Timeless Shift
Es ist 1:14 Uhr nachts, und du liegst noch immer wach. Fast wie von selbst greifst du nach deinem Handy und scrollst durch die Nachrichten. Bilder vom Krieg in der Ukraine, ein feststeckender Hilfskonvoi an der libanesischen Grenze, Urlaubsfotos fremder Menschen und dann die Erinnerung daran, dass in neun Tagen die Miete fällig wird.
Du hast dich nicht einmal bewusst dafür entschieden, das Handy in die Hand zu nehmen. Und während du all diese Eindrücke aufnimmst, beginnt eine Stimme in deinem Kopf, alles zu kommentieren. Die Sorgen um das Geld, die Kriege, die ungelesene Nachricht deines Vorgesetzten, die Erschöpfung, die du längst spürst.
Diese Stimme erzählt dir unaufhörlich, was gerade geschieht, was du versäumt hast, was schiefgehen könnte und worüber du dir Sorgen machen solltest.
Und weil sie so vertraut klingt, hältst du sie für dich selbst.
Doch diese Stimme bist nicht du.
Diese Erkenntnis gehört zu den ältesten und tiefgründigsten Einsichten der menschlichen Geistesgeschichte.
Lange bevor es Smartphones, soziale Medien und die ständige Flut von Nachrichten gab, beschäftigten sich spirituelle Lehrer verschiedener Kulturen mit genau diesem Phänomen.
Sie erkannten, dass die unaufhörlich denkende, sorgende und urteilende Stimme in unserem Kopf nicht unser tiefstes Wesen ist.
Sie ist eine Funktion unseres Geistes. Sie taucht auf, reagiert auf äußere Eindrücke und verschwindet wieder, ähnlich wie Wolken am Himmel.
Du bist nicht deine Gedanken
Schon Buddha lehrte, dass weder unsere Gefühle noch unsere Wahrnehmungen, Gedanken oder Bewusstseinszustände unser wahres, unveränderliches Selbst darstellen.
Im Anatta Lakkhana Sutta, der Lehrrede über das Nichtselbst, wird beschrieben, dass all diese Erscheinungen vergänglich sind und deshalb nicht als unser eigentliches Wesen betrachtet werden sollten.
Unsere Ängste sind nicht unser Selbst.
Unsere Sorgen sind nicht unser Selbst.
Auch die innere Stimme, die uns immer wieder an vergangene Fehler erinnert oder uns vor einer ungewissen Zukunft warnt, ist nicht unser Selbst.
Wir erleben diese Gedanken, doch wir müssen uns nicht mit ihnen identifizieren.
Der Autor sieht darin eine befreiende Erkenntnis: Wenn wir beobachten können, wie Gedanken entstehen und wieder vergehen, dann müssen wir ihnen nicht länger die Macht geben, darüber zu bestimmen, wer wir sind.
Eine Welt, die unsere Ängste ständig nährt
Der Text führt uns anschließend zu den alten gnostischen Lehren.
Die Gnostiker betrachteten die materielle Welt als eine Art Gefängnis, in dem die menschliche Seele ihre wahre Herkunft vergessen hat.
Sie beschrieben niedere Mächte, die sogenannten Archonten, als Herrscher über die materielle Wirklichkeit.
Der Autor verbindet diese alten Vorstellungen mit späteren spirituellen Deutungen, in denen von reptilienartigen Wesen, Anunnaki und grauen außerirdischen Intelligenzen die Rede ist.
Nach dieser Vorstellung würden solche Kräfte von den schweren Energien menschlicher Angst, Verzweiflung, Wut und Begierde profitieren. Diese Energie wird in manchen spirituellen Kreisen als „Loosh“ bezeichnet.
Chellea deutet deshalb die ständige Erzeugung von Angst und innerer Unruhe als einen Mechanismus, durch den menschliche Lebensenergie abgeschöpft wird.
Diese Vorstellung ist eine spirituelle Deutung und keine wissenschaftlich nachgewiesene Tatsache.
Doch unabhängig davon, wie man diese Bilder versteht, beschreibt sie/Chellea etwas sehr Vertrautes.
Wir leben in einer Welt, in der unsere Aufmerksamkeit beinahe ununterbrochen beansprucht wird.
Nachrichten, finanzielle Sorgen, Verpflichtungen, Konflikte und die Erwartungen anderer Menschen halten unseren Geist in ständiger Bewegung.
Oft sind wir am Ende eines Tages vollkommen erschöpft, obwohl wir das Gefühl haben, kaum etwas wirklich geschafft zu haben.
Wenn die Seele im Lärm der Welt untergeht
Auch die hermetischen Lehren beschäftigen sich mit diesem Zustand.
Im Corpus Hermeticum wird beschrieben, wie die Seele durch ihre Verkörperung tief in die Erfahrungen von Freude und Schmerz eintaucht.
Sie wird von den Empfindungen des Körpers und den Bewegungen der äußeren Welt so sehr erfasst, dass sie ihre eigene tiefere Natur aus dem Blick verlieren kann.
Chellea vergleicht diesen Zustand mit unserem heutigen Alltag.
Wir werden von Nachrichten, Sorgen und äußeren Reizen geradezu überflutet.
Unser Geist scheint manchmal nur noch ein Empfänger für alles zu sein, was von außen auf uns einströmt.
Und irgendwann fällt es uns schwer, zwischen unserer eigenen inneren Stimme und dem unaufhörlichen Lärm der Welt zu unterscheiden.
