Das geheime Buch des Johannes. Beitragsweiterveröffentlichung von Chellea Wilder

Das Geheime Buch des Johannes, auch Apokryphon des Johannes oder Geheime Offenbarung des Johannes genannt, ist ein gnostisch christlicher Text aus dem 2. Jahrhundert und gehört zu den bedeutendsten Schriften der Nag Hammadi Bibliothek.

Der Text enthält eine ausführliche Darstellung der klassischen gnostischen Mythologie. Er schildert, wie Jesus dem Apostel Johannes erscheint, nachdem er an den Ort zurückgekehrt ist, von dem er gekommen ist. In dieser Begegnung vermittelt Jesus Johannes verborgenes Wissen, die sogenannte Gnosis, über den Ursprung der Schöpfung, die geistige Welt und die wahre Herkunft des Menschen.

Das Werk zählt zu den wichtigsten überlieferten Texten für alle, die sich mit der Gnosis und ihrer Sicht auf die Entstehung der Welt und den geistigen Weg des Menschen beschäftigen.

The Gnostic Tarot ist inzwischen ebenfalls erhältlich. Das Kartenset entstand aus einer Verbindung von künstlerischer Experimentierfreude und sorgfältiger Gestaltung und versteht sich als besondere Würdigung der gnostischen Überlieferung. Es wird zunächst in Eigenregie über eine kleine Druckplattform angeboten und ist als Basisversion sowie als Deluxe Ausgabe verfügbar.

Auch die Motive der Gnostic Major Arcana sind als tragbare Kunst erhältlich.

Originalbeitrag: https://www.universallighthouse.com/post/the-secret-book-of-john-the-nag-hammadi-library-full-audio-book

Video: https://www.youtube.com/watch?v=ufz8YHkpeJw&t=2s

Originalbeitrag: https://www.youtube.com/@AltrusianGraceMedia

© Rosi / esistallesda.de I Zusammenfassung I Übersetzung

Zum Transkriptinhalt:

Die Schilderung reicht von Johannes’ Begegnung mit dem Erlöser über den Ursprung der göttlichen Wirklichkeit, Sophia und Jaldabaoth bis zur Erschaffung des Menschen und schließlich zur Befreiung aus Unwissenheit und Vergessen. Der Schluss beschreibt das Erwachen aus dem tiefen Schlaf und die Erinnerung an den eigenen Ursprung im Licht.

Johannes zieht sich nach einer Begegnung mit einem Pharisäer zurück, der Jesus als Verführer bezeichnet. Verunsichert fragt er sich, wer der Erlöser wirklich ist, wer ihn gesandt hat und wohin der Weg führt, von dem Jesus gesprochen hat.

Da öffnet sich der Himmel, die Welt wird von Licht erfüllt und eine Gestalt erscheint, die zugleich verschiedene Formen trägt. Sie offenbart sich Johannes als Vater, Mutter und Kind und erklärt ihm die verborgene Ordnung der sichtbaren und unsichtbaren Wirklichkeit.

Am Ursprung von allem steht das Eine, der unsichtbare Geist. Nichts steht über ihm, nichts begrenzt oder bestimmt ihn. Er ist unermesslich, unvergänglich, vollkommen und jenseits aller Vorstellungen und Namen. Alles existiert in ihm, während er selbst von nichts abhängig ist.

Aus diesem ursprünglichen Licht geht Barbelo hervor, die erste göttliche Kraft und der erste Gedanke des unsichtbaren Geistes. Mit ihr entstehen weitere göttliche Kräfte wie Vorherwissen, Unvergänglichkeit, ewiges Leben und Wahrheit. Aus dem göttlichen Licht entfalten sich weitere Äonen und Lichtwesen, bis schließlich der vollkommene Mensch als geistiges Urbild erscheint.

Dann kommt es zu einem Bruch in dieser Ordnung. Sophia, die Weisheit, bringt aus eigener Kraft und ohne ihren göttlichen Partner ein Wesen hervor. Dieses Geschöpf ist unvollkommen und unterscheidet sich von der Welt des Lichts. Sophia verbirgt es außerhalb der göttlichen Bereiche und nennt es Jaldabaoth.

