Mit Arthos durch das Jahr, Tagesbotschaft 02. Oktober

Heute ist ein guter Tag, um die Täuschung zu überwinden. Damit das geschehen kann, musst du als Erstes erkennen, dass du getäuscht wirst. Dann musst du verstehen, welcher Art die Täuschung ist. Als Drittes musst du dich ent-täuschen. Als Viertes folgt die Kapitulation dessen, was Teil der Täuschung ist und diese aufrecht erhält. Das Fünfte ist dann die Hingabe an die Wahrheit. Der Weg, die Täuschung zu überwinden, führt von Erkenntnis über Verständnis, Enttäuschung und Kapitulation zu Hingabe.

Wenn du dich in der Täuschung befindest, ist es schwer, den Weg hinaus zu finden, denn die Täuschung ist so stark, dass du ihr unterliegst – bis du erkennst, dass die eigene Schwäche die wahre und eigentliche Stärke ist. Solange du im Hochmut bist und glaubst, du könntest kontrollieren, schöpfen und herrschen, solange unterliegst du der Täuschung. Sie ist stärker als du, doch du willst das nicht wahrhaben.

Du entkommst weder der schmerzhaften Geburt, noch dem leidvollen Alter, weder schmerzhafter Krankheit noch dem leidvollen Tod. Die Täuschung hat dich fest im Griff, und während du so getäuscht wirst, hältst du dich für frei und unabhängig, obwohl du dich gleichzeitig nach Freiheit und Unabhängigkeit sehnst.

Der Name der Täuschung ist māyā, und sie ist die Energie, die so stark ist, dass du sie durchschauen musst, wenn du ihr entkommen willst. Dabei ist es wichtig zu verstehen, dass sie nicht dein Feind ist. Du kannst sie nicht bekämpfen, und wenn du das tust, musst du verlieren, denn dann kämpfst du als Geschöpf gegen die Schöpfung und die Quelle der Schöpfung, die Höchste Persönlichkeit Gottes, dessen unermessliche Kräfte etwas sind, das du einfach nicht besiegen kannst.

Da ist als erstes kāla, die Zeit. Die Zeit ist die Kraft, die Bewegung und Entwicklung innerhalb der māyā, der täuschenden materiellen Energie, ermöglicht. Die Zeit sorgt dafür, dass die Göttlichen Prinzipien und Gesetze wirken können. Die Zeit bildet den linearen Rahmen für Abläufe im Bewusstsein und in der materiellen Entwicklung. Ohne Zeit gäbe es keinen Anfang, kein dazwischen und kein Ende, was aber wesentliche Eigenschaften der materiellen Natur sind.

Diese werden als guṇas bezeichnet, was eigentlich Schnur, Strick, Sehne oder auch Saite bedeutet. Da in der materiellen Energie drei Eigenschaften tätig sind und aufgrund ihrer Wechselwirkung Entwicklung erst möglich machen, wird dieses Prinzip auch als tri-guṇa bezeichnet. Diese drei Eigenschaften, oder die drei Saiten, durch die das materielle Universum zum schwingen gebracht wird, so dass es gewissermassen als Ton erklingt, sind sattva (Tugend, Erhalt, Güte, Reinheit, Licht), rajas (Leidenschaft, Aktivität, Bewegung, Energie) und tamas (Zerstörung, Dunkelheit, Unwissenheit, Chaos).

Das dritte wesentliche Prinzip, das innerhalb der Täuschung zum Tragen kommt, ist karma, das Kausalprinzip, das Gesetz von Ursache und Wirkung. Jede Aktion erzeugt eine Reaktion, jede Ursache eine Wirkung, jede Handlung ein Ergebnis. Dieses Prinzip lässt sich nicht umgehen. Jede Wirkung, jede Reaktion und jedes Ergebnis der selbst erzeugten Ursachen, Aktionen und Handlungen muss erfahren werden – in diesem oder einem späteren Leben.

