Simone Solga: Im Fleischwolf der Empörung | Folge 222

In der Hitzewelle kochten leider zahlreiche Gehirne über, vor allem bei den guten Menschen.

Die Hobby-Heuchler fallen über Dieter Nuhr her.

Und die Zensoren testen an Ben Ungeskripted, wie weit sie es inzwischen treiben können.

Viel Spaß mit Simone Solga, in ihrem Bettchen, Folge 222.

Hinweis: Alle weiterführenden Informationen, Verlinkungen, Empfehlungen sowie eventuelle Angebote der von Simone Solga im Video genannten Informationen sind ausschließlich über die Originalquelle abrufbar.

Bitte nutze dafür den hier angegebenen Originallink zum Video: https://www.youtube.com/@SolgaTV


© Transkript / Zusammenfassung / Übersetzung / Rosi / esistallesda.de  

Willkommen in meinem Bettchen. Ich hoffe, Sie haben die Hitzewelle gut überlebt. Das waren diese Woche ja Temperaturen wie in der Hölle oder wie an diesem anderen gefürchteten Ort des Grauens. Warten Sie, wie heißt er gleich? Ach ja, jetzt habe ich es: Temperaturen wie im Spanienurlaub.

Oh Gott, hoffentlich war das jetzt kein unmenschlicher Spruch. Sonst geht es mir noch wie Dieter Nuhr. Der wird ja gerade durch den Fleischwolf der Empörung gedreht, weil er einen Gag gemacht hat, der die guten Menschen an ihrer zarten Seele verletzt. Das Thema, Sie haben es sicher mitbekommen, waren Frauenmorde. Und da kennt der deutsche Moralbesitzer keine Nachsicht.

Allerdings nur, wenn Dieter Nuhr etwas sagt, das dem Moralbesitzer nicht gefällt. Zur echten körperlichen Gewalt an Frauen fällt diesen Menschen regelmäßig gar nichts ein. Da wird dezent geschwiegen. Oder haben Sie zu irgendeinem der vielen Frauenmorde der letzten Jahre bei den progressiven Edelmenschen jemals auch nur halb so große Empörung erlebt wie jetzt bei Nuhr? Ich jedenfalls nicht. Und ich muss sagen: Eigentlich wäre diese jämmerliche Heuchelei wirklich lustig, wenn sie leider nicht so ekelhaft wäre.

Aber vielleicht liegt es ja auch nur an der Hitze, dass manche im Oberstübchen einen Schwelbrand haben. Die extremen Temperaturen der letzten Wochen sind für die Klimabewegten der endgültige Nachweis, dass sie schon immer recht hatten. Und das stimmt natürlich, wenn man die goldene Klimaregel anwendet. Die lautet nämlich: Ein paar Wochen zu kalt, das ist einfach nur Wetter und sagt überhaupt nichts aus. Ein paar Wochen zu heiß hingegen sind ein Beweis von Gottes Gnaden, an dem es nichts zu rütteln gibt.

Leider hat sich in diesen Hitzetagen auch wieder gezeigt, dass in Deutschland zwar pausenlos von der Erderwärmung geredet wird, aber noch nicht einmal einfachste Maßnahmen ergriffen werden, um diese Erwärmung für die Menschen erträglicher zu machen.

Der unverwüstliche Karl Lauterbach musste natürlich ebenfalls seinen Senf dazugeben. Er ist ja offenbar nicht nur Maskenexperte, sondern inzwischen auch Thermometerfachmann. Lauterbach twitterte diese Woche hochdramatisch, dass während der Hitzewelle viele Menschen sterben würden. Damit hatte er vermutlich nicht einmal völlig unrecht. Viele dieser Menschen sind sicherlich in Krankenhäusern und Pflegeheimen gestorben. Dort ist eine Klimaanlage in Deutschland noch immer ein weitgehend unbekanntes Wesen.

Auch deshalb, weil unser hitzewarnender Lauterbach in seiner Zeit als Gesundheitsminister nichts, aber auch gar nichts dafür getan hat, diese beinahe dritteweltartigen Zustände zu verändern. Nun ja, wir hatten in diesem Land seit Klaus Kinski wohl keinen Prominenten mehr, der so unfassbar schamlos ist wie Karl Lauterbach. Das muss man ihm lassen.

Klimaanlagen gelten in unserem hochentwickelten Land weiterhin als energiefressender Luxus für reiche Leute. Schon eigenartig: Unser Staat will Tag für Tag das Klima schützen, aber die Menschen schützt er offenbar nicht ganz so gern. Nun ja, jeder setzt eben seine Prioritäten.

Falls Sie schon einmal Sommerurlaub in Spanien oder Italien gemacht haben, wissen Sie, dass dort gern und viel klimatisiert wird. Offenbar fehlt diesen Ländern der deutsche Wille zur Selbstkasteiung.