Jaldabaoth besitzt einen Teil der Kraft seiner Mutter, erkennt jedoch deren Ursprung nicht. In seiner Unwissenheit hält er sich selbst für den höchsten Gott. Er erschafft weitere Herrscher und Mächte und errichtet mit ihnen eine eigene Weltordnung. Diese materielle Welt orientiert sich zwar am Vorbild der höheren geistigen Wirklichkeit, doch ihre Schöpfer verstehen deren Ursprung nicht.

Sophia erkennt ihren Irrtum und bereut. Sie bittet um Hilfe und beginnt damit den Weg zurück zur göttlichen Fülle.

Die Mächte der unteren Welt sehen schließlich das leuchtende Urbild des vollkommenen Menschen und beschließen, ein Wesen nach diesem Bild zu erschaffen. So entsteht Adam. Die verschiedenen Mächte formen seinen materiellen Körper, doch zunächst bleibt er leblos.

Auf höheren Rat haucht Jaldabaoth Adam von seiner eigenen Kraft ein. Ohne es zu erkennen, überträgt er damit jene göttliche Kraft, die ursprünglich von Sophia stammt. Adam erwacht und besitzt plötzlich mehr Erkenntnis als seine Schöpfer. Das macht die Herrscher neidisch und ängstlich.

Im Menschen lebt damit etwas, das nicht aus der materiellen Welt stammt. Eine erleuchtete Erkenntniskraft begleitet Adam und erinnert ihn an seinen höheren Ursprung. Die Mächte versuchen dagegen, den Menschen durch Unwissenheit, Begierde, Angst und Vergessen an die materielle Welt zu binden.

Auch die Geschichte von Adam und Eva erhält in diesem Text eine andere Bedeutung. Eva entsteht nicht einfach aus Adams Rippe. In ihr erscheint erneut die Kraft der erleuchteten Erkenntnis. Der Baum der Erkenntnis wird deshalb nicht als Ursache des menschlichen Falls verstanden, sondern steht mit dem Erwachen des Bewusstseins in Verbindung.

Der eigentliche Konflikt verläuft zwischen Erkenntnis und Vergessen. Der Mensch trägt göttliches Licht in sich, lebt jedoch in einer Welt, die ihn seinen Ursprung vergessen lässt. Die Mächte dieser Welt versuchen, ihn an äußere Bedingungen, Leidenschaften und ein vorgegebenes Schicksal zu binden.

Dennoch bleibt der Weg zurück offen. Entscheidend ist die Erkenntnis darüber, woher der Mensch stammt und wem seine Seele wirklich angehört. Die Kraft des Lebens kann die Seele stärken, aus Unwissenheit herausführen und zur göttlichen Fülle zurückbringen.

Selbst eine Seele, die ihren Ursprung noch nicht erkennt, bleibt nicht für immer verloren. Sie durchläuft Erfahrungen, bis sie aus dem Vergessen erwacht, Erkenntnis gewinnt und schließlich zur Vollendung findet.

Am Ende spricht die göttliche Vorsehung selbst. Sie beschreibt, wie sie mehrfach in die Dunkelheit hinabsteigt, um den Menschen zu erreichen. Schließlich dringt ihr Licht bis in das Gefängnis des Körpers und ruft den Menschen aus seinem tiefen Schlaf.

Die Botschaft lautet: Erwache. Erinnere dich an das, was du gehört hast. Erkenne deine Wurzel und deinen Ursprung.

Damit mündet die gesamte Erzählung in die Erinnerung an das göttliche Licht im Menschen. Befreiung entsteht durch Erkenntnis, durch das Erwachen aus Vergessen und Unwissenheit und durch die Rückbesinnung auf den eigenen geistigen Ursprung.

Johannes erhält den Auftrag, diese Lehre aufzuschreiben und an jene weiterzugeben, die für sie bereit sind. Danach verschwindet der Erlöser und Johannes kehrt zu den anderen Jüngern zurück, um ihnen mitzuteilen, was ihm offenbart wurde.