Vergebung trägt ein Geschenk in sich. Im Englischen lässt sich forgiveness spielerisch als for giving lesen, also als etwas, das zum Geben bestimmt ist.
Bevor du in dieses Leben gekommen bist, hast du vergessen, wer du in Wahrheit bist: ein Wesen bedingungsloser Liebe. Auf deinem Lebensweg begegnen dir deshalb Menschen und Erfahrungen, die dir etwas schenken können, auch wenn sich dieses Geschenk zunächst als Verletzung, Schmerz oder Enttäuschung zeigt. Sobald du erkennst, was eine Erfahrung dir offenbaren möchte, erinnerst du dich ein Stück mehr an deine eigene Wahrheit und an die Liebe, die dich mit allem verbindet.
Das Geschenk zeigt sich immer in der Gegenwart. Es beginnt sich auszupacken, wenn du deinen Schmerz und deine Gefühle wirklich ansiehst und gleichzeitig versuchst, dem anderen mit Verständnis und Liebe zu begegnen. Dabei entdeckst du nicht nur Mitgefühl für den anderen, sondern vor allem ein tieferes Mitgefühl für dich selbst.
Wenn du vergeben möchtest, frage dich:
„Welches Geschenk lag für mich in dieser Erfahrung?“
Wenn du dieses Geschenk wirklich erkennst und fühlst, kann aus deinem Herzen ein tiefes „Danke“ entstehen. Vielleicht kommen Tränen, vielleicht ein befreiender Seufzer oder ein stilles Lächeln. Und irgendwann spürst du: Es ist vorbei. Ich darf es loslassen.
Aus dieser Sicht gibt es letztlich nichts, was du dir selbst oder einem anderen vergeben musst. Dennoch kann der Wunsch zu vergeben ein wertvoller Wegweiser sein, weil er dich zu dem Geschenk führt, das in einer schmerzhaften Erfahrung verborgen liegt.
Natürlich ist das leichter gesagt als gelebt. Der Verstand hält gerne an alten Verletzungen fest und wiederholt Gedanken und Gefühle, die den Schmerz immer wieder neu entstehen lassen. Vielleicht erzählen sie dir sogar, dass du nicht wertvoll genug bist oder dein Leid irgendwie verdient hast. Doch diese Gedanken entsprechen nicht der Liebe, die du in Wahrheit bist.
Wenn du die Erfahrung ansehen, fühlen und schließlich ihre Bedeutung erkennen kannst, entsteht Dankbarkeit. Und mit dieser Dankbarkeit kann sich etwas lösen. Manchmal kehrt eine alte Erinnerung trotzdem noch einmal zurück. Dann lädt sie dich lediglich dazu ein, noch tiefer zu schauen, bis auch die Gewohnheit, dich selbst durch diese Geschichte zu verletzen, in deiner eigenen Liebe vollständig losgelassen ist.
Mit jedem solchen Schritt wächst dein Mitgefühl für dich selbst.
Was für ein Geschenk du für mich bist.
Geschenke sind zum Geben da.
Du schenkst mir die Erinnerung daran, wer ich bin, und ich schenke dir das Geschenk meines Seins.
Ich liebe dich so sehr.
Wenn Vergebung noch nicht möglich ist
Wenn es einen Menschen gibt, dem du noch nicht vergeben kannst, wartet in dir vielleicht noch eine tiefere Ebene des Mitgefühls für dich selbst darauf, entdeckt zu werden.
Darin liegt keinerlei Urteil.
Achte vielmehr darauf, wo du dich selbst noch beurteilst. Begegne auch diesem Teil von dir mit Liebe.
Du wundervoller Mensch. Du großartiges Seelenwesen.
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Grafik: Vergeben bedeutet, einen Gefangenen freizulassen und zu erkennen, dass du selbst dieser Gefangene warst.