Was ebenfalls erstaunlich ist: Die Lebenserwartung in den heißen Ländern Spanien und Italien ist sogar höher als in Deutschland. Und in Portugal sowie Griechenland ist sie mit 81,7 Jahren exakt genauso hoch wie bei uns. Wobei das durchschnittlich etwas frühere Ableben im besten Deutschland aller Zeiten natürlich auch seine Vorteile hat. Ein Jahr weniger Leben bedeutet schließlich auch ein Jahr weniger Bahnfahren. Da bleibt einem einiges an fürchterlichem Leiden erspart.

Diese Woche erreichte die Deutsche Bahn eine neue Bestleistung. Für mehrere Stunden fuhr einfach gar kein Zug mehr. Danach machte die Bahn das einzig Richtige und riet ihren Kunden selbst davon ab, die Bahn zu benutzen. Eine Empfehlung, die ich im privaten Umfeld schon seit Jahren ausspreche. Allerdings hätte ich nie gedacht, dass die Bahn mir irgendwann einmal offiziell zustimmen würde. Schön, wenn man von den Profis bestätigt wird.

Es ist auf jeden Fall spannend, einem Land dabei zuzusehen, wie es durch das Wirken seiner Gewählten jeden Tag ein kleines Stück weiter in sich zusammenbricht.

Volkswagen hat inzwischen angekündigt, statt der ursprünglich geplanten 50.000 nun doch rund 100.000 Stellen abzubauen. Die Reaktion aus der Politik bestand im Wesentlichen aus einem einfühlsamen Schulterzucken. Wobei das vielleicht gar nicht die schlechteste Reaktion ist. Noch gefährlicher wäre es vermutlich, wenn Friedrich Merz und Lars Klingbeil beschließen würden, aktiv Maßnahmen zu ergreifen.

Ich vermute ohnehin, dass es nicht mehr lange dauert, bis Katastrophenfilmer Roland Emmerich einen Film über Deutschland dreht. Mein Titelvorschlag wäre: „Der Untergang Teil zwei – diesmal aber richtig.“

Die weibliche Hauptrolle übernimmt dann Herbert Grönemeyer. Dafür müsste er nicht einmal besonders geschminkt werden.

Berufsdemokrat Grönemeyer hat nun den Nationalpreis erhalten, vermutlich für besondere gesinnungstechnische Zuverlässigkeit. Ich glaube inzwischen, im Bereich Orden und Auszeichnungen haben wir einen perfekten geschlossenen Kreislauf geschaffen, gewissermaßen den Grünen Punkt der ehrenamtlichen Staatsdienerei. Da werden die Medaillen untereinander weitergereicht wie Ehepartner im Swingerclub.

Es muss herrlich sein, zu dieser geschlossenen Gesellschaft zu gehören. Für mich persönlich sehe ich da allerdings wenig Hoffnung. Ich rechne eher damit, dass irgendwann einmal auch mein gemütliches Bettchen Besuch bekommt.

So wie jetzt Ben Ungeskriptet. Der hat inzwischen Ärger mit dem Ministerium für Staatsmediensicherheit, pardon, mit der Landesmedienanstalt Nordrhein-Westfalen.

Diese möchte den YouTuber zwingen, sein Interview mit Björn Höcke nachträglich zu bearbeiten, weil darin Aussagen gefallen seien, die er hätte richtigstellen müssen.

Natürlich kennt jeder die vielen Interviews in ARD und ZDF, in denen linke oder grüne Experten oder andere Ideologieverkäufer ihre kruden Thesen verbreiten und anschließend jedes Mal gnadenlos kritisch hinterfragt und eingeordnet werden. Achtung, das war Ironie.

Aber ganz wichtig, damit ich nicht als Populistin gelte: Was diese Landesmedienanstalt macht, ist selbstverständlich keine Zensur. Auf gar keinen Fall. Es ist lediglich etwas, das ganz ähnlich funktioniert, dieselbe Wirkung entfaltet und dieselbe Absicht verfolgt: Angst erzeugen und Menschen irgendwann zum Schweigen bringen.

Aber eine wie ich lässt sich den Mund nicht verbieten.

Deshalb sage ich mutig und knallhart: Danke, liebe Regierenden, dass ihr eure schützende Hand über mein Gehirn haltet. Ich vertraue euch … besinnungslos … äh, pardon, bedingungslos.

Ich sage klipp und klar: Wir Werktätigen vom Kombinat Satire unterstützen die Genossen der Mitte in ihrer unermüdlichen Tätigkeit zur Erschaffung einer gerechten Gesellschaft im Geiste der Partei. Euer Befehl ist unser Vaterunser. Vorwärts immer, rückwärts nimmer. Freundschaft, bis die Schwarte kracht.

Und jetzt brauche ich auch noch Ihre Freundschaft. Drücken Sie den Gefällt mir Knopf und abonnieren Sie meinen Kanal. Wenn Sie können, unterstützen Sie mich auch, damit wir noch eine Weile gemeinsam Spaß haben können, bevor die Landesmedienanstalt auch bei mir klingelt.

Gute Nacht, du armes Deutschland.