Gerade ist mir danach, noch einmal ein paar Takte zu Egoismus zu sagen. Anja Reiche

Egoismus wird ja im letzten Jahr so ziemlich jedem vorgeworfen, der es auch nur wagt ein Fragezeichen an das allgemeine Vorgehen zu setzen.

Schauen wir uns mal genau an, wer da schreit, dass jemand egoistisch wĂ€re und was sie unter Egoismus verstehen. FĂŒr meine Begriffe ist da mal wieder – oh Wunder – die satanische Umkehr am Werk. Das, was wirklich zutrĂ€glich ist, wird uns als unmoralisch und höchst verwerflich verkauft.

FĂŒr sich selbst sorgen, schadet den anderen. Schon klar… Besser ist es natĂŒrlich, ĂŒberhaupt nicht fĂŒr sich zu sorgen, sich aufzuopfern, aussaugen zu lassen und dann danach zu schreien, dass die anderen doch bitte fĂŒr einen sorgen sollen. So funktioniert SolidaritĂ€t. So ist man sozial. Finde den Fehler…

Die, die natĂŒrlich wollen, dass wir nicht fĂŒr uns sorgen, brauchen uns ja als Lieferant. Wir sollen ja schließlich ganz solidarisch uns selbst aufgeben und ihnen dienen. Sie nutzen andere zur ErfĂŒllung ihrer Zwecke und diese anderen dĂŒrfen dann natĂŒrlich nicht an sich selbst denken, sonst endet ja direkt das bedient werden.

FĂŒr meine Begriffe ist wahrer Egoismus, andere fĂŒr seine eigenen Zwecke zu instrumentalisieren. Koste es, was es wolle und dafĂŒr gehen solche Menschen auch ĂŒber Leichen. Die, die liefern sollen, dĂŒrfen ruhig selbst auf der Strecke bleiben. Scheiß egal. Hauptsache derjenige wird „befriedigt“.

Ich unterstelle noch nicht mal allen Absicht und KalkĂŒl. Die meisten sind so in der Reifung zurĂŒckgeblieben, dass wir hier von kleinen Kindern in erwachsenen Körpern sprechen, die wirklich nicht anders können. Sie haben nicht gelernt, selber zu denken, fĂŒr sich selbst zu sorgen, die Quelle fĂŒr ihre BedĂŒrfnisbefriedigung in sich selbst zu finden. Sie haben nicht gelernt, ihren heftigsten GefĂŒhlen konstruktiv und erwachsen zu begegnen, sie zu integrieren und mit ihnen umzugehen. Sie sind maßlos ĂŒberfordert und brauchen einen Versorger.

Umso wichtiger, das Spiel zu durchblicken und diese Menschen in ihre Eigenverantwortung zu entlassen. Ja, das löst bei ihnen Panik bis Todesangst aus. Ja, sie werden kratzen und beißen und dich bezichtigen, sie im Stich zu lassen, aber es hilft alles nichts. Eigenverantwortung ist das Zauberwort. Jedes weitere Bedienen ohne ein Hinarbeiten auf SelbstfĂŒrsorge und Eigenmacht, wĂŒrde weiter in die AbhĂ€ngigkeit und Ohnmacht desjenigen fĂŒhren.

Ich habe es an anderer Stelle schon einmal geschrieben. Es ist meine heilige Pflicht, solche Menschen nicht mehr zu bedienen, auch wenn ich den Schmerz und die Hilflosigkeit noch so deutlich spĂŒre. Es bringt uns alle nicht weiter und verhindert das Wachstum des anderen.

Lassen wir uns also nicht mehr beeindrucken von diesem Vorwurf, egoistisch zu sein, sondern schauen wir genau hin, was hier wirkt, wer da schreit und aus welchen BeweggrĂŒnden, mit welcher Intention wir wirklich handeln. Dann sehen wir schnell, wie die Dinge sich tatsĂ€chlich verhalten.

Weise aus dem Herzen zu handeln fĂŒhrt nicht immer dazu, dass alle Applaus klatschen. Wir dĂŒrfen andere auf sich selbst zurĂŒckwerfen. Wir dĂŒrfen Prozesse in anderen auslösen und wir dĂŒrfen ganz klar Schuldzuweisungen dankend ablehnen. Das Schuldmodell als Erpressungsmethode hat ausgedient. Es geht um Wahrhaftigkeit und Transparenz, Offenlegung der wahren BeweggrĂŒnde, aufdecken, was da wirklich wirkt, destruktive Muster durchschauen und Enttarnen was das Zeug hĂ€lt. Karten auf den Tisch.

Warum will ich etwas von jemandem?

Warum tue ich etwas fĂŒr jemanden?

Was liegt wirklich zugrunde?

Ist es ein „um zu“?

Erzwungene SolidaritÀt ist halt noch lange keine echte.

Substanz hat, was aus dem Herzen kommt und aus innerem, eigenen Antrieb getan wird.

Alles andere schmeckt bitter.

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