Dabei kann es positives gutes wie auch negatives schlechtes karma geben. Die einzige Möglichkeit, kein karma zu erzeugen, besteht darin, akarmisch zu handeln. Das ist eine transzendentale Handlung, die nicht auf materielle Ziele und Ergebnisse gerichtet ist, und bei der dadurch die Gnade Gottes zum Tragen kommt, denn diese Handlung ist auf Gott ausgerichtet. Nur die Höchste Persönlichkeit Gottes kann dich von deinem karma befreien.

Die Elemente und Prinzipien der Täuschung sind so stark und mächtig, dass du – während du dich in Illusion befindest – glaubst, die Illusion sei Wirklichkeit. Illusion bedeutet hierbei nicht, dass dein Leben nur ein Traum oder die dich umgebende materielle Welt nicht real wäre, sondern dass du dich mit etwas identifizierst, was nicht wahr ist. Nicht wahr heisst ebenfalls nicht, dass es nicht real ist. Jede Lüge ist real, denn sie wurde erzeugt. Aber an die Lüge zu glauben und sie für wahr zu halten: das ist Illusion.

Die Täuschung beginnt also nicht damit, dass du etwas erfährst, was nicht da ist, sondern dass du dich mit dem, was da, aber nicht wahr ist, identifizierst. Nun kennst du natürlich vieles, das du als Wahrheit bezeichnest, und was gewissermassen auch wahr ist, da es da ist. Aber der wesentliche Unterschied, und der Grund, weshalb ich das eine Realität und das andere Wahrheit nenne, liegt in der Gültigkeit.

Das, was da ist, wurde erschaffen, wird erhalten und früher oder später vernichtet, bzw. es vergeht. Alles, was da ist, kommt und geht, ist also nur vorübergehend gültig, und das, was nur vorübergehend gültig ist, ist nicht wahr, sondern einfach nur vorübergehend gültig. Verstehst du den Unterschied? Wahrheit ist ewig. Sie kann nicht zerstört werden, und sie wird auch nicht erschaffen. Sie war bereits da, bevor irgendetwas erstmalig erschaffen wurde, und sie bleibt bestehen, wenn das letzte zerstört ist.

Wahrheit ist immer wahr, zu jeder Zeit, für Jedermann und unter allen Umständen. Wahrheit ist zeitlos, denn sie existiert jenseits der Zeit, und sie existiert somit auch jenseits des Raums. Diese Art von Wahrheit ist die Höchste Wahrheit und kann weder widerlegt noch vernichtet werden. Aber sie kann verleugnet werden, und sobald du beginnst, diese Wahrheit zu verleugnen, fällst du aus ihr in die Illusion.

Dann übernimmt etwas, das nicht wahr ist, das aber existiert, dein Bewusstsein. Dieses Etwas erzeugt die Illusion eines Ich, die Illusion des falschen Selbst: ahaṃkāra. Darum wird dieses Element, das Teil der niederen Wirklichkeit der materiellen Realität ist, als falsches Ego bezeichnet.

Das falsche Ego ist das Höchste der drei wesentlichen feinstofflichen Elemente Geist, Intelligenz und falsches Ego. Sobald du aus der Höheren in die niedere Wirklichkeit, die Realität fällst, erzeugt es deine Identifikation mit einem getrennten unabhängigen materiellen Ich, für das du dich fortan hältst, das aber der Täuschung nicht nur unterliegt, sondern in ihr wie in einem Gefängnis gefangen ist.

Dieses Gefängnis stellt den Spielplatz für dein falsches Selbst dar, in dem es, das, mit dem du dich identifizierst, die Rolle eines freien und unabhängigen Wesens spielen kann. Das Spiel findet unter der Oberaufaufsicht der māyā und ihrer Wärter kāla, tri-guṇa und karma statt. Du hältst dich für einen freien Menschen, während du der Täuschung unterliegst und von ihr bedingt wirst, was bedeutet, dass du dich für ein Ding hältst.

