Ich erkenne immer tiefer, dass Liebe sich zusammenziehen kann, wenn ich sie mit emotionaler Abhängigkeit verwechsle. Wenn ich glaube, einen anderen Menschen zu brauchen, damit ich mich vollständig, sicher oder geliebt fühlen kann, entsteht meine Erfahrung von Liebe aus einem inneren Gefühl des Mangels. Dann versuche ich möglicherweise, im Außen etwas zu finden, das in Wahrheit längst in mir vorhanden ist.
Doch ich bin verkörperte Liebe.
Die Quelle ist Liebe und ich bin nicht von dieser Quelle getrennt.
Wenn ich diese Liebe nicht fühlen kann oder mir ihrer ewigen Gegenwart nicht bewusst bin, bedeutet das nicht, dass sie verschwunden ist. Ich habe lediglich für einen Moment vergessen, was ich bin. Vielleicht schlafe ich noch gegenüber einer Wahrheit, die dennoch immer da ist.
Wenn ich in einem bestimmten Augenblick nicht in dieses Wissen eintreten kann, darf ich liebevoll hinschauen, welche Überzeugung oder welche Emotion gerade zwischen mir und dieser Erkenntnis steht. Vielleicht ist es Angst. Vielleicht Verlustangst. Vielleicht die Vorstellung, ohne einen bestimmten Menschen nicht vollständig zu sein.
Doch es ist die Illusion der Trennung, die mich vorübergehend blind macht.
Ich bin niemals wirklich von der Liebe getrennt.
Gerade in meinen engsten Beziehungen darf ich deshalb lernen, emotionale Bindung von wahrer Liebe zu unterscheiden. Manchmal bedeutet Liebe, einen anderen Menschen innerlich freizugeben. Das heißt nicht zwangsläufig, dass ich die Beziehung beenden oder äußerlich etwas verändern muss. Es bedeutet vielmehr, die emotionalen Fesseln zu lösen, durch die ich den anderen unbewusst für mein eigenes Wohlbefinden verantwortlich mache.
Und vielleicht kann ich einen Menschen gerade dann noch tiefer lieben.
Ich darf meine Gefühle ausdrücken und auch mein Gegenüber darf seine Gefühle ausdrücken. Doch niemand muss die Verantwortung für die Gefühlswelt des anderen tragen. Ich muss einen Menschen nicht festhalten, damit Liebe bestehen bleibt. Ich muss ihn nicht verändern, retten oder dazu bringen, mir etwas zu geben, damit ich mich vollständig fühle.
Ich darf ihn freigeben und dennoch lieben.
Auch wenn ein Mensch zu mir kommt und Orientierung, Trost oder Begleitung sucht, kann ich versuchen, mich nicht an ihn oder seine Geschichte zu binden. Ich darf tiefer schauen und in ihm dieselbe göttliche Quelle erkennen, die auch in mir lebt.
Dann begegnet nicht mehr ein vermeintlich vollständiger Mensch einem vermeintlich unvollständigen Menschen.
Die Quelle begegnet der Quelle.
Gott spricht mit Gott.
Liebe begegnet Liebe.
Und gleichzeitig darf ich vollkommen menschlich bleiben. Ich darf meine Eigenheiten haben. Ich darf verspielt, eigensinnig, stark, weise und manchmal unbeholfen sein. Meine Menschlichkeit steht meiner Göttlichkeit nicht im Weg. Vielleicht ist sie gerade das Gefäß, durch das sich diese Liebe ausdrücken möchte.
Je tiefer ich mich dafür öffne, desto weniger habe ich das Gefühl, dass ich mein Bewusstsein irgendwo außerhalb meiner selbst finden müsste. Vielmehr darf sich die Liebe durch mich ausdrücken.
Und irgendwann wird sogar das getrennte Ich still.
In der Tiefe dieser Liebe verliert die Vorstellung, ein vollkommen getrenntes Wesen zu sein, ihre Bedeutung. Was bleibt, ist Gegenwart. Verbundenheit. Quelle. Liebe.
Deshalb möchte ich mich immer wieder daran erinnern:
Ich muss Liebe nicht festhalten.
Ich muss Liebe nicht verdienen.
Ich muss Liebe nicht von einem anderen Menschen bekommen, um vollständig zu sein.
Ich darf lieben, ohne zu besitzen.
Ich darf verbunden sein, ohne mich selbst zu verlieren.
Ich darf einen Menschen freigeben, ohne meine Liebe zu ihm aufzugeben.
Und ich darf mich daran erinnern, dass die Liebe, nach der ich im Außen gesucht habe, bereits in mir lebt.
Ich bin nicht von ihr getrennt.
Ich bin ein Ausdruck von ihr.
Ich bin DAS.
Und ich bin unendlich geliebt.
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Grafik: „Wenn ihr euch nicht wandelt und wieder werdet wie die Kinder, werdet ihr nicht in das Himmelreich eintreten.“