Doch genau hier beginnt die Möglichkeit einer Veränderung.
Wer ist es, der all diese Gedanken beobachtet?
Wenn wir unsere Gedanken wahrnehmen können, stellt sich eine entscheidende Frage:
Wer oder was ist es eigentlich, das diese Gedanken beobachtet?
Wer bemerkt die Angst, wenn sie aufsteigt?
Wer erkennt, dass ein Gedanke gekommen ist und wieder verschwindet?
Wer nimmt die Traurigkeit wahr, ohne selbst vollständig in ihr aufzugehen?
Die hermetischen Schriften sprechen in diesem Zusammenhang vom Nous, dem tieferen, göttlichen Geist.
Er wird als eine stille, beständige Intelligenz beschrieben, die hinter den wechselnden Gedanken und Gefühlen gegenwärtig ist.
Im Corpus Hermeticum begegnet Hermes in einer Vision dem göttlichen Geist Poimandres, der ihm offenbart, dass er überall bei ihm ist.
Chellea erinnert uns damit an etwas Wesentliches:
Diese tiefere Gegenwart muss nicht erst erschaffen werden.
Sie/der IST-Moment ist bereits da.
Unter all den Gedanken, Sorgen und inneren Gesprächen gibt es eine stille Ebene des Gewahrseins, die wahrnimmt, ohne sich in jeder Erfahrung verlieren zu müssen.
Der stille Beobachter ist nicht Gefühllosigkeit
Dabei macht der Text eine wichtige Unterscheidung.
Innere Stille bedeutet nicht, dass wir nichts mehr fühlen.
Sie ist auch nicht mit jener emotionalen Taubheit zu verwechseln, die entstehen kann, wenn uns das Leben zu sehr erschöpft hat.
Wenn wir uns innerlich leer fühlen und uns nach der Zeit sehnen, in der wir noch offen und voller Mitgefühl waren, dann ist diese Leere nicht das tiefere Bewusstsein, von dem hier gesprochen wird.
Der wahre innere Beobachter ist keine Abwesenheit von Gefühlen.
Er ist eine so beständige Gegenwart, dass Gefühle durch uns hindurchfließen dürfen, ohne uns vollständig mitzureißen.
Wir dürfen traurig sein, ohne nur noch Traurigkeit zu sein.
Wir dürfen Angst empfinden, ohne uns selbst als Angst zu verstehen.
Wir dürfen Schmerz erleben, ohne zu vergessen, dass unser Wesen größer ist als dieser Schmerz.
Wenn die äußeren Sinne still werden
In den hermetischen Schriften wird beschrieben, dass sich die Seele gerade dann ihrer tieferen Wirklichkeit bewusst werden kann, wenn die äußeren Sinne zur Ruhe kommen.
Wenn der Körper still wird und der Lärm der Gedanken nachlässt, kann eine andere Form des Sehens erwachen.
Es ist kein Sehen mit den physischen Augen, sondern ein inneres Erkennen.
Auch die buddhistische Lehre führt zu einer ähnlichen Einsicht.
Buddha fordert nicht dazu auf, Gedanken und Gefühle zu bekämpfen oder gewaltsam zum Schweigen zu bringen.
Vielmehr sollen wir lernen, sie mit Klarheit zu betrachten und zu erkennen:
Das gehört mir nicht. Das bin ich nicht. Das ist nicht mein Selbst.
Wir müssen unsere Gedanken also nicht wegdrücken, nicht zerstören.
Wir müssen sie nicht unterdrücken.
Und wir müssen auch nicht mitten in der Nacht mit ihnen diskutieren.
Wir dürfen sie einfach wahrnehmen.
Die Freiheit beginnt mit dem Erkennen
Wir sind nicht verpflichtet, jeder Stimme in unserem Kopf zu glauben.
Nicht jeder Gedanke ist eine Wahrheit.
Nicht jede Sorge ist eine Vorahnung.
Und nicht jede Angst erzählt uns etwas über das, was tatsächlich geschehen wird.
Gedanken kommen und gehen. Gefühle verändern sich. Äußere Ereignisse ziehen unsere Aufmerksamkeit auf sich und verlieren irgendwann wieder ihre Bedeutung.
Doch wir können lernen, all das bewusster wahrzunehmen, ohne uns vollständig darin zu verlieren.
Denn zwischen einem Gedanken und dem Bewusstsein, das ihn bemerkt, liegt ein Raum der Freiheit.
Und vielleicht beginnt unser inneres Erwachen genau in jenem Augenblick, in dem wir erkennen:
Ich höre die Stimme in meinem Kopf. Aber ich bin nicht diese Stimme.
Ich bin nicht jede Sorge, die sie ausspricht.
Ich bin nicht jede Angst, die sie hervorruft.
Ich bin nicht jede Geschichte, die sie über mich erzählt.
Ich darf still werden, beobachten und mich daran erinnern, dass mein inneres Wesen tiefer reicht als der unaufhörliche Strom meiner Gedanken.
Und vielleicht finden wir gerade in dieser Stille etwas wieder, das im Lärm der Welt beinahe verloren gegangen ist:
Den Frieden, einfach da zu sein.
Originalbeitrag & Video auf Rumble: https://www.universallighthouse.com/blog
© Rosi / esistallesda.de I Zusammenfassung I Übersetzung
Einfühlsam zusammengefasst und sinngemäß aus dem englischen Original von Timeless Shift übertragen.