Das Spiel, das du dabei spielst, heisst: Ich bin Gott oder Ich bin Schöpfer. Dass das ein falsches Spiel ist, das nur das falsche Selbst spielt, merkst du aber nicht, denn das falsche Selbst, das falsche Ego, ist nicht nur von Gott, sondern auch von der Wirklichkeit getrennt, und du identifizierst dich aber mit ihm und somit mit dem, was nicht wahr ist.

Das wahre Selbst hingegen, die nichtmaterielle Seele, ātman, der ewige Bewusstseinsfunke, der ein winziges individuelles Teilchen Gottes ist, spielt dieses Spiel nicht, sondern ist darin gefangen. Das wahre Selbst wird von dem, was nicht wahr ist, bedeckt, und solange es davon bedeckt wird, ist es nicht in seiner ursprünglichen Position des dienenden Teilchens. Solange kann die Seele nicht lieben.

Liebe ist selbstlos. Auch die Seele ist selbstlos. Sie ist ewig individuell, aber sie ist nicht das Höchste Selbst. Das Höchste Selbst ist Gott, und die Seele ist Sein ewiger Diener. Das, was innerhalb der Täuschung, innerhalb der Illusion, als Liebe bezeichnet wird, ist in den meisten Fällen nicht selbstlos, sondern selbstsüchtig. Das, was Liebe genannt wird, dient dem falschen Selbst, anstatt dem wahren Herrn und ist daher keine Hingabe, sondern ein Nehmen dessen, was das falsche Selbst befriedigen soll.

Liebe geht nur in eine Richtung, nämlich vom Liebenden zum Geliebten. Sobald geliebt wird, um etwas für das falsche Selbst zu erreichen, ist es keine Liebe, sondern Selbstbefriedigung, und Selbstbefriedigung hat nicht das Geringste mit Liebe zu tun. Liebe ist Dienst. Alles andere ist Raub, Tauschhandel, Geschäft oder Betrug.

Liebe ist die Krönung der Tugend, also eine reine, und das heisst mit rajas und tamas unvermischte sattvische Tätigkeit. Die Krönung aller sattvischen Tätigkeiten ist die liebevolle Hingabe an die Höchste Absolute Wahrheit, an Gott: bhakti.

Diese Hingabe setzt die Kapitulation des falschen Egos voraus. Solange dieses noch die Führung innehat, du dich mit ihm anstatt der Seele identifizierst und diese dadurch von Leidenschaft und Unwissenheit bedeckt, durch Begierden und dämonische Eigenschaften wie Zorn, Neid, Stolz etc. verunreinigt und durch Illusion bedingt ist, solange bist du Teil der realen Täuschung und nicht Teil der Höheren Wirklichkeit, die ewige Wahrheit ist.

In anderen Worten: Solange du in der äusseren materiellen Energie Gottes gefangen bist, solange bist du nicht mit Ihm in Seiner inneren Energie, Seinem Königreich, vereint. Die Vereinigung ist keine Verschmelzung mit Gott, sondern deine individuelle Liebe, dein hingebungsvoller Dienst an den, der die Höchste Wahrheit ist, und der dich über alles liebt.

ICH BIN die Überwindung der Täuschung.

Diese Botschaft ist an Selina und mich gerichtet. Wir nehmen sie für uns an, richten uns danach und geben sie hiermit auch an all diejenigen weiter, die ebenfalls bereit sind, an sich zu arbeiten, um sich spirituell zu entwickeln. Spirituelle Entwicklung, das Ziel des Lebens, gipfelt in der Hingabe an Gott. Diese Hingabe setzt die Überwindung des falschen Egos voraus. Damit einher geht die Erkenntnis, nicht der Körper, sondern die Seele zu sein, die ein winziges Teilchen Gottes ist. Philosophische Grundlage dieser Botschaften ist das vedische Wissen von der absoluten Wahrheit Gottes wie es u.a. in der Bhagavad-gītā und im Śrīmad-Bhāgavatam verkündet wird.

Bild von yabadene belkacem auf Pixabay

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