Eva-Maria Eleni: „Nackt werden“

Nackt werden

Was ist noch ĂŒbrig,
wenn ich nur noch bin, wie ich bin?
Was ist noch ĂŒbrig,
wenn ich nicht mehr danach suche
jemandes Erwartungen zu erfĂŒllen?
Was ist noch ĂŒbrig,
wenn es mir egal ist, ob ich jemandem gefalle oder nicht,
wenn es mir egal ist, was ein andŽrer von mir hÀlt,
was einer falsch findet oder was er lieber sehen wĂŒrde?

Dann bin nur noch ICH ĂŒbrig –
nackt und pur!
Nichts ist mehr da, was dieses ICH verschleiert.
Jetzt ist der große Schmerz da –
er ist nicht nur der meine –
es ist der Schmerz aller Menschen,
die sich irgendwann daran gewöhnt haben,
gefallen zu wollen,
gefallen zu sollen, zu mĂŒssen.
Jetzt aber gehöre ich nur noch mir.
Den Schmerz behalt ich bei mir
so lang er bleiben muss.
In ihm liegt meine Heilung.
Ich renn nicht mehr fort vor ihm,
nicht mehr fort vor mir,
nur weil alle anderen so daran gewöhnt sind,
stĂ€ndig etwas irgendwie finden und bewerten zu mĂŒssen
– auch sich selbst –
stÀndig herumziehen und zerren,
stÀndig etwas finden, das anscheinend nicht passt,
etwas finden, das sie verĂ€ndern mĂŒssen, wollen, sollen.

Was ist dann noch ĂŒbrig,
habe ich all das abgelegt.
Jetzt bin ich nur noch ich, so wie ich bin, jetzt!
Ich atme, ich fĂŒhle,
ich werde lebendiger.
Die Illusion verliert sich,
ĂŒber alles was ich nicht bin, nie war,
wie Schall und Rauch seh ich sie emporsteigen.
Erschreckt dich das?

Noch fĂŒhle ich den Schmerz,
weil ich so lange weg war von hier, weg war von mir,
SpĂŒre die Löcher,
welche mir einst gerissen,
von anderen und von mir selbst – weil ich ihnen geglaubt habe.
Doch tut es gut ihn zu fĂŒhlen,
denn jetzt bin ich bei mir,
ganz bei mir!

Mag der Rest wer Welt sich noch drĂŒber aufregen,
dass ich mir erlaube zu sein wer ich bin
– alles Schall und Rauch –
dass ich mir erlaube, dass es mir egal ist,
was sie alle wollen und meinen zu wissen,
wie ich gehör
– alles Schall und Rauch -.

Ich war das nie und heute weiß ich,
ich geh nicht mehr zurĂŒck,
versuch nicht mehr, Anerkennung zu gewinnen,
oder bewundert zu werden,
denn mein Schmerz erschreckt mich heutÂŽ nicht mehr.
Ich brauch kein Pflaster mehr und keine Flucht.

Da – der Nebel beginnt sich zu lichten,
jetzt, da ich nÀher bei mir bin,
als jemals zuvor.

http://eva-maria-eleni.blogspot.com

vom 5. Februar 2016

Text (c) Eva-Maria Eleni

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