂ€chsten Abschnitt gehen.
Vielleicht besteht die Einladung dieses 9:9-Portals deshalb gar nicht darin, noch mehr zu tun. Vielleicht geht es darum, wahrzunehmen. Was ist bereits abgeschlossen? Was befindet sich mitten in seiner VerÀnderung? Und wo halte ich noch so stark dagegen, dass allein dieses Festhalten beginnt, unglaublich viel Kraft zu kosten?
Heute darfst du einatmen.
Einatmen, was du geworden bist.
Einatmen, was du erkannt hast.
Einatmen, was bereits gegangen ist.
Und auch das einatmen, was vielleicht noch nicht vollstÀndig gehen konnte.
Morgen darf Stille sein.
Und wenn der neue Atem kommt, darfst du ausatmen, ohne bereits den gesamten weiteren Weg kennen zu mĂŒssen.
9.9. â Einatmen
10.9. â Stille
11.9. â Ausatmen![]()
Vertraue der Neuordnung. Vertraue dem Zwischenraum. Vertraue auch dann, wenn du noch nicht sehen kannst, was sich gerade neu formt.
Denn nur weil sich ein Raum leer anfĂŒhlt, bedeutet es nicht, dass darin nichts geschieht.
Vielleicht ist genau diese scheinbare Leere der Raum, in dem das Leben beginnt, sich neu zu sortieren. ![]()
Sandra Lumina
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